Kinderfragen in vielen Sprachen bilden den Ausgangspunkt von „Only Flowers“ – dem Eröffnungsstück von Luaga & Losna 2026. (Foto: Monika Isanska)
Silvia Thurner · 09. Mai 2026 · Musik

Internationale Akkordeonkunst mit Spielfreude und Humor

Jubel bei der Akkordeonale am Dornbirner Spielboden

Die Akkordeonale hat in Vorarlberg eine große Fangemeinde. Bis auf den letzten Platz war der Saal gefüllt, als Servais Haanen mit Adriana de Los Santos aus Brasilien, Zabou Guérin aus Frankreich, Maurizio Minardi aus Italien und Dimos Vougioukas aus Griechenland die Bühne des Dornbirner Spielbodens bespielte. Unterstützt wurden die Akkordeonist:innen von Diogo Picão am Sopransaxofon und Johanna Stein am Violoncello. Allein die (Klang-)Palette der unterschiedlichen Akkordeoninstrumente, die vom Bandoneon über eine eher kleine Knopfharmonika bis zum Bajan reichte, bot viel Abwechslung. Zusätzlich sorgten die vielseitigen Stilrichtungen und die Auftritte in unterschiedlichen Besetzungen für spannende und anregende Erlebnisse. Der Spiritus rector Servais Haanen befand sich nach 18 Jahren auf Abschiedstour. Er wurde für seine originellen Moderationen, die hervorragende Programmgestaltung und die virtuosen Darbietungen der Musiker:innen stürmisch gefeiert.

Alle Akkordeonist:innen, die Servais Haanen zu seiner Abschiedstournee durch Deutschland mit einem Abstecher nach Dornbirn einlud, waren bereits einmal bei der Akkordeonale dabei. Die Traditionen und die Musik aus den jeweiligen Heimatländern der Musiker:innen bestimmten die Werkauswahl. Die gute Stimmung auf der Bühne übertrug sich unmittelbar auf den Saal.
Einen großen Eindruck hinterließ die Akkordeonistin und Komponistin Zabou Guérin mit ihrer Interpretation des Werkes „Boîte à Rythme“ von Franck Angelis. Die ungeraden Rhythmen und die Klangschichtungen entfaltete sie souverän und führte die Musik am Schluss mit einem Augenzwinkern in die Stille. Zabou Guérins eigenes Werk „Bulldozer“ das sie im Duo mit Johanna Stein präsentierte, ließ ebenfalls aufhorchen. Die Sounds am Anfang erzeugten eine Atmosphäre mit starkem Fundament. Im Rhythmus einer Mazurka entwickelte sich der musikalische Verlauf straff und gespickt mit überraschenden Wendungen. Humor zeigte das Duo auch in „Crunchy Nut“ von Johanna Stein, das die Sprache als musikalisches Element einbezog und mit großem Drive vorantrieb.
Für die Tour 2026 komponierte Zabou Guérin das Ensemblewerk „Résilience“, ein mitteilsames Werk, das als organisches Ganzes entwickelt wurde, in einen weiten, transparent ausgeformten Klangfluss führte und in einen vokal dargebotenen Schluss mündete.
Die Cellistin Johanna Stein ergänzte die Akkordeonist:innen in mehreren Darbietungen. Ihre Vielseitigkeit und musikalische Kreativität kamen in zahlreichen begleitenden Patterns sowie emphatisch hervorgehobenen melodischen Linien zum Ausdruck.
Der aus Italien stammende, in Paris lebende Akkordeonist und Komponist Maurizio Minardi brachte in „Anastasia“ seine individuelle kompositorische Handschrift ein. Die Musik verband Ragtime mit reizvollen Dialogen und schwungvollen parallel geführten Passagen, die das Quartett mit Akkordeon, Saxofon, Violoncello und Marschtrommel hervorragend zur Geltung brachte. Sein Werk „La Brume“ verwies mit minimalistischen Tonschichtungen musikalisch ins 20. Jahrhundert.
Dimos Vougioukas führte mit seinem Bandoneon in eine klangsinnlich eher melancholische musikalische Welt. Der erdige Klang sowie die poesievollen Werke, unter anderem des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, begeisterten. Darüber hinaus belebten sein Werk „Shine of Platans“ sowie der traditionelle griechische Tanz „Servikaki alaniko“ die Sinne.
Die Akkordeonistin Adriana De Los Santos transferierte mit ihrer Knopfharmonika die robuste und etwas herb wirkende Musik der Gaucho-Kulturen mit einem Touch von Westernmusik nach Dornbirn.
Diogo Picão ergänzte das Ensemble mit seinem Sopransaxofon und unterstrich in zahlreichen Kompositionen die melodischen Linien. Beeindruckend war nicht nur sein Instrumentalspiel, sondern er begeisterte auch mit seiner ausdrucksstarken Stimme.
Bei Servais Haanen liefen die Fäden zusammen. Neben Kompositionen, die einen „Happy Sound“ verströmten, ließ er mit seiner schönen Stimme auch als Chansonnier aufhorchen. Gute Unterhaltung boten seine humorvollen Moderationen, mit denen er die Bandmitglieder charakterisierte und die dargebotenen Kompositionen in anregende Geschichten verpackte. Zum Abschluss bedankte sich Servais Haanen bei seiner Partnerin und Mitorganisatorin Kristine Talamo-Spiegel mit dem für sie geschriebenen Stück „Menina os olhos verdes“. Restlose Begeisterung löste die „Akkordeonale-Band“ schließlich mit „La passerella d‘addio“ von Nino Rota aus.
Ab 2027 wird das im deutschen Sprachraum viel beachtete Festival von Alex Almeida in die Zukunft geführt.