Ein Tanz um Wahrheit und Vertrauen
„Kleine Eheverbrechen“ von Éric-Emmanuel Schmitt im Theater Kosmos in Bregenz
Fünfzehn Jahre Ehe – für Lisa und Gilles ist das der Ausgangspunkt für eine ebenso schwungvolle wie abgründige Suche nach dem Kern ihrer Liebe, nach Wahrheit und Vertrauen. Letzten Donnerstag war Premiere im Theater Kosmos und das universelle Thema Liebe wurde dabei als ein recht subjektives Phänomen gefeiert. Regisseurin Michaela Vogel inszenierte Éric-Emmanuel Schmitts humorvolles Drama „Kleine Eheverbrechen“ als unterhaltsame Nabelschau zwischen den Eheleuten Lisa und Gilles. Das Spieler-Duo Katrin Jaehne und Johannes Gabl liefert sich dabei einen veritablen Tanz um eheliche Lügen, Geheimnisse und kleine, schmerzhaft große Wahrheiten.
Amnesie als Ehetest
Nach einem vermeintlichen Unfall kehrt Gilles ohne Erinnerungen in die gemeinsame Wohnung zurück. Lisa will ihrem Mann helfen, seine Amnesie zu überwinden, sich an die gemeinsame Zeit, an sich selbst und an sie zu erinnern. In einem anfänglich witzigen Frage-Antwort-Spiel tauchen immer mehr Risse, immer mehr Irritationen auf. Lisa erzählt einerseits von den eigentümlichen und anstrengenden Eigenheiten ihres Ehemannes, beschwört andererseits ihr Eheleben aber als wunderbar, voller gemeinsamer Interessen und Aktivitäten und reger sexueller Anziehung. Gilles schaut verwundert, sucht nach Erinnerung und Übereinstimmung, fühlt sich wie ein „erwachsenes Neugeborenes“.
Frage nach der echten Liebe
Schmitts Text ist voller Wortwitz, voller kluger Zitate und Lebensweisheiten. Und nach und nach, Satz für Satz, schält sich die bittere Wahrheit heraus, nach und nach erfahren wir, was tatsächlich passiert ist, und nach und nach wird die Frage nach der echten Liebe immer lauter. Was macht Liebe mit den Menschen, wie verändert sie sich im Laufe der gemeinsamen Jahre?
Präzise Pointen, leichte Schwere
Katrin Jaehne spielt sehr souverän die Ehefrau, die die Fäden in der Hand hat, während sie zugleich ab und an ein frappierendes Unwohlsein durchschimmern lässt. Johannes Gabl wirkt in der Rolle des Ehemanns ab und an etwas hölzern, in seiner erinnerungslosen Unbeholfenheit und seiner jungenhaften Unsicherheit aber herrlich komisch.
Regisseurin Michaela Vogel setzt auf Genauigkeit, auf klare Wege und Aktionen, auf exakte Pointen und Wendungen. Etwas mehr Tempo, ein kleinwenig Schludrigkeit und auch Leichtigkeit hätten dem Theaterabend jedoch gutgetan.
Für Aug und Ohr
Wunderbare Akzente setzt das visuelle Konzept: Nicole Wehinger zaubert mit ihren Kostümen eine Leichtigkeit auf die von Mandy Hanke entworfene, farbenfrohe Bühne. Umrahmt und punktuell unterstrichen wird die Geschichte von Herwig Hammerls facettenreicher Musik.
Das Publikum bedankte sich bei den Akteuren mit jubelndem Applaus!