Belastende Pressekonferenzen und TV-Duelle (Foto: TFCITD)
Michael Pekler · 28. Apr 2026 · Film

Neu in den Kinos: „Der Wunderweltenbaum“

Süßigkeiten ohne Ende und Geburtstagselfen? Einen Baum, der solche Wünsche erfüllt, kann man sich nur wünschen. In der Adaption der fantastischen Kinderbuchreihe von Enid Blyton gibt es ihn im Kino zu sehen. Der mit Selbstironie und frischem Witz ausgestattete Familienfilm sorgt in schlechten Zeiten für gute Laune.

Die britische Kinderbuchautorin Enid Blyton gilt nicht unbedingt als Vorreiterin der fantastischen Literatur. Im deutschsprachigen Raum ist die kommerziell erfolgreiche Vielschreiberin etwa vor allem aufgrund ihrer in Internaten angesiedelten Mädchenromane („Hanni und Nanni“, „Dolly“) bekannt. Wer hierzulande in den 1980er Jahren ohne die „Fünf Freunde“ aufgewachsen ist, dem fehlt heute als Erwachsenem ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Erstaunlicherweise wenig beachtet wurde hingegen Blytons von 1939 bis 1951 erschienene vierteilige Buchreihe über einen magischen Baum, der drei Geschwistern eine wundersame Welt erschließt: In „The Faraway Tree“ erzählt Blyton von einem Abenteuer hoch über den Wolken und vom Zauber kindlicher Fantasie.

Skurrile Gesellschaft

Wie so oft beginnt die Reise in die Parallelwelt in der behaupteten Wirklichkeit. In der britischen Kinoadaption „Der Wunderweltenbaum“ („The Magic Faraway Tree“) schupft der Vater (Andrew Garfield) Haushalt und Kinder, während die Mutter (Claire Foy) ihren Job kündigt, weil ihre neueste Erfindung, ein intelligenter Kühlschrank, zu Überwachungszwecken missbraucht wurde. Da bleibt der mittellosen fünfköpfigen Familie nur noch die Flucht aufs Land in ein verfallenes Bauernhaus. Doch auch im nahen Wald trifft man Fee Seidenhaar, Mondgesicht, den Pfannenmann und Mister Watzisname nicht alle Tage. Um diese skurrile Gesellschaft und weitere bemerkenswerte Charaktere – Achtung vor Dame Snap! – kennenzulernen, muss man nämlich noch an Magie glauben und darf also noch nicht erwachsen sein. Insofern ist die kleine Fran (Billie Gadsdon) bestens dafür geeignet, den in den Himmel ragenden Wunderweltenbaum und seine Bewohner:innen zu entdecken.

Frischer Wind

Blyton frischte klassische Motive aus „Alice im Wunderland“ und „Peter Pan“ – glücklicherweise nicht christlich indoktrinierend wie C. S. Lewis in seiner gleichzeitig erschienenen „Narnia“-Reihe – für die Kriegsgeneration erfolgreich auf, und auch die aktuelle Verfilmung dieses typisch britischen Stoffes macht ihre Sache erstaunlich gut. Zu verdanken ist das vor allem der selbstironischen Adaption des „Paddington“-Autors und Comedians Simon Farnaby. Zwar wird in dessen modernisierter Fassung von der unterhaltungssüchtigen Internetjugend bis zum versponnenen Biobauernvater so manches Klischee bedient, doch richtig ernst genommen will die lockere Neuerzählung gar nicht werden. Die eigenwilligen Baumbewohner:innen, die Fran und wenig später Bruder und Schwester mittels Himmelsleiter in weitere fremde Welten schicken – die unbedingt rechtzeitig wieder verlassen werden müssen! –, wirken wie charmante Nachbarn mit durchaus menschlichen Schwächen. Ein frischer Wind weht hier nicht nur durch die Buchseiten der Kriegsjahre, sondern auch durchs Haar der queeren Geburtstagselfen, die sich von Frau Wasch das bunte Outfit waschen lassen. Ganz ohne Rettung in letzter Sekunde und Hilfeleistung für das elterliche Glashausgemüse geht es natürlich nicht ab. Weshalb am Ende auch der Vater das Kind im Manne wiederfinden darf.

ab 30.4., Kinothek Lustenau (dF), Cineplexx Hohenems (dF)