Kunsthaus Bregenz: KOO JEONG A – Otro, 2008-2012 (Foto: l'escault, © KOO JEONG A)
Michael Pekler · 05. Feb 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Companion: Die perfekte Begleitung“

Wenn wieder einmal ein Wochenende in einem abgelegenen Haus einen drastischen Verlauf nimmt, muss das nicht unbedingt an einem bösen Eindringling liegen. Es könnte auch sein, dass sich eine junge Frau namens Iris ihrer Rolle als willige Begleiterin entledigt.

Die perfekte Begleitung sieht aus wie Iris. Jedenfalls für Josh, der seine neue Freundin zum ersten Mal seinem Freundeskreis präsentiert: lange dunkle Haare, blasser Teint, große Augen, schlank. Für Männer wie Josh also eine Frau wie aus dem Katalog. Josh (Jack Quaid) und Iris (Sophie Thatcher) sind schon seit einigen Monaten ein Paar, dennoch ist Iris bei der Ankunft nervös: Das Haus am See, wo zu sechst das Wochenende verbracht werden soll, erweist sich als Luxusdomizil und übersteigt ihre Erwartungen. Andererseits weiß sie nicht, ob sie jene der Freunde erfüllen kann, denen Josh schon einiges über sie berichtet hat.
„Companion“ beginnt mit einer ganzen Reihe solcher Verstörungen. Der Hausbesitzer und Gastgeber ist ein schwerreicher Russe, seine Freundin verhält sich gegenüber Iris latent ungehalten, und das die Gesellschaft komplettierende schwule Pärchen wirkt unnatürlich schwer verliebt. Obwohl Josh am Abend nur kurz mit der anderen Frau tanzt, ist Iris eifersüchtig. Dann ist Bettruhe. Iris will nach dem Sex noch plaudern, doch darauf hat Josh keine Lust. „Go to sleep“, meint er, und das klingt nicht nur wie ein Befehl, sondern ist auch einer. Der Begleitrobotor Iris ist ausgeschalten.

Böses Spiel

Dass dieser Plot-Twist überhaupt erwähnt werden muss, ist zwar schade, andererseits verraten ihn ohnehin bereits Trailer und Plakat. Wie sich die Dinge entwickeln, warum Iris nach einem Besuch am See, wo sie auf den übergriffigen russischen Hausherrn trifft, an einen Stuhl gefesselt aufwacht, und warum sie in der Folge den halben Film lang mit blutiger Bluse abwechselnd verfolgt wird oder jemand anderen verfolgt, soll unbedingt verschwiegen werden. Denn der wiederholt in den Horror kippende Thriller von Autor und Regisseur Drew Hancock überrascht als Genremix nicht nur mit schwarzem Humor, sondern liefert noch weitere zahlreiche Wendungen. Dabei verliert „Companion“ sein eigentliches Ziel nie aus den Augen: Iris mag eine von künstlicher Intelligenz gesteuerte – und damit von Menschenhand steuerbare – Roboterfrau sein, doch besitzt sie definitiv auch eine größere emotionale Intelligenz als alle anderen am zunehmend bösen Spiel Beteiligten. Was wiederum hervorragend in ein Setting passt, in dem echte Menschen nichts verloren haben, sondern völlig zu Recht durch Genretypen ersetzt werden.  
Mit den großen Fragen zum Thema Mensch/Maschine hält sich dieser Film also nicht auf, das Nachdenken über das Leben und Leid von Androiden überlässt Hancock lieber Berufeneren wie Steven Spielberg, der bereits in „A.I.“ Jude Law als Liebesroboter inszenierte. Stattdessen konzentriert sich „Companion“ ganz auf das Motiv der Selbstermächtigung: Dass Iris zumindest anfänglich jeden Befehl ausführen, immer die Wahrheit sagen und bedingungslos lieben muss, ist bald bester Grund für einen Reboot. Selbstakzeptanz ist der Schlüssel zum inneren Frieden, könnte das Motto dieser Geschichte lauten. Oder: Behandle deinen Roboter so, wie du möchtest, dass er dich behandelt.

ab 6.2., Kino Bludenz, Kinothek Lustenau, Cinplexx Hohenems, Cineplexx Lauterach