Aktuell in den Filmclubs (7.2. – 13.2.2025)
Beim Filmforum Bregenz lässt diese Woche Mo Harawe in seinem Langfilmdebüt „The Village Next to Paradise“ in den Alltag einer Patchwork-Familie in Somalia eintauchen. In der Kinothek Lustenau steht dagegen mit Klaudia Reynickes „Reinas – Die Königinnen“ eine Coming-of-Age- und Familiengeschichte auf dem Programm, die vor dem Hintergrund des von wirtschaftlichen und politischen Krisen erschütterten Peru der frühen 1990er Jahre spielt.
Reinas – Die Königinnen: Elena möchte aus dem von wirtschaftlichen und politischen Krisen erschütterten Peru der frühen 1990er Jahre mit ihren beiden Töchtern Aurora und Luzia in die USA emigrieren. Dazu muss ihr getrennt lebender Mann aber eine Ausreisegenehmigung für seine ihm längst entfremdeten Töchter unterschreiben.
Ganz auf Augenhöhe mit den beiden Mädchen, vor allem mit der 15-jährigen Aurora, erzählt die 1976 in Lima geborene Klaudia Reynicke vor dem Hintergrund der angespannten gesellschaftlichen und politischen Lage von einem Coming of Age, von wachsender Sympathie für den Vater trotz seiner permanenten Lügen sowie von Auroras Zerrissenheit zwischen Mutterliebe und Angst vor dem Verlust ihres Freundeskreises.
Kein Charakter ist hier eindimensional, sondern wunderbar ambivalent und liebevoll werden alle Familienmitglieder gezeichnet. Einfühlsam wird vor allem die Situation der beiden Töchter geschildert, bei denen Luzia immer wieder auf ihre große Schwester aufschaut und auf ihre Unterstützung hofft. Aber auch die Angst des Vaters vor endgültiger Trennung von seinen Kindern wird ebenso überzeugend vermittelt wie der Wunsch der Mutter, mit der Emigration vor allem ihren Kindern den Weg zu einer besseren Zukunft zu öffnen.
Man spürt in dieser Genauigkeit und Warmherzigkeit, wie dieser auch wunderbar natürlich gespielte Familienfilm, der nicht nur bei der Berlinale mit dem Großen Preis der Jury in der Jugendfilmschiene „Generation Kplus“ ausgezeichnet wurde, sondern auch in Locarno auf der Piazza Grande den Publikumspreis gewann, von persönlichen Erfahrungen der Regisseurin geprägt ist.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 12.2, 20 Uhr + Mo 17.2., 18 Uhr
The Village Next to Paradise: Im Langfilmdebüt des aus Somalia stammenden, aber seit 1992 in Österreich lebenden Mo Harawe versetzen Nachrichten von einem US-Drohnenangriff und Tötung eines hohen Al-Qaida-Mitglieds in den ostafrikanischen Staat. Von der westlichen Perspektive verschiebt sich der Blick aber sofort auf die einheimische Ebene, wenn der von Gelegenheitsjobs lebende Mamargade (Ahmed Ali Farah) einen bei dem Angriff als Kollateralschaden umgekommenen Einheimischen begraben muss.
Der alleinerziehende Vater lebt mit seinem etwa achtjährigen Sohn Cigaaal (Ahmed Mohamud Saleban) und seiner Schwester Araweelo (Anab Ahmed Ibrahim), deren Mann sich scheiden lässt, weil die Ehe kinderlos blieb, in einem kleinen Dorf an der Küste. Am Alltag dieser Patchwork-Familie bietet Harawe einen einfühlsamen Einblick in die vielfältigen Probleme des Lebens in Somalia.
Nicht nur die finanzielle Situation ist schwierig, sondern auch die Schule des Sohnes wird wegen Lehrermangel bald geschlossen und die Schwester bekommt ohne Mann keinen Kredit, um eine neue Existenz als Schneiderin aufzubauen. Um das Geld für Cigaals Internatsbesuch in der Stadt aufzutreiben, nimmt Mamargade deshalb auch dubiose Jobs an, bei denen er lieber nicht wissen will, was er außer Ziegen noch auf dem Pickup transportiert.
Geradezu aufreizend linear und einfach erzählt Harawe. Er dramatisiert nicht, sondern schildert in langen Einstellungen, fokussiert auf den Menschen und verzichtet auf inszenatorische Tricks. An den italienischen Neorealismus eines Vittorio de Sica erinnert dieser Film so in seiner Einfachheit, der zwar die Not nicht beschönigt, aber auch nicht in Pessimismus verfällt. Denn einerseits verbreiten die in kräftige Farben getauchten Bilder Lebensfreude und Optimismus, andererseits macht die Entschlossenheit, mit der die Schwester für ihre Schneiderei kämpft und der Schulbesuch des Sohnes, Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 13.2., 20 Uhr
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