Lukas Oscar beim Poolbar Festival (Foto: Daniel Furxer)
Michael Pekler · 15. Jul 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Black Tea“

Der mauretanische Regisseur Abderrahmane Sissako ist einer einer bedeutendsten afrikanischen Filmemacher der Gegenwart. In seiner jüngsten Arbeit wandert eine Frau von der Elfenbeinküste nach China aus, um sich ein neues Leben aufzubauen. Die bedächtig erzählte Geschichte mutet nahezu poetisch an – und ist wie Sissakos bisheriges Werk dennoch ein politischer Film geworden.

Bei der kollektiven Hochzeitszeremonie schockiert Aya (Nina Melo) die anderen Brautpaare und versammelten Gäste. Er würde mit ihr nicht glücklich werden, meint sie zu dem Mann im weißen Anzug neben ihr und verweigert das Ja-Wort. Tatsächlich würde jedoch vor allem sie nicht glücklich werden. Später erfährt man weitere Gründe für die geplatzte Hochzeit. Aya ist keine Braut, die sich nicht traut, sondern im Gegenteil sehr mutig. Kurz darauf sieht man sie völlig unerwartet zwischen asiatischen Läden spazieren und sich angeregt unterhalten. Aya ist von der Elfenbeinküste nach China ausgewandert.
Aya lebt nun in der sogenannten Chocolate City, einem Stadtteil von Guangzhou mit vielen afrikanischen Einwanderern. Die schmalen und hübsch dekorierten Gassen mit den kleinen Läden entsprechen keineswegs dem geläufigen Bild einer chinesischen Millionenmetropole, im Gegenteil scheint hier wie in einem Dorf in heimeliger Atmosphäre jeder den anderen zu kennen. Offensichtlich ist seit Ayas Ankunft eine Weile vergangen, denn sie spricht nicht nur perfekt Mandarin, sondern hat in der chinesisch-afrikanischen Gemeinschaft viele Freundschaften geschlossen. Ihrer Arbeit in einem Teeladen, wo sie vom Ladenbesitzer Cai (Chang Han) in die alte Kunst der Teezeremonie eingeweiht wird, geht sie mit Stolz und Freude nach. Und tatsächlich zeichnet sich hier eine zarte Romanze ab. 

Privates und Politisches

Der gebürtige Mauretanier Abderrahmane Sissako gilt als einer der bedeutendsten afrikanischen Filmemacher, dessen Arbeiten in der Vergangenheit regelmäßig auf den internationalen Festivals gezeigt wurden. Dennoch hat es zehn Jahre gedauert, bis Sissako endlich einen neuen Film drehen konnte. Doch im Gegensatz zu seinen politischen Filmen – „Bamako“ über einen fiktiven Prozess der Zivilgesellschaft gegen die Weltbank oder „Timbuktu“ über den Dschihadismus in Mali – überrascht „Black Tea“ mit einem für Sissako ungewöhnlichen Tonfall: Die bedächtig erzählte Geschichte von Aya und ihrem Neuanfang mutet nahezu poetisch an.
Doch obwohl Sissako seinen angestammten Schauplatz Nordafrika gegen China – gedreht wurde allerdings in Taiwan – tauscht, bleibt er seinen gesellschaftspolitischen Themen und Motiven treu. Auch „Black Tea“ erzählt von Migration und Globalisierung, von der Beziehung zwischen einem seit Jahrhunderten ausgebeuteten Kontinent und einer ihn ausbeutenden aufstrebenden Wirtschaftsmacht. Doch diesmal bleiben, während man der privaten Geschichte Ayas und ihrer aufkeimenden Liebe zum besonnenen Cai – und deren gemeinsamer Liebe zum Tee – folgt, die politischen Verwicklungen und Verwerfungen erkennbar im Hintergrund. Aya ist nicht aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen aus ihrer Heimat geflohen, sie wurde nicht verfolgt und von Schleppern missbraucht. Sissako setzt diesen bekannten Bildern mit „Black Tea“ eine optimistische Vision gegenüber: einen Film über eine afrikanische Frau, die in der Fremde und einer anderen Kultur zu einer selbstbestimmten Identität findet. Und vielleicht sogar eine andere Liebe.

ab 18.7., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)