Aktuell in den Filmclubs (18.7. – 24.7.2025)
Sommerzeit ist die Zeit der Open-Air-Kinos: Das Feldkircher Poolbar Festival zeigt diese Woche den Dokumentarfilm "Eileen Gray und das Haus am Meer", bei dem vom Filmforum Bregenz kuratierten Programm des Kunsthaus Bregenz steht dagegen Wim Wenders´ fulminanter Tanzfilm "Pina - Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren" auf dem Programm.
Eileen Gray und das Haus am Meer: Beatrice Minger und ihr Co-Regisseur Christoph Schaub zeichnen mit Archivmaterial und nachgestellten Szenen das Leben der irischen Designerin und Architektin Eileen Gray nach. Mit unterschiedlichsten Filmschnipseln wird am Beginn ein eindrückliches Bild der pulsierenden 1920er Jahre vermittelt, in denen Gray aufgrund des ihr von der Mutter hinterlassenen Vermögens nicht arbeiten musste, sondern ihren künstlerischen Interessen als Designerin von Stühlen und Tischen nachgehen konnte.
Die Begegnung mit dem Architekten Jean Badovici, der als Journalist die Architekturzeitschrift „L‘architecture vivante“ herausgab, führte sie vom Design zur Architektur und ließ sie 1929 an der Côte d‘Azur das Haus E.1027 planen und bauen. Bald übernahm hier aber Badovici das Kommando, der auch Le Corbusier in dieses Haus holte.
Scharf rechnen Minger und Schaub, die konsequent aus der Perspektive Grays erzählen, mit männlicher Arroganz und Vereinnahmung ab. Schlecht lassen die Filmemacher:innen den berühmten Le Corbusier aussehen und zeichnen ein eindrückliches Porträt des Lebens dieser bedeutenden Designerin, die erst 1968 wiederentdeckt wurde. Aber sie rücken auch immer wieder die herausragende Architektur ihres Hauses ins Bild, zeichnen aber auch dessen Verfall nach.
Großartig fließen inszenierte Szenen und Archivmaterial dabei zu einem Dokumentarfilm zusammen, in dem Poesie und Information Hand in Hand gehen, und leichthändig wechselt auch immer wieder das Filmformat.
Poolbar Festival Feldkirch, Open Air auf der Wiese Reichenfeld: Mi 23.7., 21 Uhr
Pina – Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren: Lange planten Wim Wenders und Pina Bausch, die über 20 Jahre eine Freundschaft verband, einen gemeinsamen Film, doch dann starb die Tanzpionierin im Alter von 69 Jahren überraschend am 30. Juni 2009. Das Projekt musste neu konzipiert werden und statt eines Films mit Pina Bausch entstand ein Film über und vor allem ein Film für diese Kultfigur der internationalen Tanzszene. Über die Biographie der Gründerin und Leiterin des legendären Wuppertaler Tanztheaters erfährt man in dieser großen Hommage beinahe nichts, denn Wenders konzentriert sich ganz auf Tanzszenen, in denen er – vor allem in der 3D-Fassung – das Gefühl erzeugt, in einem Theater mit raumtiefer Bühne zu sitzen.
Hautnah dabei und teilweise fast mitten drin im Geschehen ist man bei den Tanzszenen, die Wenders immer wieder vom Theater in den Alltag überführt. Den Tanz scheint Wenders damit im Sinne Bauschs vom Elfenbeinturm des Theaters ins Leben zu überführen, ganz entsprechend dem Credo der Verstorbenen: „Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“.
Unterbrochen werden die Ausschnitte aus den noch gemeinsam mit Bausch ausgesuchten Choreographien "„Café Müller“, „Le Sacre du printemps“, „Vollmond“ und „Kontakthof“ nur durch kurze Statements des Ensembles des Tanztheaters Wuppertal. Diese werden aus dem Off eingesprochen, während man in die unbewegten Gesichter der Tänzer:innen schaut.
Bausch selbst ist nur in zurückhaltend eingesetzten Tonbandaufnahmen zu hören und in wenigen Filmausschnitten zu sehen, die durch Rahmung in Art eines Guckkastens wieder räumlich in den Hintergrund gerückt werden. Ganz über ihr Schaffen definiert Wenders die große Künstlerin, hält sich selbst zurück, überlässt den Raum der Verstorbenen, die der Film in ihren Choreographien weiterleben lässt.
Kunsthaus Bregenz, Open-Air auf dem Karl-Tizian-Platz: Do 24.7., 21.15 Uhr
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