Natürlich, herzerfrischend und mit Risikobereitschaft
Julia Hagen und Lukas Sternath bei der Schubertiade Hohenems
Die Cellistin Julia Hagen und der Pianist Lukas Sternath trumpften im Markus Sittikus Saal in Hohenems mit einem inspirierenden Konzert auf. Die erste Hälfte widmeten die Musikerin und der Musiker der Romantik mit Werken von Schumann und Brahms. Später wendeten sie den Blick nach Frankreich und faszinierten die Zuhörenden mit der klangfarbenreichen Sonate in d-Moll von Claude Debussy. Abschließend erklang César Francks Sonate für Violine und Klavier in einer Bearbeitung für Violoncello stilvoll und mit ansprechender Kommunikation.
Julia Hagen wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Ihre Karriere als Cellistin führte sie bereits mit international gefeierten Kammermusikpartner:innen und Orchestern zusammen. Seit 2021 ist sie auch ein gern gesehener Gast bei der Schubertiade. Ihr bescheidenes und natürliches Auftreten und zugleich ihr musikalisches Temperament und die kommunikative Art der Phrasierung zeichnen ihr Spiel auf ihrem klangschönen Ruggieri-Cello aus dem Jahr 1684 aus. Insbesondere die tiefen Basslagen verströmen ein warmes und zugleich imposantes Timbre.
Der 2001 geborene Wiener Pianist Lukas Sternath machte spätestens 2022 international auf sich aufmerksam, als er beim internationalen ARD-Musikwettbewerb den ersten Preis sowie weitere sieben Sonderpreise erhielt. Ihn nun bei der Schubertiade im Duo mit Julia Hagen zu hören, weckte hohe Erwartungen und eine große Vorfreude.
Das Vergnügen am gemeinsamen Gestalten der Themen und Motive sowie ihr gegenseitiges Geben und Nehmen waren von Beginn an mitzuerleben. Außerdem wurde sogleich klar, wie gut die beiden in den detailliert ausgedeuteten Phrasen in allen dargebotenen Werken aufeinander hörten, um feine Nuancierungen abgestimmt zu artikulieren.
Wenngleich das Klavier meinem Empfinden nach in der ersten Konzerthälfte etwas dominant wirkte, kamen die Intentionen von Julia Hagen und Lukas Sternath hervorragend zur Geltung. Die beiden musizierten fröhlich sowie emotional vertieft und ohne übertriebene Körperbewegungen miteinander, und stellten damit den musikalischen Ausdruck ganz in den Vordergrund.
Mit diesen Voraussetzungen wurden die Werkdeutungen von Schumanns Adagio und Allegro, op. 70 sowie die Cellosonate, op. 99 von Johannes Brahms zu inspirierenden Hörerlebnissen. Besonders in Erinnerung blieben bei Schumann der Übergang vom Adagio ins Allegro, die schwungvolle Ausformung des Hauptthemas sowie die voll ausgekosteten gegenläufigen Bewegungen des Violoncellos im Zusammenwirken mit dem Klavier.
Bei Brahms lenkte die legere und fein nuancierte Spielart von Lukas Sternath die Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem am Ende des ersten Satzes agierten die Cellistin und der Pianist jedoch allzu sehr als Solist:innen, sodass der kammermusikalische Geist etwas ins Hintertreffen geriet. Einen großen Eindruck hinterließ das Allegro passionato mit seiner unterschwelligen Spannung und einer obertonreichen Tongebung im Cello sowie perlenden Läufen im Klavier.
Intensiv dargebotener Debussy
Den Höhepunkt des vielschichtigen Konzertes bildete Claude Debussys Sonate für Violoncello und Klavier in d-Moll. Die Arpeggien und die federleicht in den Raum gestellten Motive mit tief intonierten Leittönen begeisterten im Prologue. In der Sérénade steigerten Julia Hagen und Lukas Sternath ihr präzises Miteinander und musizierten wunderbar aufeinander abgestimmt. Ihre Freude an einer differenzierten Tongebung und das Ausloten feinster Schattierungen bewirkte im Saal eine intensive Atmosphäre. Der Stillstand und die Bewegung in der Musik kamen voll zur Geltung.
Die Sonate für Violine und Klavier von César Franck ist eines der berühmtesten und meistgespielten romantischen Werke überhaupt. Julia Hagen und Lukas Sternath griffen auf die von César Franck autorisierte Bearbeitung des Cellisten Jules Delsart zurück und formten das viersätzige Werk leidenschaftlich bewegt aus. Sie ließen den Themen im Eröffnungssatz Zeit, blähten die Linienführungen nie künstlich auf und musizierten in einem in sich ruhenden Duktus. Reizvoll formulierten die Musikerin und der Musiker das Rezitativ des dritten Satzes. Abschnittweise wurde die Cellistin vom sehr präsent agierenden Pianisten über den akkordischen Begleitakkorden getragen. Miteinander ließen sie die musikalischen Gesten in der Fantasie fließen. Das Hauptthema im Finale kosteten Julia Hagen und Lukas Sternath geistreich aus. Sie umgarnten einander, formulierten quirlige Frage- und Antwortspiele sowie Rufe und Echos klar aus und steigerten sich mit viel Esprit in die Musik hinein. Das Publikum ging begeistert mit.
Für den herzlichen Applaus bedankten sich Julia Hagen und Lukas Sternath mit der auf dem Cello gesungenen Ballade „Du bist die Ruh“ von Franz Schubert.