Bregenzer Frühling: Die Hofesh Shechter Company lud mit "Theatre of Dreams" zu einer neunzigminütigen Expedition in die Welt unserer Träume und Albträume. (Foto: Todd MacDonald)
Walter Gasperi · 01. Mai 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (2.5. – 8.5.2025)

Am Spielboden Dornbirn wird diese Woche nochmals Matthew Rankins vor Einfallsreichtum sprühende, surreal-absurde Komödie „Universal Language“ gezeigt. Beim FKC Dornbirn bietet dagegen das Biopic „Niki de Saint Phalle“ Einblick in das Werden der französischen Künstlerin und ihre Auseinandersetzung mit dem Missbrauch durch den Vater.

Universal Language: Gespickt mit Referenzen an das iranische Kino der 1980er und 1990er Jahre, aber auch an die Filme von Wes Anderson und Roy Andersson entführt der Kanadier Matthew Rankin in seinem zweiten Spielfilm in ein winterlich kaltes Winnipeg. Gesprochen wird dabei nicht Englisch, sondern vorwiegend Farsi und nur zufällig kreuzen sich zunächst die Wege eines iranischen Stadtführers und Grundschüler:innen, die einen im Eis eingefrorenen Geldschein freizulegen versuchen. Völlig unabhängig davon verläuft dagegen lange die Geschichte um einen kanadischen Beamten, der von Quebec in seine Heimatstadt Winnipeg aufbricht, um seine kranke Mutter zu besuchen.
Rankin reiht in seinem vor Einfallsreichtum sprühenden Film nicht nur in knochentrockener Erzählweise surreal-absurde Szenen aneinander, sondern führt die scheinbar unabhängigen Geschichten am Ende auch ebenso selbstverständlich wie schlüssig zusammen. Mit diesem Ende signalisiert der Kanadier nicht nur, wie die Leben unterschiedlichster Menschen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, miteinander verflochten sind, sondern „Universal Language“ entwickelt sich hier auch zur humanistischen Ode, die berührend Empathie und Fürsorge als das Verbindende zwischen Menschen feiert, auch wenn Sprachgrenzen sie zu trennen scheinen.
Spielboden Dornbirn: Fr 2.5., 19.30 Uhr

 

Niki de Saint Phalle: Céline Sallette konzentriert sich in ihrem Biopic über die französische Malerin und Bildhauerin auf ihren Weg zur Künstlerin in den 1950er Jahren und deren Auseinandersetzung mit dem Missbrauch durch ihren Vater.
Anstelle einer Hagiographie liefert Sallette so das Porträt einer von den kindlichen Erfahrungen geprägten, zerrissenen Frau, die freilich schließlich in ihrer Kunst auch Befreiung findet. Nicht nur sie kann nämlich in den Kunstwerken, bei denen sie mit Messer und Pfeilen die mit Farbbeuteln behängte Leinwand bewirft, ihre Aggression gegenüber dem Vater abreagieren, sondern auch Ausstellungsbesucher:innen bietet sie dazu die Möglichkeit. Eindrücklich, wenn auch plakativ wird der Film dabei, wenn ein junger Mann zunächst zögerlich, dann immer wütender Pfeile auf das Bild schießt. Auf Nikis Frage, gegen wen sich denn diese enorme Wut richte, antwortet der Bruder des Schützen: „Vermutlich auf unseren Vater“.
Solide, aber konventionell inszeniert, stört bei diesem Biopic einzig der wiederholte Einsatz von Splitscreen. Unergründlich bleibt dessen Funktion und wirkt letztlich nur prätentiös. Doch über diese Schwäche lässt die Hauptdarstellerin Charlotte Le Bon hinwegsehen. Sie spielt die Titelfigur mit einer Leidenschaft und einem Einsatz, die das Interesse an dieser selbstbewussten Frau über den ganzen Film aufrecht halten.  
Hinnehmen muss man allerdings, dass man Niki zwar beim Malen, aber nie eines ihrer Gemälde sieht. Dies resultiert aus einem rechtlichen Verbot, und kann man bedauern. Gleichzeitig kann dieses Bildverbot aber auch die Zuschauer:innen anregen, sich abseits des Films selbst mit der Kunst der 2002 verstorbenen Künstlerin zu beschäftigen.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 7.5., 18 Uhr + Do 8.5., 19.30 Uhr

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