Klara Vith – „[No Subject]“, Videoinstallation (Foto: Patricia Keckeis)
Annette Raschner · 01. Mai 2025 · Aktuell

Ein intellektuell und emotional wärmendes Lagerfeuer

Spielzeitpräsentation des Vorarlberger Landestheaters

„Amerika“ nach einem Romanfragment von Franz Kafka ist die letzte große Theaterproduktion des Vorarlberger Landestheaters, die in dieser Spielsaison, am 17. Mai, Premiere feiert – ein Stück über die Suche nach Identität und Zugehörigkeit in einer Welt voller Missverständnisse. Mit Zuversicht kann das Team in die Zukunft blicken. Es zeichnet sich die höchste Publikumsauslastung seit Antritt von Stephanie Gräve als Intendantin vor sieben Jahren ab. Bei einer Pressekonferenz hat sie die Produktionen der Spielzeit 2025/26 präsentiert.

Mit über 4.000 Besucherinnen und Besuchern war das Stück „Aus seinem Leben“ von Felix Mitterer über den Bregenzerwälder Dichter, Sozialreformer und Politiker Franz Michael Felder DER Publikumsrenner dieser Spielzeit. Doch auch besonders anspruchsvolle Produktionen wie „Rechnitz“ von Elfriede Jelinek erfreuten sich hoher Beliebtheit. „Wir spüren eine große Sehnsucht bei unserem Publikum, sich mit uns über gesellschaftliche Entwicklungen auseinanderzusetzen“, sagt Landestheaterintendantin Stephanie Gräve und fügt hinzu: „Für viele sind wir ein wärmendes Lagerfeuer geworden, eine zweite Heimat.“

Transit als Begriff der Hoffnung

Im mexikanischen Exil hat die deutsche Schriftstellerin Anna Seghers 1941/42 den Roman „Transit“ geschrieben, in dem sich Menschen nicht nur im bürokratischen Wahnsinn verlieren, sondern auch in ihren eigenen Geschichten. Die Stückfassung von Reto Finger trägt Seghers‘ Erzählung in eine Gegenwart; es wird im Herbst die erste Regiearbeit der Landestheaterintendantin sein. Angesichts der vielen Krisen hoffe sie, dass das Wort Transit zur Hoffnung werde: „Wir hoffen, dass diese Zeit eine des Übergangs ist und arbeiten für das Bessere.“ 

Velvet Nights and Broken Dreams

Der bereits traditionelle Liederabend zur Eröffnung mit dem engagierten, jungen Ensemble des Vorarlberger Landestheaters entführt in das New York der 1960er Jahre, wo Dichter auf Rebellen und Verlorene auf Visionäre getroffen sind. Die erste Premiere der neuen Spielzeit bringt die wohl düsterste Tragödie von Shakespeare auf die Große Bühne: „Macbeth“, ein Drama vom Aufstieg und Fall eines Tyrannen. Für Stephanie Gräve ist Shakespeare der Inbegriff des Theaters. Sie und ihr Team bereisen Shakespears Kontinent von der blutigsten Tragödie bis zur Komödie. Denn am Ende der Spielzeit wird es mit „Ein Sommernachtstraum“ leicht, luftig und verspielt. 

Zwölf Premieren, vier Uraufführungen

Max Riccabona, Maria Stromberger, Franz Michael Felder, Stephanie Hollenstein - das Vorarlberger Landestheater hat es sich in den vergangenen Jahren auch zur Aufgabe gemacht, sich mit bekannten Persönlichkeiten der jüngeren Vorarlberger Geschichte eingehend zu beschäftigen.  Ein Stück, dessen Erzählstruktur drei Leben im Gestern und Heute miteinander verknüpft, ist dem 1894 in Göfis geborenen Priester und Provikar Carl Lampert gewidmet, der 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Es wird ein Community-Projekt, an dem unter anderem auch der Bürger:innenchor des Vorarlberger Landestheaters und Mitglieder des Spielbodenchores mitwirken werden. 

Alles auf Schiene

Die bühnentechnische Sanierung des Vorarlberger Landestheaters ist bekanntlich um eine Spielzeit verschoben worden. Nun sei aber alles auf Schiene, versichert die Geschäftsführerin der KUGES, Monika Wagner. Die notwendigen Beschlüsse seien gefasst, und die Ausschreibungen liefen bereits. Im Sommer nächsten Jahres wird das Theater geräumt, dann soll die Generalsanierung, für die rund 11,3 Millionen Euro veranschlagt wurden, in einem Jahr abgewickelt werden. In dieser Übergangsphase will das Ensemble Vorarlberg spielerisch erkunden und an möglichst vielen Orten zu Gast sein. „Wir freuen uns über entsprechende Einladungen“, sagt Intendantin Stephanie Gräve.

Die Spielzeit 2025/26 des Vorarlberger Landestheaters wird am 6. September mit dem Liederabend „Velvet Nights and Broken Dreams“ sowie einem Fest eröffnet. Am 20. September feiert dann die Tragödie „Macbeth“ Premiere. Für Inszenierung und Bühne zeichnet Johannes Lepper verantwortlich.