Ein überzeugendes Schubertiade-Debüt
Das Goldmund Quartett aus München war am Sonntagnachmittag in Hohenems zu Gast
Ursprünglich war der Plan, in der ersten Konzertwoche der 50. Schubertiade ausschließlich junge Künstlerinnen und Künstler zu präsentieren, die zum ersten Mal bei diesem Festival auftreten. Der junge österreichische Pianist Lukas Sternath wäre einer von ihnen gewesen, als Einspringer für einen erkrankten Kollegen gab er sein Debüt allerdings bereits letztes Jahr. Weitere Terminverschiebungen brachten die ursprüngliche Planung durcheinander, doch einige interessante Schubertiade-Debütant:innen konnte und kann man nach wie vor im Hohenemser Markus-Sittikus-Saal kennenlernen.
Das Goldmund Quartett etwa. Studiert man die Biografie dieses Ensembles, war ein Auftritt bei der Schubertiade fast schon überfällig. Unterricht bei Mitgliedern großer Quartette mit klingenden Namen wie Cherubini, Alban Berg, Belcea, Artemis oder Hagen, ausgewählt als „Rising Stars“ der European-Concert-Hall-Organisation, Gewinner renommierter Wettbewerbe in Melbourne und London (Wigmore Hall String Competition) und vor zwei Jahren Veröffentlichung einer hochgelobten Einspielung mit Werken von Franz Schubert.
Hermann Hesse als Namensgeber
Beim Goldmund Quartett handelt es sich allerdings nicht um ganz junge Musiker, die frisch aus dem Studium heraus die Kammermusikwelt erobern wollen. Die vier Herren Florian Schötz und Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Raphael Paratore (Violoncello) kennen einander seit ihrer gemeinsamen Schulzeit und haben ihr Studium an der Musikhochschule in München absolviert. Offiziell gegründet wurde das Goldmund Quartett dann 2011. Das nach einer der beiden Titelfiguren des Romans „Narziss und Goldmund“ von Hermann Hesse benannte Ensemble spielt seit 2019 auf vier Instrumenten aus der Werkstatt von Antonio Stradivari, die sich einst im Besitz von Niccolo Paganini befanden und die dem Quartett von der Nippon Music Foundation langfristig zur Verfügung gestellt werden.
Am Sonntagnachmittag in Hohenems spielte das Goldmund Quartett ausschließlich Werke von Franz Schubert. Zunächst den unvollendeten Quartettsatz in c-moll D 703, dann das frühe Es-Dur Quartett D 87 und nach der Pause „Der Tod und das Mädchen“ D 810. Die vier Streicher im besten Alter wirken ausgesprochen sympathisch, auch die kurze Moderation des Cellisten verstärkt diesen Eindruck. Technisch sind sie über jeden Zweifel erhaben, aber das erwartet man ja auch bei Schubertiade-Ensembles. Es ist ein sehr ausgeglichenes Quartett, im Gegensatz zu anderen Formationen, bei denen eindeutig die Erste Violine oder das Cello den Ton angeben. Das Goldmund Quartett gibt den Mittelstimmen erfreulich viel Raum, hier entdeckt man auch in bekannten und oft gehörten Werken immer wieder ungewöhnliche Wendungen in der klanglichen Balance.
Überzeugende Stilmischung
Laut eigener Aussage versucht das Ensemble, eine Mischung aus verschiedenen nationalen Quartettschulen zu erreichen, das Beste aus mehreren Welten sozusagen. Und das gelingt: Deutsche Klarheit, amerikanische Klangfülle und französische Detailarbeit ergeben einen überzeugenden Grundcharakter ohne aufgesetzte Mätzchen wie übertriebenes Non-Vibrato-Spiel oder sonstige Extravaganzen. Das verwöhnte Schubertiade Publikum reagierte begeistert und bekam dafür noch zwei „alpenländische“ Zugaben. Ein Wiedersehen mit dem Goldmund Quartett im Rahmen einer der kommenden Schubertiaden scheint fast unausweichlich.
www.schubertiade.at
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