Die Sopranistin Emma Kajander und die beiden Komponistinnen Ethel Smyth sowie Elizabeth Maconchy verliehen dem vielschichtigen Orchesterkonzert des SOV mit Leo McFall am Pult eine besondere Strahlkraft. (Foto: Christian Lins)
Michael Pekler · 27. Apr 2025 · Film

Neu in den Kinos: „Volveréis – Ein fast klassischer Liebesfilm“

Drum prüfe, wer sich ewig trennt: In Jonas Truebas Tragikomödie bereitet ein Paar sein Auseinandergehen vor – mit einem versöhnlichen Abschiedsfest. Ein sympathisch liebevoller Liebesfilm voller Referenzen und Reverenzen an die Kino- und Literaturgeschichte.

Mit der Wiederholung ist das so eine Sache: Die einen schätzen die Sicherheit des Immergleichen, die anderen empfinden die Routine als langweilig. In „Volveréis – Ein fast klassischer Liebesfilm“ spielt die Wiederholung eine große Rolle – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Denn das Paar, um das dieser Film kreist, hat gleich zu Beginn beschlossen, sich von der Wiederholung zu verabschieden und sich zu trennen. Nach eineinhalb Jahrzehnten gemeinsamer Zeit wollen Ale (Itsaso Arana) und Alex (Vito Sanz) einen Schlussstrich ziehen. Offensichtlich hat der Alltag seine Spuren hinterlassen. Andererseits kann man keinen Grund erkennen, warum die beiden getrennte Wege gehen wollen. Kein Streit, keine Disharmonie. Weil man sich also im Guten trennt, will man das Auseinandergehen mit einem Fest feiern. „Aber es geht uns gut“, lautet die Standardformel der beiden, wenn sie ihren Freunden von der bevorstehenden Trennung berichten. Allerdings ist den beiden oft nicht klar, wer kommen soll oder nicht. Nur gemeinsame Freunde oder auch die Nachbarn? Eine blöde Idee, finden die meisten. Und von der zu einem Fest ist ohnehin kaum jemand überzeugt. Stattdessen davon, dass die beiden – dem spanischen Originaltitel entsprechend – sicher wieder zueinanderfinden werden. 

Von Kierkegaard lernen

„Volveréis“ wirkt tatsächlich, wie der deutsche Zusatztitel behauptet, fast wie ein klassischer Liebesfilm, allerdings mit einigen Eigenwilligkeiten. Die beginnen damit, dass Ale, eine Regisseurin, gerade mit der Fertigstellung ihres jüngsten Films beschäftigt ist, in dem Alex, ein Schauspieler, selbstverständlich eine wichtige Rolle spielt – was aber erst im Laufe von „Volvereís“ ersichtlich wird. Denn plötzlich sehen wir einzelne Szenen noch einmal, eben als Wiederholung, allerdings auf dem Monitor in Ales Filmstudio, wo sie die Aufnahmen mit ihrem Schnittassistenten bespricht. Ist „Volveréis“ gar jener Film, den Ale gerade dreht?
Das erinnert an die postmodernen Romane von Italo Calvino, und tatsächlich ist „Volveréis“ eine postklassische Tragikomödie, nicht nur voller Referenzen und Reverenzen an die Kino- und Literaturgeschichte, sondern vom spanischen Regisseur und Autor Jonás Trueba auch mit zahlreichen Sebstbezüglichkeiten angereichert. Dass Ales Vater (Fernando Trueba, renommierter Filmemacher und Vater des Regisseurs) seiner Tochter neben Büchern von Stanley Cavell auch Kierkegaards „Die Wiederholung“ zur Lektüre mitgibt, ist mehr als nur philosophische Unterfütterung: Eben in der Wiederholung wäre, dem dänischen Theologen zufolge, der „Ernst des Daseins“ zu finden. Weshalb nun ausgerechnet Ales Vater, der vor vielen Jahren aus einer Laune heraus die Idee aufbrachte, man solle den Abschied feiern und nicht die Verlobung oder die Hochzeit, nun für die Feier sein Haus zur Verfügung stellen will. An seine Idee von damals kann er sich natürlich nicht erinnern. 

Verborgene Fragen

Wie die Freunde des Trennungspaars im Film scheint auch Trueba vom tatsächlichen Ende der Liebe nicht restlos überzeugt, meldet „Volveréis“ immer wieder Zweifel an, ob es nicht doch noch anders kommen könnte. Die liebevollen Aufmerksamkeiten sind ebenso geblieben wie manche gemeinsamen Wege. Zum Bücherstand auf dem Trödelmarkt, zu Wohnungsbesichtigungen, bei denen nicht klar ist, wer von den beiden hier einziehen soll. Gestritten wird, wenn überhaupt, über Filme und weibliche Rollenbilder im Kino. Beim Antiquitätenhändler an der Ecke wird sogar ein Paar Lehnsessel gekauft, weil die Stühle einzeln nicht zu haben sind.
Der mitunter nahezu dokumentarische Gestus, den Trueba wählt, entspricht der Beobachtung einer geplanten Trennung ohne Höhen und Tiefen. Die dahinter verborgene Frage kommt erst langsam zum Vorschein: Wichtige Entscheidungen sollte man erst treffen, wenn man sich die Folgen wiederholt überlegt hat.

Ab 1.5., TaSKino im GUK Feldkirch (OmU)