Mutige und leidenschaftliche musikalische Gemeinschaft
Beim IBC-Abschlusskonzert wurde die Liebe zu Blasinstrumenten mitreißend in Szene gesetzt
Die Bregenzer Festspiele bereichern nicht nur kulturbegeisterte Menschen, die zu den zahlreichen musikalisch-theatralischen Aufführungen ins Festspielhaus strömen. Alle zwei Jahre belebt das internationale Blasmusik-Camp, das Christoph Indrist vom Vorarlberger Blasmusikverband in Zusammenarbeit mit Musikern der Wiener Symphoniker auf die Beine stellt, die ganze Region. Rund 80 junge und junggebliebene Musiker:innen formierten sich zu einem groß besetzten symphonischen Blasorchester. Unter dem Motto „Brass Amore“ präsentierten sie unter der Leitung von Martin Kerschbaum ein dramaturgisch gut aufgebautes Konzertprogramm. Innerhalb von nur fünf Tagen erarbeiteten die Teilnehmer:innen des Blasmusik-Camps, unterstützt von zehn Musikern der Wiener Symphoniker, ein anspruchsvolles, beschwingtes und anregendes Konzertprogramm. Das beeindruckende Niveau der Darbietungen begeisterte und versetzte das Publikum in euphorische Stimmung.
Das Konzert im großen Saal des Bregenzer Festspielhauses eröffnete das Blasorchester unter der Leitung von Martin Kerschbaum mit der „Fanfare for a new Era“ des Musikproduzenten und Komponisten Pinkzebra. Eine erwartungsvolle Spiellust und ein bisschen Nervosität begleiteten das Eingangsstück. Doch bereits in diesem Werk ließen die Qualitäten der einzelnen Stimmgruppen sowie die kraftvollen dynamischen Steigerungen aufhorchen.
Mut zur Gestaltung zeigten die Musiker:innen in Carl Maria von Webers Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz“, die Harald Suilen für symphonisches Blasorchester arrangiert hat. Obwohl die Bläser:innen teilweise vor enorme Herausforderungen gestellt wurden, schöpften sie aus dem Vollen und spielten die charakteristischen Themen mit großer Schubkraft. So kamen die pastoralen, die unheimlichen und die unbeschwert fröhlichen Stimmungsbilder gut zur Geltung. Spieltechnisch anspruchsvoll war zudem Gioachino Rossinis Ouvertüre zur Oper „Il Barbiere di Siviglia“. Spritzig stellten die Musiker:innen die begleitenden Tonrepetitionen in den Raum und boten damit eine exzellente Grundlage für die quirligen und humorvollen Motive, die in schön gespannten Phrasierungsbögen ausgestaltet erklangen.
Die Schönheit der Klangfarbenspiele
Hervorragend dazu passte das Werk „The Hounds of Spring“ von Alfred Reed, ein im Original für symphonisches Blasorchester komponiertes Werk. Die schwungvollen Melodien und Bewegungsverläufe kristallisierten die Schönheit des Klangflusses, der durch die Instrumentengruppen geführt wurde, deutlich heraus. Mit viel Elan gestalteten die Musiker:innen auch den zweiten Abschnitt mit den fröhlichen Punktierungen, und obwohl die Koordination in diesem Abschnitt nicht immer optimal gelang, tat dies dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.
Lebensfreude, Liebe und Romantik bestimmten den einen Konzertteil. Die durchdachte Werkauswahl entfaltete jedoch viele weitere Gefühlswelten und verlieh auch besinnlicheren Aspekten Raum. Die Vorzüge der symphonischen Blasorchesterbesetzung illustrierte das Orchester in Handel Parkers Werk „Deep Harmony“. Hier breiteten die Musiker:innen den musikalischen Grund in einer beeindruckenden Klangbalance aus, während die höheren Register die Melodien führten. Aufhorchen ließ die ausgewogene Pianokultur des groß besetzten Orchesters und die weich ineinander geführten Linien.
John Williams komponierte die „Hymn to the Fallen“ für den Film „Saving Private Ryan“. Philip Sparke fasste die ergreifende Musik in ein hervorragend instrumentiertes Arrangement. Das Orchester entfaltete die Themen mit großer rhetorischer Ausdruckskraft. Verbunden mit der immer wieder erklingenden Marschtrommel wirkte die Musik als dringliche Hommage für Kriegsopfer weltweit.
In ausgelassener Spielfreude
Mit Humor, Zirkusfreuden und lateinamerikanisch inspirierter, tänzerischer Lebenslust versetzte das IBC-Orchester unter der Leitung von Martin Kerschbaum die Konzertbesucher:innen in Feierlaune. In Camille Saint-Saëns „Dance Macabre“ trat der Tod auf, der Regeln bricht und Verstorbene zum Tanz einlädt. Das schaurig humorvolle Treiben setzte das IBC-Blasorchester mit rasch fließenden chromatischen Linien und wirbelnden Bewegung in Szene, unterstrichen von wirkungsvollen Steigerungen und anschaulichen Xylophon-Passagen.
Ganz in ihrem Element waren die Musiker:innen in „Sousa at the Circus“ von John Philip Sousa. Mit ansteckender Spielfreude führten sie die frischfröhlichen Themen durch die Instrumentengruppen und der stringente Marschrhythmus verbreitete gute Laune. Ebenso begeisterte der Klassiker „Copacabana“ von Barry Manilow/Jack Feldman/Bruce Sussman, den das Blasorchester mit viel Perkussion und einem mitreißenden Feeling für die lateinamerikanischen Rhythmen spielte.
Für den jubelnden Applaus und die Standing Ovations bedankten sich die Orchestermusiker:innen mit dem Stück „The Incredibles“ von Michael Giacchino, bekannt aus dem gleichnamigen Film von Walt Disney. Dabei verwandelte sich das symphonische Blasorchester kurzerhand in ein Jazzorchester. Rasant und wagemutig erklangen die rasanten Themen und Rhythmen, gespickt mit einem mitreißenden Trompetensolo.
Großer Mehrwert für die gesamte Region
Beim internationalen Blasmusik-Camp versammeln sich begeisterte Blasmusikant:innen aus Vorarlberg den Bundesländern sowie dem benachbarten Ausland und erleben beim Erarbeiten des vielschichtigen Programmes mit den engagierten Dozenten Erwin Klambauer (Querflöte), Paul Kaiser (Fagott, Oboe), Manuel Gangl und Alexander Neubauer (Klarinette, Saxophon), Markus Obmann (Horn), Andreas Gruber und Christian Löw (hohes Blech), Reinhard Hofbauer (Posaune und Euphonium), Franz Winkler (Tuba, Euphonium) und Thomas Schindl (Schlagwerk) eine herausragende musikalische Zeit. Hier finden viele junge Musiker:innen Anreize und Freude und die seltene Gelegenheit, in einem niveauvollen Blasorchester mit Spezialisten ihres Faches zu musizieren. Deshalb ist diese Initiative für die Vorarlberger Blasmusikszene von unschätzbarem Wert, denn sie schafft Anreize, bereitet Freude und hebt das Niveau in den heimischen Musikvereinen.
Eine Zugabe mit einer besonderen Note
Bereits zum siebenten Mal fand das IBC unter der Leitung von Martin Kerschbaum statt. Bei ihm liefen die Fäden zusammen, er dirigierte die Musiker:innen, die alle auf der Stuhlkante sitzend, das Beste gaben, mit schwungvoller und motivierender Gestik.
Jedes Jahr „gräbt“ Martin Kerschbaum einen Marsch aus den Archiven aus, mit dem das IBC Konzert seinen Abschluss findet. Auch in diesem Jahr wurde er fündig, und so erklang der „Habisreutinger Marsch“ von Franz Jaksch, einem aus Prag stammenden Musiker und Kapellmeister. Er und sein Vater Adalbert Jaksch bereicherten die Musikszene Vorarlbergs um die Jahrhundertwende um 1900 maßgeblich.
Zum Konzert des IBC gehört auch Bettina Barnay-Walser. Seit dem Blasorchester-Camp begleitet sie die Konzerte im Festspielhaus mit ihren unterhaltsamen und informativen Moderationen.
Tipp: Mitschnitt des Konzertes „Brass Amore“ mit den Absolvent:innen des 7. Internationalen Blasmusik-Camps mit den Wiener Symphonikern.
Montag, 15.9.25, 21 Uhr, ORF Radio Vorarlberg