„weltbewegt“ – Eine Ausstellung über Entwicklung und globale Zusammenarbeit
Walter Gasperi · 07. Aug 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (8.8. – 14.8.2025)

Sommerzeit ist Open-Air-Kino-Zeit: Beim Open Air des KUB Bregenz steht diese Woche mit „Last Dance“ eine feinfühlige Tragikomödie auf dem Programm, in der ein Senior die Lust am Modern Dance entdeckt. Bei „Filme unter Sternen“ wird dagegen auf dem Marktplatz Rankweil James Mangolds Bob Dylan-Biopic „Like a Complete Unknown“ gezeigt.

Last Dance: 50 Jahre sind der 75-jährige Germain (François Berléand) und Lise (Dominique Reymond) ein Paar. Während er kontemplativ orientiert ist und sich an Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erfreut, beginnt sie an den Proben für eine Modern-Dance-Aufführung mitzuwirken. Bestens umsorgt wird das alte Paar von seinen drei erwachsenen Kindern. Vor allem Germain fühlt sich aber durch deren Überfürsorge in seiner Freiheit und Selbstständigkeit eingeschränkt. Doch dann stirbt Lise plötzlich und die Kinder glauben, sich noch mehr um den Vater kümmern zu müssen. Weil sich Germain und Lise aber einst gegenseitig versprochen haben, dass der jeweils Überlebende die letzte Aufgabe des Verstorbenen fortsetzt und beendet, beginnt er heimlich selbst bei der Tanzkompagnie mitzuwirken. 
Ein warmherziges Vergnügen ist es zuzusehen, wie der von Francois Berléand mit viel Gefühl gespielte Rentner langsam Spaß am neuen Hobby entwickelt, sich nach Unsicherheiten in die Tanztruppe einfügt, zunehmend Lust an Bewegungen und der Entdeckung des Körperlichen empfindet. Seine Geheimniskrämerei gegenüber seinen Kindern führt dabei bald zu witzigen Missverständnissen, zu falschen Einschätzungen und zu Wendungen, die das Vergnügen an „Last Dance“ steigern. 
Dass alles etwas zu glatt abläuft, alle zu nett sind und der Film von Harmoniesucht durchzogen ist, kann man Delphine Lehericeys Feelgood-Movie, das Lebensfreude und auch Lust am Tanzen und an der Körperlichkeit, aber auch am Essen verbreitet, vorwerfen. Doch nimmt man diese Schwäche hin, erlebt man eine runde und feinfühlige Tragikomödie, die liebevoll und mit Witz sowohl dem Wunsch der älteren Generation nach selbstbestimmtem Leben und Aktivität im Alter gerecht wird als auch die Fürsorge durch die Kinder feiert, aber auch in ihrem Übermaß sanft kritisiert. 
Open Air des KUB Bregenz, Karl-Tizian-Platz: Do 14.8., 21.15 Uhr

 

Like a Complete Unknown: James Mangold beschränkt sich in seinem Biopic auf den Aufstieg Bob Dylans zum Star in den frühen 1960er Jahren bis zum Newport Folk Festival 1965. Dort vollzieht der Folksänger den Übergang zur mit elektronischer Verstärkung arbeitenden Rockmusik und zieht damit die Gegnerschaft der Veranstalter, aber auch die Ablehnung zumindest eines Teils des Publikums auf sich.
Mangold versucht weder Dylan zu erklären noch verklärt er ihn, sondern zeichnet ihn als Sänger und Mensch mit Ecken und Kanten. Ausführlich arbeitet er so auch den Preis der Berühmtheit heraus. Unerträglich findet der Singer-Songwriter nämlich, dass er stets Erwartungen von Fans erfüllen soll. In keine Schublade will er sich pressen lassen und auch der Rummel in der Öffentlichkeit ist ihm zuwider.
Großartig vermittelt Timothée Chalamet, der sich fünf Jahre für diese Rolle vorbereitet haben soll und auch selbst die zahlreichen Songs singt, diese Entwicklung Dylans vom unbeschwerten jungen Mann zum zunehmend unter seinem Ruhm leidenden Star, der gleichwohl stets seine Unabhängigkeit bewahrt und trotzig seinen eigenen Weg geht.
Geschickt bettet Mangold die Handlung aber auch über Nachrichten im Fernsehen in die politische und gesellschaftliche Entwicklung ein, von der Kubakrise über den Kampf für Abschaffung der Rassentrennung bis zum Vietnamkrieg. Wenn Dylan beim Newport-Festival 1964 „The Times They Are A-Changin‘“ singt, dann evoziert der Film intensiv die Stimmung eines gesellschaftlichen Wandels, gleichzeitig wird mit dem Zoom auf die zunehmend traurig blickende Sylvia aber auch der private Umbruch mit einer Trennung signalisiert.
In seinem genau getakteten Rhythmus, in dem Szene auf Szene folgt, nichts breit ausgewalzt wird, aber auch nie Hektik aufkommt, ist „Like a Complete Unknown“ eine perfekt geölte Kinomaschine. Zügig wird so die Handlung vorangetrieben, die sorgfältige Ausstattung evoziert dicht die Atmosphäre der frühen 1960er Jahre und auch die zahlreichen Songs sorgen dafür, dass kein Leerlauf aufkommt.
Open Air „Filme unter Sternen“, Marktplatz Rankweil: Do 14.8., 21 Uhr


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