Musikalische Nostalgie mit Esprit und Eleganz
Das Ensemble Velvet begeisterte in der Villa Grünau
Einen vergnüglichen Abend schenkten Birgit Plankel, Lea E. Müller und Christina Brunner den zahlreichen Konzertbesucher:innen im Rahmen der Konzertreihe „Kultur in Kennelbach“. Im schönen Ambiente der Villa Grünau traten die drei Sängerinnen und Nora Calvo-Smith als Ensemble Velvet auf. Im Stil der berühmten „Andrews Sisters“ führten sie die Zuhörenden humorvoll, mit geschlossenen Harmonien, viel Bewegung und Rhythmik in die Welt der Lieder aus den 1930er bis 1960er Jahren.
Birgit Plankel, Lea E. Müller und Christina Brunner hatten viel Spaß bei der Ausgestaltung der Songs. Den Kontakt zum Publikum suchten und fanden sie ganz unmittelbar schon mit dem Begrüßungssong „Willkommen“ aus dem Musical Cabaret von John Kander. Fröhlich und ungezwungen, mit ausdrucksvoller Körpersprache und stets mit großer musikalischer Präzision entfalteten sie die Lieder. Den Charme der Stücke kristallisierten die Sängerinnen unter anderem mit einer durchdachten harmonischen Gestaltung heraus. Mit rhythmischer Bewegung und fröhlichem Kontakt zueinander, jeweils mit wechselnden Stimmenaufteilungen, belebten sie die Lieder und formten daraus kleine Geschichten. Zahlreiche Passagen zeichneten sich durch eine fein abgestufte Dynamik und eine ausgewogene Stimmenbalance aus. Der enge Kontakt zueinander und die umsichtige Begleitung von Nora Calvo-Smith am Klavier ermöglichten den drei Sängerinnen zahlreiche textdeutende Temposchwankungen. Das titelgebende jiddische Lied „Bei mir bist du schön“ (Jacobs/Secunda) interpretierten die drei Sängerinnen mit tänzerischer Eleganz und humorvoller Körpersprache.
Der Swing-Song „Don’t sit under the appletree“ (Brown/Tobias/Stept) ließ den charakteristischen Stil der berühmten Andrews Sisters aus den USA aufleben. Ihr dreistimmiger Harmoniegesang, die rhythmische Prägnanz und Bühnenpräsenz verliehen ihren Liedern Schwung und vermittelten Lebensfreude. The Andrews Sisters wurden in den 1930er und 1940er Jahren weltberühmt, ihre künstlerische Ausstrahlung wirkt bis heute nach.
In diesem Sinn begeisterte auch das Ensemble Velvet. Unter anderem kam im Song „Hello, my Baby“ (Emerson, arr. Singer) der Ragtime hervorragend zur Geltung und die synkopischen Phrasierungen verliehen dem Song eine lebendige Ausstrahlung. Den Mambo im Song „Sway“ (Ruiz, arr. Held) kosteten die Sängerinnen und die Pianistin sinnlich aus. Das Lied „Java Jive“ (Oakland) gestalteten sie freudvoll aus, indem sie den Sprechgesang spielerisch betonten. Eine Comedy-Nummer war auch „The music goes round and around“, in der die drei Sängerinnen ihre Stimmen eng verwoben.
Neben den Andrews Sisters sind auch die Comedian Harmonists für den eng geführten Harmoniegesang berühmt. Eine Erinnerung an dieses legendäre Vokalensemble setzte das Ensemble Velvet mit dem berühmten „Kleinen grünen Kaktus“. Den Höhepunkt bildete der charmant dargebotene Ohrwurm „Itsy Bitsy Teenie Weenie“ (Pokriss/Loose). Birgit Plankel, Lea E. Müller und Christina Brunner trugen diesen Tribut an den Bikini aus den 1960er Jahren mit viel Spaß vor.
Danach wendeten sich die Sängerinnen Liebesliedern zu. In „All I Have to Do is Dream“ (Bryant) und „Can’t Help Falling in Love“ (Weiss/Peretti) kamen die feinsinnige Balance und das warme Timbre ihrer Stimmen zur Geltung. Blues und Groove belebten den Song „Route 66“ (Troup). „Sentimental Journey“ (Green/Brown) verwies mit seiner Vorfreude auf das Nachhausekommen auf die kulturgeschichtliche Bedeutung, die sich in fast allen dargebotenen Songs widerspiegelte. Allerdings fehlte insbesondere diesem Lied der orchestrale Klang bzw. Big-Band-Sound. Mit dem „Mr. Sandman“ (Ballard, arr. Reiter) verabschiedete sich das Ensemble Velvet stimmungsvoll. Sympathisch lud Birgit Plankel die Zuhörenden zum Mitsingen ein.
Nora Calvo-Smith begleitete die drei Sängerinnen hervorragend. Bewundernswert ging sie auf die Agogik des Vokaltrios ein. Sie betonte die tänzerischen Rhythmen, vom Ragtime über Swing, Blues, Cha-Cha-Cha und Mambo, und verband die Songs zu einem belebenden musikalischen Erlebnis.