Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

11.05.2022 |  Silvia Thurner

Wenn im Konzert die Funken sprühen – Martin Grubinger und das Residentie Orkest Den Haag mit Anja Bihlmaier am Pult sorgten in Dornbirn für Jubelstimmung

Martin Grubinger ist „Artist in residence“ beim diesjährigen Bodenseefestival. Ein Auftritt führte ihn zusammen mit dem Residentie Orkest Den Haag unter der Leitung von Anja Bihlmaier nach Dornbirn. Egal, wo der international gefeierte Perkussionist auftritt, stets füllen sich die Säle. So war auch das Dornbirner Kulturhaus bis auf den letzten Platz besetzt und das letzte „Dornbirn Klassik“ Konzert der Saison ging in euphorischer Stimmung mit ebenso spektakulären wie inspirierenden Werkdeutungen von Gustav Mahler / Benjamin Britten, Avner Dorman und Robert Schumann über die Bühne.

Der israelische Komponist Avner Dorman schrieb seine Komposition mit dem sinnigen Titel „Frozen in Time“ dem Perkussionisten Martin Grubinger auf den Leib. Ganz in seinem Element interpretierte der durch und durch vom Rhythmus beseelte Musiker das Werk. Eruptiv leitete Martin Grubinger das Werk ein und spielte auf der Marimba und dem Drumset den Solopart. Unterstützt wurde er von einem riesigen Orchester. Die Musiker:innen und Martin Grubinger steigerten sich enthusiastisch in den musikalischen Fluss hinein, so dass die physische Kraft der Musik im Saal mitreißend erlebbar war. Wie Klanginseln wirkten die ruhigen, im Pianissimo ausgestalteten Felder. Das geänderte Instrumentarium mit Vibraphon, Glockenspiel und Crotales bewirkte im zweiten Satz eine markante Klangfarbenänderung. Zudem verstärkten Liegetöne der Streicherstimmen die immanente Spannung, die sich aus einer großen Ambivalenz zwischen kulminierenden Passagen, Blechbläserschüben und schwebend zurückhaltenden Tonrepetitionen ergaben. Martin Grubinger und das Residentie Orkest Den Haag modellierten die dicht verwobenen Linien in einem aufmerksamen Geben und Nehmen. Einen wunderbar lockeren Spielwitz entfaltete schließlich der Finalsatz mit einem Stilmix, der solistische Einwürfe des Saxophons und der Trompete, um nur zwei zu nennen, in einen energetisch aufgeladenen Diskurs mit dem Solopart stellte.
Am Pult leitete die zugleich elegant und kraftvoll tänzerisch gestaltende Dirigentin Anja Bihlmaier die Musik. Bei ihr liefen die Fäden zusammen und sie koordinierte den komplexen Verlauf hervorragend.
Dass Martin Grubinger aus einfachsten Zutaten ein mitreißendes musikalisches Ereignis formen kann, bewies er mit seiner Performance eines Rudiments. Die musikalischen Qualitäten der Anschlagskultur an der Marimba kristallisierte er zum Schluss mit der Sarabande aus der dritten Bach-Cellosuite in leisestem Pianissimo heraus. Bewundernswert ging das Publikum im Dornbirner Kulturhaus mit, man hätte neben Grubingers sinnlichem Spiel buchstäblich eine Stecknadel fallen hören können.

Frühlingserwachen in Orchesterwerken

Den Rahmen dieses außergewöhnlichen Hörerlebnisses bildete zuerst der zweite Satz aus Gustav Mahlers dritter Symphonie, den Benjamin Britten für kleine Orchesterbesetzung bearbeitet hat. Den naturhaften Duktus und den fein wogenden Klangcharakter formten die Orchestermusiker:innen sensibel heraus. Gut nachvollziehbar war dabei das Einvernehmen mit der Chefdirigentin Anja Bihlmaier. Diese Qualitäten bestimmten auch die Interpretation der „Frühlingssymphonie“ von Robert Schumann, die das Residentie Orkest Den Haag und Anja Bihlmaier mit großer Spielfreude in den Raum stellten. Zwar gelangen nicht alle Details exakt, aber dem positiven und inspirierenden Gesamteindruck tat dies keinen Abbruch. Im Eröffnungssatz zelebrierten die Musiker:innen die plastischen Vergrößerungen der Themen klangschwelgerisch. Das Larghetto nahm das Orchester in einem zügigen Tempo und auch das Finale lebte von stets aufstrebenden Bewegungsgesten. Für den jubelnden Applaus dankten das Orchester und die sympathische Anja Bihlmaier mit dem fröhlich und elegant musizierten „Ungarischen Tanz Nr. 6“ von Johannes Brahms.

34. Bodenseefestival
bis 6.6.22
an verschiedenen Veranstaltungsorten im Bodenseeraum
www.bodenseefestival.de

www.martingrubinger.com
www.anjabiehlmaier.de
www.residentieorkest.nl

Martin Grubinger faszinierte im Dornbirner Kulturhaus mit einem kraftvollen Werk des Israelischen Komponisten Avner Dorman.

Martin Grubinger faszinierte im Dornbirner Kulturhaus mit einem kraftvollen Werk des Israelischen Komponisten Avner Dorman.

Sympathisch und in einem guten Einverständnis mit den Musiiker:innen agierte die Dirigentin Anja Bihlmaier.

Sympathisch und in einem guten Einverständnis mit den Musiiker:innen agierte die Dirigentin Anja Bihlmaier.

Das Residentie Orkest Den Haag unter der Leitung der Chefdirigentin Anja Bihlmaier musizierte im Rahmen des Bodenseefestivals und der Abonnementreihe „Dornbirn Klassik" mit spürbarer Spielfreude.

Das Residentie Orkest Den Haag unter der Leitung der Chefdirigentin Anja Bihlmaier musizierte im Rahmen des Bodenseefestivals und der Abonnementreihe „Dornbirn Klassik" mit spürbarer Spielfreude.

Artikelaktionen
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Martin Grubinger faszinierte im Dornbirner Kulturhaus mit einem kraftvollen Werk des Israelischen Komponisten Avner Dorman. Martin Grubinger faszinierte im Dornbirner Kulturhaus mit einem kraftvollen Werk des Israelischen Komponisten Avner Dorman.
  • Sympathisch und in einem guten Einverständnis mit den Musiiker:innen agierte die Dirigentin Anja Bihlmaier. Sympathisch und in einem guten Einverständnis mit den Musiiker:innen agierte die Dirigentin Anja Bihlmaier.
  • Das Residentie Orkest Den Haag unter der Leitung der Chefdirigentin Anja Bihlmaier musizierte im Rahmen des Bodenseefestivals und der Abonnementreihe „Dornbirn Klassik" mit spürbarer Spielfreude. Das Residentie Orkest Den Haag unter der Leitung der Chefdirigentin Anja Bihlmaier musizierte im Rahmen des Bodenseefestivals und der Abonnementreihe „Dornbirn Klassik" mit spürbarer Spielfreude.