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19.09.2019 |  Silvia Thurner

Warten, vom Üben in Geduld bis zu geistesgegenwärtigen Entscheidungen – die Montforter Zwischentöne präsentieren ihr aktuelles Programm

Mit einer überraschenden Grafik laden die „Montforter Zwischentöne“ zum Herbstfestival ein. Für den Flyer wählte Sigi Ramoser vom Grafik- und Designbüro „Sägenvier“ ein Ei und damit ein Sujet, das man in unserem Kulturkreis nicht unbedingt mit der Vorweihnachtszeit in Verbindung bringt. Doch es bietet einen originellen Denkanstoß, denn das Warten steht im Mittelpunkt des von Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde entwickelten Programms. Ein Orgelduell und ein Improvisationskonzert für Jazztrio für sechs, ein Minikino im Feldkircher Palais Liechtenstein sowie ein Adventkonzert mit dem „Concerto Köln“ stehen im Mittelpunkt.

Die zentralen roten Fäden der Montforter Zwischentöne bilden sich in diesem Programm in besonderem Maße ab, betonte Hans-Joachim Gögl bei der Programmpräsentation anlässlich der 15. Ausgabe des Festivals. Auf verschiedenen Ebenen solle Nähe im künstlerischen Sinn hergestellt werden, um starke Kunst- und Kulturerlebnisse zu haben, unterstrich der künstlerische Leiter. In einem thematischen Sinn wollen die Montforter Zwischentöne an Alltagskompetenzen anknüpfen. Dazu dienen dieses Mal die Schlagworte „Warten“, „Geistesgegenwart“, „Langeweile“ oder „das Erkennen des richtigen Zeitpunkts“ als Ausgangspunkte für vielerlei Assoziationen und Analogien. Weiters wolle man im Sinne einer Regionalentwicklung mit der eigenen Stadt in Berührung kommen sowie mit herausragenden internationalen und regionalen Künstlerinnen und Künstlern zusammenarbeiten.

Vorgänger und Nachfolger

In der aktuellen Edition der Montforter Zwischentöne präsentieren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde zwei neu entwickelte Konzertformate. Beim Konzert „Tobu – Trio für sechs“ wurden der Perkussionist Pierre Favre, der Kontrabassist Georg Breinschmid sowie der Pianist Peter Madsen eingeladen, in wechselnden Besetzungen mit Chris Jaeger, Heiri Känzig und David Helbock auf den gleichen Instrumenten im Jazztrio zu improvisieren. Das Warten und die geistesgegenwärtige Reaktion bei den Wechseln der Spieler wird damit musikalisch erlebbar. „Inspiration für das Trio für 6 war eine Geschichte aus dem japanischen Noh-Theater“, erzählt Hans-Joachim Gögl von den Intentionen. „Bei besonders schwierigen Repertoirestücken sitzt der Meister vorne und der Schüler assistiert. Wenn der Meister das Instrument seinem Schüler übergibt, übernimmt dieser im Flug. Ich habe mir gedacht, das wäre eine gute Idee für ein besonderes Format. Wir besetzen ein klassisches Jazztrio doppelt mit jeweils zwei Musikern und versuchen die Geschichte aufzunehmen, indem drei Meister und drei Schüler, drei Vorgänger und drei Nachfolger miteinander agieren.“

Non-stop Mini-Kino

In Zusammenarbeit mit den „Potentialen Feldkirch“ richten Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr im Palais Liechtenstein einen Mini-Kinosaal für die Videoinstallationen „WARTERAUM“ ein. Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Bereichen zeigen dort Videoinstallationen. So ist unter anderem eine Arbeit von Gottfried Bechtold aus den 60er Jahren zu sehen, Rose Breuss zeigt einen Tanzfilm und vom Ensemble „Tanzufer“ ist eine Arbeit über die berühmt gewordenen Bushaltestellen in Krumbach vertreten.

Hin- und Rückspiel auf der Orgel

Das spielerische Moment hebt Folkert Uhde hervor, der mit der Behmannorgel in der Stadtpfarrkirche in Dornbirn sowie der Metzlerorgel im Feldkircher Dom und den Organisten László Fassang und Martin Sturm ein Orgelduell mit Hin- und Rückspiel entworfen hat. „Es geht darum, die Orgeln vorzustellen und die Organisten in ihrer Kreativität heraus zu fordern“, erklärt Folkert Uhde die Spielregeln. „Den Organisten werden Aufgaben gestellt, sie haben 30 Sekunden Zeit, um beispielsweise darüber nachzudenken, wie man vier verschiedene Stile miteinander verbindet. Am Ende kommt eventuell etwas heraus, womit niemand rechnet.“ Auf einer Videoleinwand können die Zuhörenden das Walten der Organisten am Spielpult mitverfolgen und somit hören und sehen, wie geistesgegenwärtig und spontan die Spielenden Musik erfinden und für sie die im Moment passenden Register ziehen.
Die Kooperation mit dem Festival „Symphonische Orgelkunst“ in der Stadtpfarrkirche Dornbirn sei auch ein Effekt der gemeinsamen Bewerbung der Städte zur Kulturhauptstadt, betont Hans-Joachim Gögl. „Die Städte haben sich einander angenähert und miteinander über Kulturentwicklung gesprochen, wir finden das toll.“

Ein Spaziergang und Warten auf das Licht

„Wozu noch warten?“ lautet eine essentielle Frage, über die im Rahmen eines Spaziergangs zu elf Stationen in der Stadt Feldkirch nachgedacht werden kann.
Ein Adventkonzert mit Texten, Liedern und Arien mit der Schauspielerin Martina Gedeck, der Sopranistin Dorothee Mields sowie dem renommierten Concerto Köln bildet das große Finale. „Wir versuchen eine Balance zu finden zwischen einer Mediation über das Warten mit Texten aus verschiedenen Zeiten, A-Capella-Liedern und großer festlicher Musik. Es geht ja darum, dass man auf das Licht hinarbeitet und darauf wartet, dass es endlich kommt“, so Folkert Uhde.

7. November bis 10. Dezember 2019, Montforter Zwischentöne

Gruß aus der Küche
Donnerstag, 7. November, 18 Uhr, Palais Liechtenstein

Warteraum. Non-stop Mini-Kino mitten in der Stadt. Elf Videoarbeiten zum Thema »warten – Zwischen Geduld und Geistesgegenwart«, täglich 15-21 Uhr

Tobu – Trio für sechs. Konzert für drei Spielende und drei Wartende
Donnerstag, 21. November, 19 Uhr, Altes Hallenbad Feldkirch

Orgelduell. Hinspiel – Rückspiel. Warten auf den Sieger
Hinspiel: Freitag, 22. November, 20.15 Uhr, Pfarrkirche St. Martin Dornbirn
Rückspiel: Samstag, 23. November, 20.15 Uhr, Dom St. Nikolaus, Feldkirch

Wozu noch warten? Rundgang zu verborgenen Stationen in der Stadt
täglich, 10-19 Uhr. Hotel Gutwinski, Rezeption

Concerto Köln, Martina Gedeck, Dorothee Mields
Dienstag, 10. Dezember, 19 Uhr, Montforthaus Feldkirch

www.montforter-zwischentoene.at

Im Rahmen des Herbstedition der "Montforter Zwischenöne" gastiert das Concerto Köln im Feldkircher Montforthaus. (Foto: Harald Hoffmann)

Im Rahmen des Herbstedition der "Montforter Zwischenöne" gastiert das Concerto Köln im Feldkircher Montforthaus. (Foto: Harald Hoffmann)

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  • Im Rahmen des Herbstedition der "Montforter Zwischenöne" gastiert das Concerto Köln im Feldkircher Montforthaus. (Foto: Harald Hoffmann) Im Rahmen des Herbstedition der "Montforter Zwischenöne" gastiert das Concerto Köln im Feldkircher Montforthaus. (Foto: Harald Hoffmann)