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20.09.2019 |  Thomas Kuschny

Neues für die Neigungsgruppe Zappa: „Studio Dan“ im Spielboden

Eigentlich ist es ja überflüssig zu erwähnen, daß die Zahl derer, die sich in unterschiedlichsten Projekten dem Œuvre Frank Zappas widmen, Legion ist. Man kann es aber nicht lassen, eine rhetorische Finte eben. „Studio Dan“ ist ein Ensemble unter der Leitung von Daniel Riegler, einem Mitbegründer der für die österreichische Jazz-Szene so bedeutenden „Jazzwerkstatt Wien“, Nukleus von gefühlt eh fast allem in diesem Genre. Von anderen Zappa-Tributes, so schien es lange, hätte man sich durch ein Alleinstellungsmerkmal leicht unterscheiden können. Aber sie haben es schließlich doch getan: Erste Zugabe war das wohl unvermeidliche „Peaches En Regalia“. Alle, wirklich alle spielen das!

Die Eröffnungsummer des 1969 erschienenen Albums „Hot Rats“ ist eben beliebt, war aber keineswegs ein Highlight des Abends.
Glücklicherweise bot die 13-köpfige Band abseits davon noch allerhand Pretiosen aus verschiedenen Schaffensperioden des Amerikaners, der, früh von Edgar Varèse beeinflusst, recht sperrige, avancierte Kompositionen mit Psychedelic-Pop, Doo Wop, Rock und beißender Politsatire zu verbinden wusste. In den Sechzigern ging so etwas, erstaunlich genug!
Ergänzt wurde das Programm durch Werke von Ensemble-Mitgliedern sowie von Komponisten, zu denen sich „musikalische Bezüge“ (Zitat) herstellen lassen. Ein kluger Schachzug, denn das Klangspektrum wird so doch um einiges erweitert. Das Konzert beginnt allerdings einigermaßen verhalten mit einem Mix vom frühen Album „We're only in it for the money!“ samt verfremdeten O-Tönen vom Meister selbst, generiert von Leo Riegler am Plattenspieler. Mit zuwenig Verve und etwas blutleer dann auch der „G-Spot Tornado“, ein Ungetüm aus der „Yellow Shark“-Zeit, von dem Zappa anfangs dachte, es sei unspielbar. Doch endlich nimmt der Abend mit dem „Eric Dolphy Memorial Barbecue“ auch und vor allem durch den hervorragenden Raphael Meinhart an Perkussion und Marimba Fahrt auf. Letzterer sorgt auch später immer wieder für Spielwitz und Energie. Auch die Idee, eine Komposition von Karlheinz Stockhausen zwischen zwei sehr gelungene Stücke des umtriebigen Fagottisten Christof Dienz („Die Knödel“ etc.) zu setzen, ist stimmig. Der Bezug zu Stockhausen mag durch seine seltsame Popularität in den Sixties hergestellt sein, immerhin ist er auf dem Cover von „St.Peppers Lonely Hearts Club Band“ der Beatles zu entdecken.
Der skurrile erste Auftritt Zappas in der „Steve Allen Show“ 1963 lässt sich im Netz leicht finden, in adrettem Anzug, noch schnurrbartlos und kurzhaarig darf er dem launigen Moderator und dem amüsierten Publikum eine Improvisation für Fahrräder und Orchester präsentieren. Man möge selbst beurteilen, wer hier wen besser auf die Schippe nimmt. Da „Studio Dan“ von Beginn an auch ein Fahrrad auf der Bühne stehen hat, war dem Aficionado klar, was kommen wird. Das Resultat fiel aber leider deutlich weniger anarchisch und ungestüm aus als im Original.
Es folgt „Rocket Science“ von Fred Frith, ein Bezug zu Zappa ist hier zwar nicht wirklich offensichtlich, aber einerlei. Eine schöne Interpretation im Zusammenspiel von Streichern, Bläsern und Rhythmusgruppe. Der abschließende Teil, beginnend mit „Amnerika“ aus einer Zeit, als sich Zappa längst allein mit seinem Synclavier ins Studio zurückgezogen hat, zeigt noch einmal alle Stärken des Ensembles. Auch die teils wahnwitzigen Unisono–Kaskaden, die schon einmal nach einer Transkription von über einer Treppe ausgeschütteten Glaskugeln klingen können, werden virtuos gemeistert.
Zum Ausklang wird dann noch der Turtles-Hit „Happy Together“ geboten. Zappa engagierte die beiden Sänger der längst vergessenen Band unter dem Namen „Flo & Eddie“ für seine Shows Anfang der Siebzigerjahre. Ziemlich obskur und wahrscheinlich nur im großen Denkbogen Zappas der „Conceptual Continuity“ zu verstehen. Überraschung jedenfalls gelungen.

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