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02.09.2013 |  Silvia Thurner

Vom Gesang eines Streichquartetts – Das Hagen Quartett erhielt tosenden Applaus für seine Werkdeutungen

Zu seinem 30-jährigen Jubiläum erarbeitete das „Hagen Quartett“ alle sechzehn Streichquartette von Ludwig van Beethoven. Den gesamten Zyklus präsentieren die Quartettmusiker derzeit auch im Rahmen der Schubertiade Schwarzenberg. „Ihr habt den Gipfel erklommen, bleibt oben und genießt es“, gratulierte der Musikerfreund und Gründer des Alban Berg Quartetts, Günter Pichler. An dieser Freude teilhaben konnten auch die Zuhörenden im Angelika Kauffmann Saal. Auf dem Programm standen Beethovens Streichquartette Opus 132 und Opus 59/ 2, die in aufregenden Werkdeutungen zu erleben waren.

Die Klangkultur des „Hagen Quartetts“ ist der Inbegriff einer jahrelang erprobten und immer wieder konzentriert aufeinander abgestimmten Tonfindung und Spielart. Auch im Rahmen des dritten Konzertes ihres Beethovenzyklus im Angelika Kauffmann Saal intonierten Lukas Hagen (Violine), Rainer Schmidt (Violine), Veronika Hagen (Viola) und Clemens Hagen (Violoncello) die melodischen Phrasen und die Harmonik bis ins kleines Detail ausgeklügelt. Die vier spielten mit einem Einverständnis, das vom ersten bis zum letzten Ton die Spannung aufrecht erhielt. Die intensiven Wechselspiele zwischen dem Hören und der Spielart jedes Einzelnen waren gut nachvollziehbar. Ein besonderer Aufforderungscharakter ging zeitweise vom Cellisten aus.

Herzstück


Das Streichquartett op. 132 ist eines der sagenumwobenen Spätwerke Beethovens. Bereits im Eröffnungssatz wurde deutlich, dass das „Hagen Quartett“ den vokalen Charakter der Musik in den Vordergrund stellte. Artikulationen und besonders betonte Vorhalte bewirkten einen vorwärtsdrängenden musikalischen Gestus. Das Herzstück des Streichquartetts und des Konzertabends überhaupt bildete der dritte Satz mit dem „Heiligen Danksagung eines Genesenen an die Gottheit, in der lidischen Tonart“. Der ausgeglichene, vollkommen gleichförmig abgerundete Klang aller vier Streichinstrumente im Pianissimo verlieh der Musik eine schwerelose Ruhe. Das choralartige Thema in der lydischen Kirchentonart belebte das „Hagen Quartett“ mit seiner inspirierten Gestaltung und einer individuellen Intonation.

Ganz anders im Charakter modellierten die Musiker den Finalsatz. Hier durfte auch der Geräuschanteil der Tonerzeugung eine Rolle spielen, so dass der rustikale Ton gut zur Geltung kam. Zugleich stellten die Musiker einen anregenden Gegensatz zu kontrapunktisch gesetzten Passagen her.

Humor


Das Streichquartett Op. 59/2 interpretierte das „Hagen Quartett“ ausgelassen und impulsiv. Auch in diesem Werk war es anregend, die vier Musiker und ihre Kommunikation untereinander live mitzuerleben und die individuellen Temperamente zu spüren.

Viele interpretatorische Feinheiten könnten nun aufgezählt werden. Besonders in Erinnerung blieb der gemeinsame Atem im zweiten Satz. Die Art wie die Gewichte und die Farben transformiert wurden, während die Begleitfloskeln durch die Instrumente wanderten, lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Humorvoll steigerten sich die Musiker im dritten Satz hinein. Ein mehrmals wiederholtes Fragment eines russischen Liedes verströmte dabei eine in sich kreisende und tänzerische Freude. Im Finalsatz reichten die Musiker melodische Floskeln äußerst exakt durch die Instrumentalfarben, so dass sich ein guter Drive entwickelte.

Das "Hagen Quartett" live zu hören, ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. (Foto: Schubertiade)

Das "Hagen Quartett" live zu hören, ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. (Foto: Schubertiade)

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  • Das "Hagen Quartett" live zu hören, ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. (Foto: Schubertiade) Das "Hagen Quartett" live zu hören, ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. (Foto: Schubertiade)