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02.07.2015 |  Peter Füssl

"Shvitz" wörtlich genommen – das Yiddish Twist Orchestra bot wundervoll Schräges zum Origano-Auftakt

Der Twist habe ursprünglich „Shvitz“ geheißen, ehe ihn die Amerikaner umbenannten, das zumindest behaupten die acht musikalisch mit allen Wassern gewaschenen englischen Musiker des Yiddish Twist Orchestra. Wie auch immer, der 2003 verstorbene Twist-„Erfinder“ Hank Ballard würde es ihnen verzeihen, denn zum einen basteln sie generell an schrägen Mythen, wenn es um ihren musikalischen Background geht, und zum Zweiten sorgen sie für tadellose Tanzmusik mit hohem Anspruch.

All-Star-Band mit Mission

Ihre Mission sei es, jene in Vergessenheit geratene wilde Musikmischung aus dem London der 1950er und frühen 1960er Jahre wieder ins musikalische Bewusstsein zu rücken, die mit dem Namen Willy Bergman verbunden sei und so Disparates wie Klezmer, Calypso, Rock’n’Roll und – eben – Twist miteinander verbunden habe. Die aus renommierten Musikern bestehende All-Star-Band brachte dieses mitunter durchaus in die Beine fahrende Gebräu mit viel Elan und schwungvollem Humor über die Bühne. Dabei wurden durchaus auch hörenswerte Soli geboten: etwa vom unorthodoxen Twang-Gitarristen Ben Mandelson (3 Mustaphas 3, Billy Bragg), vom Saxophonisten Dave Bitelli (Loose Tubes, Elton John), von Posaunist Paul Taylor, Trompeter Simon Finch (Eric Clapton, Paul Weller, Jools Holland) oder Keyboarder Robin Harris. Für unterhaltsame Einlagen und jede Menge Retro-Charme sorgte auch der Sänger Natty Bo, der üblicherweise als Frontman der mitreißenden Band Ska Cubano unterwegs ist.

Wer wollte, konnte an diesem Abend angesichts der Temperaturen jedenfalls „Shvitz“ wörtlich nehmen, wenngleich wieder einmal festzustellen war, dass der Vorarlberger Tanzbeine nicht unbedingt die flottesten sind. Oder waren es gar noch Nachwirkungen des legendären Twist-Verbots der BH Bregenz aus dem Jahr 1962, dessen Begründung lautete, dass der „Modetanz ‚Twist’ geeignet ist, Ärgernis zu erregen und das Sittlichkeitsgefühl weiter Kreise der Bevölkerung zu verletzen“. Dem Dornbirner Kulturamtsleiter Roland Jörg ist jedenfalls zum Engagement dieser schräg-genialen Auftakt-Band zu gratulieren, zumal damit der Twist nun endgültig und ganz offiziell auch in Vorarlberg rehabilitiert sein dürfte.

Witziges Vorspiel mit Straßenkünstlern

Übrigens macht es durchaus Sinn, schon eine Stunde vor Konzertbeginn auf den Marktplatz zu gehen. Nicht nur, weil dann auch noch sämtliche gastronomischen Einrichtungen lockere in Anspruch genommen werden können, sondern vor allem auch, weil mit Straßen-Clownerie und Akrobatik vom Feinsten unterhalten wird. Da darf man dann durchaus auch ein Scheinchen locker machen, wenn die Künstler anschließend – nein, nicht mit dem Hut – mit dem riesigen Plastiksack um eine kleine Spende bitten.

 

Zwei großartige Bands stehen noch auf dem Programm:

Pullup Orchestra:
Big-Band-Brass meets Hip Hop aus der Schweiz
(kuratiert vom Spielboden Dornbirn)
Freitag, 3.7., 21 Uhr

Jamaram & Raggabund: Reggae, Dub, Latin und Dancehall aus München
(kuratiert vom Conrad Sohm)
Samstag, 4.7., 21 Uhr

Marktplatz Dornbirn
Freier Eintritt!

Gelungener Origano-Auftakt mit dem Yiddish Twist Orchestra aus London

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Jazzige Bläser und jede Menge Retro-Charme mit Natty Bo

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Eine Legende für sich - Twang-Gitarristen Ben Mandelson

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... und ja: es waren ein paar Leute da! (alle Fotos © Peter Füßl)

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Bilder
  • Gelungener Origano-Auftakt mit dem Yiddish Twist Orchestra aus London Gelungener Origano-Auftakt mit dem Yiddish Twist Orchestra aus London
  • Jazzige Bläser und jede Menge Retro-Charme mit Natty Bo Jazzige Bläser und jede Menge Retro-Charme mit Natty Bo
  • Eine Legende für sich - Twang-Gitarristen Ben Mandelson Eine Legende für sich - Twang-Gitarristen Ben Mandelson
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