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26.06.2015 |  Silvia Thurner

Dramatische Geschehnisse und zwielichtige Erscheinungen – Der Bariton Michael Volle und Helmut Deutsch am Klavier gaben einen fesselnden Liederabend

Der Bariton Michael Volle widmete sich bei der Schubertiade Schwarzenberg unter anderem Schuberts Liedersammlung „Schwanengesang“ und zog mit der dramatischen Ballade „Der Taucher“ die Zuhörenden in seinen Bann. Seine voluminöse Stimme und die subtile Gestaltungskraft boten beste Voraussetzungen für leidenschaftliche und packende Lieddeutungen. Besondere Aufmerksamkeit lenkte aufs Neue der exzellente Pianist Helmut Deutsch auf sich. Teilweise ersetzte er ein ganzes Orchester, imaginierte plastische Bilder und weckte starke Gefühle.

Spätestens seit Michael Volles Mitwirken in Benjamin Brittens „War Requiem“ bei den Bregenzer Festspielen 2014 waren die Erwartungen an einen Liederabend mit dem großen Bariton hoch gesteckt. Der deutsche Sänger hat eine mitreißende Bühnenpräsenz und verfügt über eine bewundernswerte stimmliche Brillanz und Aussagekraft.

Ein Drama zum Einstieg

 

Direkt ins Geschehen führte Michael Volle die Zuhörenden mit der Schubert-Ballade „Der Taucher“. So spannungsgeladen, mit einer individuellen Zeitgestaltung und ausdrucksvollen Rollenzuschreibungen, variiert mit rezitativischen, lyrischen und hymnischen Passagen, habe ich dieses „Drama“ schon lange nicht mehr gehört. Neben dem Gesangspart nahm auch Helmut Deutsch am Klavier eine bedeutende Rolle ein. Beispielsweise gestaltete der Pianist die Bilder von todbringenden Wasserstrudeln - teils illustrierend und teils psychologisch deutend - so plastisch, dass das (Opern)Kino im Kopf geradewegs stattfinden konnte.

Markenzeichen


Nach dem gewichtigen „Atlas“ aus Schuberts „Schwanengesang“ verströmten „Ihr Bild“ und „das Fischermädchen“ eine große Ruhe. Beinahe mystisch leitete Helmut Deutsch den Klavierpart in „Die Stadt“ ein. In einem fein abgestimmten Verhältnis zwischen dem Gesangs- und dem Klavierpart entfalteten auch die Lieder „Am Meer“ und „Der Doppelgänger“ mit seiner eigentümlichen Harmonik ihre volle Wirkung. Das warme Timbre in den hohen Lagen und die Textdeutlichkeit, mit der Michael Volle alle Lieder sang, bildeten weitere Markenzeichen.

Einschränkungen


Im zweiten Teil nahm sich der Bariton etwas zurück. Die Deutung des „Ständchen“ tanzte - missfallend - aus der Reihe, und die teilweise nicht ganz überzeugende Intonation dämpfte den positiven Gesamteindruck. Dessen ungeachtet boten Michael Volle und Helmut Deutsch einen emotionsgeladenen und fesselnden Liederabend.

Tipp


Wer Michael Volle bald wieder hören möchte, hat dazu in der Oper „Hoffmanns Erzählungen“  von Jacques Offenbach bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen Gelegenheit.

Der Sänger Michael Volle und der Pianist Helmut Deutsch ergänzten sich ideal und formten dramatische und leidenschaftlich bewegte Lieddeutungen. (Foto: Schubertiade)

Der Sänger Michael Volle und der Pianist Helmut Deutsch ergänzten sich ideal und formten dramatische und leidenschaftlich bewegte Lieddeutungen. (Foto: Schubertiade)

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  • Der Sänger Michael Volle und der Pianist Helmut Deutsch ergänzten sich ideal und formten dramatische und leidenschaftlich bewegte Lieddeutungen. (Foto: Schubertiade) Der Sänger Michael Volle und der Pianist Helmut Deutsch ergänzten sich ideal und formten dramatische und leidenschaftlich bewegte Lieddeutungen. (Foto: Schubertiade)