Die Sopranistin Emma Kajander und die beiden Komponistinnen Ethel Smyth sowie Elizabeth Maconchy verliehen dem vielschichtigen Orchesterkonzert des SOV mit Leo McFall am Pult eine besondere Strahlkraft. (Foto: Christian Lins)
Silvia Thurner · 21. Mär 2011 · Musik

Sabine Winter, Stefan Dünser, das Collegium Instrumentale und Guntram Simma sprachen das Publikum mit ihrer besonderen Ausdruckskraft unmittelbar an

Einen höchst bemerkenswerten Konzertabend erlebten die ZuhörerInnen in der Pfarrkirche Bildstein, wo das „Collegium Instrumentale“ unter der Leitung von Guntram Simma Werke von Mozart, Haydn und Schubert interpretierte. Als Solisten standen die an der Dornbirner Musikschule wirkende Sopranistin Sabine Winter und der Trompeter Stefan Dünser im Mittelpunkt. Sie lieferten mit einer unbekannten Motette von Mozart und dem allseits bekannten Haydn-Trompetenkonzert mitreißende Werkdeutungen. Abschließend gestaltete das Orchester Schuberts „Unvollendete“. Obwohl die jungen MusikerInnen dieses Werk zum ersten Mal spielten, erklang eine eindrückliche und durchdachte Interpretation.

Die Sopranistin Sabine Winter wird von vielen Musikinteressierten hoch geschätzt, weil sie über eine voluminöse und sehr gut geführte Sopranstimme verfügt. Mit unterschiedlichsten Tonregistern illustrierte sie die Mozart-Motette „Venti, fulgura, procellae“ hervorragend. Sie setzte die musikalischen Akzente präzise und brachte die emotionalen Schwerpunkte zum Ausdruck, zuerst die gebieterische Aufforderung und dann die Vision des Paradieses, sodann die Angst vor Zerstörung und Leid im Rezitativ und später die Freude und Zuversicht bis hin zum abschließenden Hallelujah. Koloraturen und Melismen sang Sabine Winter ohne Anstrengung und mit einer bewundernswert klaren Diktion. Das „Collegium Instrumentale“ stellte sich in den Dienst der Sopranistin, spielte textdeutende Floskeln und begleitende Passagen mit einem guten Gespür für die Solistin.

Haydns Trompetenkonzert auf höchstem Niveau

Stefan Dünser kennen viele als Solotrompeter des Symhonieorchesters Vorarlberg, als Mitglied des Sonus Brass Ensembles und als engagierten Musikpädagogen. Mit Esprit interpretierten er und das Orchester Joseph Haydns berühmtes Trompetenkonzert. Die mitreißende Freude am gemeinsamen musikalischen Gestalten war von Beginn an spürbar. Bis ins Detail ausgeklügelt wirkten die Artikulationen und die Spannungsbögen einzelner Phrasen. Gefühlsbetont erklang der langsame Satz, jedoch nie emotional überfrachtet oder gar romantisch verklärt. So entstand eine lebendig wirkende Werkdeutung, die als Ganzes mitreißend musiziert wurde. Sympathisch wirkte die persönliche Note, die Stefan Dünser den Kadenzen verlieh.

Mit Leidenschaft und Wissen

Guntram Simma verzichtete Jahre lang darauf, große Sinfonien zu interpretieren, weil er - zu Recht - der Meinung ist, dass das von ihm geleitete Jugendsinfonieorchester dafür nicht der passende Klangkörper ist. Mit "seinem" „Collegium Instrumentale“, widmet er sich nun mit seiner ganzen gestalterischen Leidenschaft symphonischen Werken. Dieses Mal stand Schuberts „Unvollendete“ (D 759) auf dem Programm. Erstmals spielte das Orchester dieses gewichtige Werk und überzeugte in hohem Maße. Besonders im Allegro moderato kam die Dramatik beeindruckend zu Tage. Die nervöse Suche zu Beginn, das beschwichtigende erste Hauptthema und die sich aufbäumenden Passagen mit den dominanten Bläserschüben wurden musikalisch plastisch modelliert. Auch das Andante con moto wurde gut musiziert, allerdings entfaltete sich die charakteristische zeitlose Ruhe (noch) nicht vollkommen.