Das Klangkollektiv Wien unter der Leitung von Rémy Ballot gastierte erstmals im Dornbirner Kulturhaus.
Silvia Thurner · 28. Okt 2022 · Musik

Quirlige Lebensfreude mitreißend gestaltet – Jubel für das Pforte Kammerorchester Plus und die Konzertmeisterin Maria Włoszczowska

Das Zusammenwirken von Musik in der Pforte und der Iberacademy ist ein internationales, unter anderem von der Liechtensteiner Hilti Foundation unterstütztes Orchesterprojekt, das die Idee verfolgt, „eine Gesellschaft der besseren Chancen zu schaffen“. Als die jungen Musiker:innen vor zwei Jahren im Festsaal der Stella Vorarlberg auftraten, waren die Zuhörenden restlos begeistert. Nun, nach schwierigen, coronabedingten Verschiebungen, gab es ein Wiederhören des Pforte-Kammerorchester Plus, bei dem Studierende aus Kolumbien und der Stella Vorarlberg zusammenwirkten. Am Konzertmeisterpult und als Solistin musizierte Maria Włoszczowska. Mit ihrer Begeisterung und ihrer temperamentvollen Spielart riss sie sowohl die Orchestermusiker:innen als auch das Publikum mit.

Von Beginn an herrschte im Festsaal der Stella Vorarlberg eine inspirierte Stimmung, denn die Orchestermusiker:innen sprühten vor Tatendrang. Intensive Proben mit der Konzertmeisterin Maria Włoszczowska waren dem „Pforte um 7 Konzert“ vorausgegangen, damit die Studierenden aus Kolumbien und der Stella Hochschule in einem großen Klangkörper zusammenwachsen konnten.
Das Werk „Déjà-vu“ für Orchester & Stimme von Ursula Reicher bot einen idealen Einstieg in das anspruchsvolle Programm, das zudem die Werkdeutung des Mozart-Violinkonzertes (KV 219) und die vierte Symphonie von Beethoven beinhaltete.
Die steirische Komponistin und Sängerin Ursula Reicher schrieb mit ihrem Werk „Déjà-vu“ einen poesievollen Orchestersong, den sie mit ihrer warmen und ausdrucksstarken Stimme selbst interpretierte. Dem Orchesterpart legte sie einen eigenen Text zugrunde, in dem das Werden, Gedeihen und Wachsen sowie der ewige Kreislauf der Dinge beschrieben sind. Diese Wesenszüge setzte Ursula Reicher im Orchesterpart um, indem sie das musikalische Geschehen wirkungsvoll aus einem Liegeton der Holzbläser heraus in einen großen Klangraum führte. Als begleitender Klanggrund sowie die melodische Linie interpretierender Part war das Orchester vielfältig eingesetzt. Am Ende mündeten alle gemeinsam in einer stimmungsvoll zusammengeführten Schlussphrase.
Danach ging es mit Mozarts Violinkonzert in A-Dur (KV 219) zur Sache. Ihr quirliges Temperament lebte Maria Włoszczowska als Solistin voll aus. Die Art, wie sie gemeinsam mit den Orchestermusiker:innen die überraschenden Wendungen, mit großem Aufforderungscharakter die Frage- und Antwortspiele sowie die dynamischen Kontraste ausspielte und spannungsgeladen in den Raum stellte, übertrug den Funken der Begeisterung sofort auf das Publikum. Die Stimmregister des Orchesters erklangen wunderbar vielfarbig eingesetzt und belebten neben dem lyrischen Adagio besonders die originell ausgestaltete „Alla turca“ im Finalsatz. Dass es der Orchesterleiterin und Solistin nicht um oberflächliche Wirkzusammenhänge ging, sondern vielmehr eine feinsinnige, aus dem Piano geschöpfte, rhetorische Spielweise wichtig war, zelebrierte sie in ihren Kadenzen.
Die Freude der Musiker:innen an der gemeinsamen Klanggestaltung und das Bemühen um eine möglichst kongruente Spielweise und ausgewogene Klangbalance kam besonders in der Einleitung zur vierten Symphonie von Ludwig van Beethoven zum Ausdruck. Danach entwickelte sich die eruptive Kraft der Themen und die Energie entfaltete sich unter anderem mit eindrucksvollen dynamischen Schüben. Etwas ins Abseits gerieten dabei die Bläser:innen.
Aufmerksam aufeinander hörend formte das Orchester das Adagio mit dem unerbittlich nach vorne zielenden Rhythmus. Aufhorchen ließen die schön zelebrierten Klarinettensoli. Die schwungvolle Spielart kam auch dem Menuetto sowie dem in rasendem Tempo dahingefetzten Finale zugute. Nicht jede Einzelheit war in dieser Werkdeutung von Belang, sondern der gemeinsame Spirit und die spürbare Begeisterung für das gemeinsame Zusammenwirken im Orchester.

Tipp
Kürzlich wurde das Jubiläumsprogramm „25 Jahre Pforte“ präsentiert. Die Programmbroschüre liegt als Download bei.