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22.06.2009 |  Silvia Thurner

Musikalisch gestaltete Zeit, die Form annimmt - das Klangforum Wien unter der Leitung von Emilio Pomárico bereicherte das FeldkirchFestival

Seit Jahren gastierte das „Klangforum Wien“ nicht mehr in Vorarlberg. Im Rahmen des FeldkirchFestivals wurde eine Wiederbegegnung möglich. Diese Gelegenheit nutzten zahlreiche ZuhörerInnen und sie erlebten ein Konzert mit französischer Musik, für die man gerne die Ohren spitzte, weil sie Klangwelten eröffnete, die begeisterten. Die Flötistin Eva Furrer interpretierte Hugues Dufourts „Antiphysis“ auf höchstem Niveau. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ das Werk „Pour adoucir le cours du temps“ von Tristan Murail. Er setzte 18 Instrumente und rotierende elektronische Klänge zueinander in Beziehung.

Das „Klangforum Wien“ unter der Leitung von Emilio Pomárico präsentierte Marksteine der sogenannten „Spektralen Musik“, die illustrierten, wie eine französische Komponistengruppe in der Nachfolge Olivier Messiaens ab den 70-er Jahren die bisher etablierten musikalischen Satztechniken aufbrach. Im Einführungsvortrag zeichnete Laura Berman, Kuratorin der „Kunst aus der Zeit“ bei den Bregenzer Festspielen, die Entwicklungsgeschichte und die kunstphilosophischen Hauptgedanken dieser kompositorischen Denkrichtung gut nachvollziehbar und informativ nach. Besonders Michael Levinas zog die ZuhörerInnen mit seinem Werk „Appels“ - „Rufe" - direkt in seine Musik hinein. Den Blechbläsern wurde eine Trommel zugewiesen, deren Schnarrsaite durch die Schwingungen des Blasinstrumentes zusätzlich zum Klingen gebracht wurde. Dadurch ergaben sich schwirrende und rumorende Klänge, die zwischen den Instrumentengruppen mit rufartigen Motiven kommunizierten. Das Werk ließ unterschiedliche Hörebenen zu. Beeindruckend war vor allem die Erkenntnis, wie konsequent Levinas bereits Mitte der 70-er Jahre bis dahin sehr unübliche Klänge kompositorisch verarbeitet hat. Den Höhepunkt des Abends stellte die Interpretation von Tristan Murails Werk „Pour adoucir le cours du temps“ für 18 Instrumente und Elektronik (2004) dar. Er entwickelte eine spannende Verbindung zwischen röhrenden elektronischen Klängen und unterschiedlichen Reaktionsmustern im Orchester. Rotierende Sounds und orchestrale Korrespondenzen ergaben raumgreifende wellenförmige Klangmuster, die wie eine Brandung die Zuhörenden umfasste. Das Klavier fungierte als Bindeglied zwischen den elektronischen und instrumentalen Klängen, damit wurden reizvolle Übergänge zwischen virtuellen und realen Musikparts erzeugt.

Rollenzuschreibungen von Solistin und Orchester

Das Werk „Antiphysis“ von Hugues Dufourt (1978) thematisiert die Rolle des Solisten im Verhältnis zum Kammerorchester und bewegte sich in ausgeklügelten Klangbalancen. Die Solistin Eva Furrer an der Flöte wirkte als Impulsgeberin für Aktionen, erhob sich bei Spitzentönen aus dem Kontinuum, setzte sich darüber hinweg oder tauchte im Gesamtklang unter. So entwickelte sich zuerst ein fließender Charakter, der in schrillen und aggressiv zupackenden Klangblöcken mündete, bis die Solistin in einem reflektierenden Schluss die Conclusio formulierte. Das Klangforum spielte in einem guten Einverständnis mit der beeindruckenden Eva Furrer. Philippe Manoury komponierte mit „Strange Ritual“ (2005) ein eingängiges, jedoch wenig spektakuläres Werk, in dem Impuls gebende Klänge mit einem nachfolgend auskomponierten Tonspektrum ausgeformt wurden. Dadurch entwickelten sich im Laufe der Zeit jeweils unterschiedliche Klangfarbenspektren, die durch Klangverschmelzungen zwischen den Stimmgruppen erzeugt wurden.

Das Klangforum Wien unter Emilio Pomárico endlich wieder einmal in Vorarlberg zu hören

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Eva Furrer als eine souveräne Solistin

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