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18.09.2021 |  Silvia Thurner

Montforter Zwischentöne – neu konzipiertes Festival mit kompaktem Programm im November

Während den Zeiten von Corona hat in der künstlerischen Leitung der Montforter Zwischentöne ein inhaltlicher und organisatorischer Umstrukturierungsprozess stattgefunden. Nun tritt die Festivalorganisation als eigenständiger Verein auf, aus dem Trio mit Edgar Eller, Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde ist ein Duo der beiden künstlerischen Leiter geworden. Nicht mehr wie bisher unter einem Leitdenken und drei Mal pro Jahr ist das Festival künftig im Kulturkalender des Landes präsent, sondern nur mehr während eines Monats „zwischen den Jahreszeiten“, im November. Das aktuelle Programm sowie neue Ideen stellten die Festivalgestalter im Schloss Amberg im Rahmen einer Pressekonferenz vor.

Freundliche Worte für die Montforter Zwischentöne fand Daniel Allgäuer, Vizebürgermeister der Stadt Feldkirch, in seinem Begrüßungsstatement. Das Festival sei aus der Feldkircher Kulturszene nicht mehr wegzudenken und der Stadtrat habe einstimmig eine mehrjährige Fördervereinbarung beschlossen. Dass es hinter den Kulissen während des vergangenen Jahres ordentlich rumorte und Schluss gemacht worden ist mit Edgar Eller sowie dem Team der Stadtkultur Feldkirch (SKF), wurde mit keinem Wort erwähnt. Nun kuratieren Hans-Joachim Gögl und Folkert Uhde die Montforter Zwischentöne im Rahmen eines eigenständigen „Vereins für Forschung, Lehre und Aufführung neuer Kulturformate“ mit Sitz in Bregenz.

Beenden und neu beginnen

Die auskeimende, schrumpflige Kartoffel auf dem aktuellen Programmheft, entworfen vom „hej studio“, versinnbildlicht den Themenkreis des Beendens und des Neuanfangs hervorragend. In Zukunft treten die Montforter Zwischentöne jeweils im November in Aktion. „Die dunklere Jahreszeit, die Auseinandersetzung mit dem, was zu Ende geht und das Zugehen auf den Advent, Weihnachten und das Licht, diese Zeit würde man im Management als 'Change-Process' bezeichnen“, erklärt Folkert Uhde. „Das ist die neue Dramaturgie – wir wollen uns jedes Jahr in diesem Zeitraum mit den Fragen, die mit dem Wechsel der Jahreszeiten, mit dem Beenden wollen und dem Neubeginn beschäftigen und haben dafür viele schöne Übersetzungen gefunden.“
Die künstlerischen Leiter präsentieren ein reichhaltiges und kreatives Programm. Die Prämissen der Festivalinhalte lauten wie bisher: Mit Künstler:innen aus unterschiedlichen Sparten sowie Experten aus allen Lebensbereichen auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen bezogene Fragen formulieren sowie mit Vorarlberger Künstler:innen und Institutionen kooperieren.

Begräbnisreden spiegeln das Selbstverständnis wider

Im vergangenen Jahr wurden mit großem Erfolg drei Begräbnisse mit Totenreden über die Privatsphäre, die Gewissheit und die Muße bei den Montforter Zwischentönen präsentiert. Dieses Format habe viel mit dem Selbstverständnis der Montforter Zwischentöne zu tun, betont Hans-Joachim Gögl. Auf der einen Seite gehe es darum, einen inhaltlichen Input zu bringen und diese auf spannende Art und Weise in Resonanz zur Musik zu stellen. An den Philosophen Robert Pfaller vergaben Hans-Joachim Gögl den Auftrag eine Totenrede auf die Distanz zu führen, nicht wissend, dass das Distanzhalten und die Masken noch immer aktuell sind. Zitate des Philosophen wie „Wir sollten nicht den Tod fürchten, sondern das schlechte Leben“ oder „Anstatt zu fragen, wie wir leben, fragen wir uns nur noch, wie wir möglichst lange leben“, wecken hohe Erwartungen und regen zum Weiterdenken an. Die Pop-Up Kapelle im alten Hallenbad für das „Begräbnis der Distanz“ baut die in der Schweiz tätige Architektin Bianca Anna Böckle.

Musicians in Residence

Neu bei den Montforter Zwischentönen ist die Idee, „Musicians in Residence“ nach Feldkirch einzuladen. So sind die Harfenistin Luise Enzian und der Lautenist David Burgmüller sowie die Sopranistin Miriam Feuersinger bei mehreren Konzerten präsent. Einen Höhepunkt stellt die Aufführung der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach dar. Das Concerto Stella Matutina mit Miriam Feuersinger, Marian Dijkhuizen, Georg Poplutz und Christian Immler sowie der Kammerchor Feldkirch unter der Leitung von Benjamin Lack werden das grandiose Werk aufführen. Dazu verfasst der Soziologe Hans Joas drei Predigten über das Heilige.

„Queerfeldein“ im Schloss Amberg

Der Konzertdramaturgiewettbewerb „HUGO“ hat inzwischen große Resonanz gefunden. Studierende aus fast allen Musikhochschulen und Musikuniversitäten des deutschsprachigen Raumes bewerben sich mit speziell konzipierten Programmen. In gewissem Sinn ist diesem Wettbewerb das Aufführungsverbot während der Coronazeit zugute gekommen. Nicht wie bisher im Rahmen eines Live-Pitches aus Feldkirch wurde Anfang März 2021 das Siegerteam ermittelt, sondern via Livestream aus der Launchlab in Berlin gesendet. Das erhöhte die Reichweite natürlich um ein Vielfaches.
Als Siegerprojekt ging das Team der Hochkünste der Künste Bern mit Kiara Konstantinou, Magdiel Bapstistin Vaillant, Philippe Gaspoz und Mia Rosa hervor. Der aussagekräftige Titel der Performance lautet „queerfeldein“. Als Ausgangspunkte ihrer Performance, die für das Schloss Amberg konzipiert ist, dient einesteils die unvollendete Oper „Der Graf von Gleichen“ von Franz Schubert und andernteils die Schriftstellerin Paula Ludwig. Zueinander in Verbindung stehen die Schriftstellerin und der Hauptprotagonist der Oper, weil beide in bigamen Beziehungen lebten. Darüber hinaus bietet die Erbauungsgeschichte des Schlosses Amberg weitere Inspiration, denn Kaiser Maximilian erbaute das Schloss um 1500 für seine Konkubine. Von der Vergangenheit aus wird der künstlerische Blick in die Gegenwart geführt. Richard Dünser hat die unvollendet gebliebene Schubertoper im Jahr 2002 vervollständigt und einen eigenen Orchesterpart hinzugefügt. Ergänzend dazu bietet die Lyrik von Paula Ludwig genreübergreifende Ankerpunkte.

Vokalmusik, Schattenperformance und Doppelgängerschaften

Unter dem Leitgedanken „Light works“ gastiert das Vocalensemble  Company of Music“ rund um Johannes Hiemetsberger und das Jazztrio „Owls“ bei den Montforter Zwischentönen. Alte und Neue Musik wird dabei in der Kapelle des Landeskonservatoriums in Beziehung zu einer Schattenperformance der niederländischen Künstlerin Roos van Haaften gestellt.
Im Palais Liechtenstein realisiert die israelische Fotokünstlerin Orly Zeiler die Ausstellung „The Time Elapsed Between Two Frames“. Darin werden alte Familienfotos von Nachfahren nachgestellt in „Rekonstruktionen jahrzehntealter Fotografien mit Töchtern oder Söhnen, Enkel- oder Ur- enkelkindern, die für einen kurzen Moment in die Rolle ihrer Ahnen schlüpfen. Das Ergebnis sind Aufnahmen vermeintlicher Doppelgängerschaften mit einer fast magischen Ausstrahlung“, so Hans-Joachim Gögl.
Abgerundet wird das Programm mit einem bereits zur Tradition gewordenen „Salon Paula“ sowie einem „Morgenkonzert“. Ilija Trojanow wird zum Sonnenaufgang lesen und das Publikum zur Musik der Harfenistin Luise Enzian und des Lautenisten David Bergmüller frühstücken. „Radio Zwischentöne“ werden wieder aus dem ORF- Landesstudio Vorarlberg gesendet. Das Abschlusskonzert mit dem Ensemble Sirius Viols und Miriam Feuersinger stimmt das Publikum auf den Advent ein.

Montforter Zwischentöne
4. November bis 1. Dezember 2021
www.montforterzwischentoene.at

Im Schloss Amberg wird das Siegerprojekt „queerfeldein“ des diesjährigen HUGO Konzertdramaturgiewettbewerbes präsentiert.

Im Schloss Amberg wird das Siegerprojekt „queerfeldein“ des diesjährigen HUGO Konzertdramaturgiewettbewerbes präsentiert.

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  • Im Schloss Amberg wird das Siegerprojekt „queerfeldein“ des diesjährigen HUGO Konzertdramaturgiewettbewerbes präsentiert. Im Schloss Amberg wird das Siegerprojekt „queerfeldein“ des diesjährigen HUGO Konzertdramaturgiewettbewerbes präsentiert.