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19.11.2019 |  Silvia Thurner

Mit unterschiedlichen Emotionen durch das Dunkel der Nacht – Anita Flurina Ströhle, Simon Flatz und Gerda Poppa gestalteten ein stimmungsvolles Basilikakonzert

Die aktuelle Saison der Basilikakonzerte Rankweil brachten die Sopranistin Anita-Flurina Ströhle, Simon Flatz an der Marimba sowie Gerda Poppa an der Orgel mit vielgestaltigen Kompositionen zu einem klangsinnlichen Abschluss. Dem Leitgedanken „Durch die Nacht. Facettenreichtum der dunklen Stunden“ folgend, boten sie eine Werkauswahl, die eine gute Balance zwischen emotional aufwühlenden und in sich ruhenden Kompositionen schuf. Den Kern des Konzertes bildete die Uraufführung des ausdrucksvollen Werkes „Durch die Nacht“ von Gerda Poppa.

Den Leitgedanken der Dunkelheit der Nacht deuteten die zwei Musikerinnen und der Musiker mit vielgestaltigen emotionalen Schattierungen aus, ausgehend von romantischen Schumannliedern nach Gedichten von Eichendorff über Trauermusiken und vertonten Gebetstexten von Detlev Block und Julie von Hausmann bis hin zu dichten Variationssätzen und einer Choralfantasie für Orgel.

Vielfältige Werkcharaktere

In ihrem neuesten Werk deutete Gerda Poppa das berühmte Gedicht „So nimm denn meine Hände“ von Julie von Hausmann an der Orgel musikalisch aus. Dem Text folgend erklangen suchende Gesten, bedrückende Tonschichtungen mit schweren Pedaltönen und Motivfragmente, denen das Fundament entzogen schien. Spannungen durch reibende und übermäßige Akkorde sowie symbolisch geführte Linien unterstrichen die Emotion des Gedichtes. Ein markantes Ende setzte der mehrdeutig interpretierbare Schlussakkord. Textdeutlich gestaltete Anita-Flurina Ströhle den Sopranpart. Die schüchtern zweifelnde Tongebung am Beginn, die gesprochene Passage sowie das Aufbegehren an den Höhepunkten zwischen Freud und Schmerz und den Glauben kamen gut zur Geltung.

Gute Interpreten

Ihre flexible und warme Stimme entfaltete die Sopranistin auch bei den weiteren Werkdeutungen. Hervorragend in die Gesamtstimmung des Konzertes fügte sich die Marimba ein, die vorne in der Basilika positioniert war. Simon Flatz musizierte mit viel Gespür für die akustischen Verhältnisse im Kirchenraum und betonte die melodischen Qualitäten des Instruments. Eindrücklich differenzierte er die Linien in „Land“ von Takatsugu Muramatsu. In einem schönen Zusammenwirken gestalten die Sopranistin und der Marimbaphonist das schlichte „Agnus dei“ von Evelyn Glennie. Hingegen überzeugte das ursprünglich für Laute entstandene Lied „Flow my tears“ von John Dowland in der Bearbeitung für Marimba nicht so recht. Eigenwillig wirkten auch die beiden Schumannlieder in der Bearbeitung für Sopran und Orgel.

Markante Orgelkompositionen

Mit Franz Liszts Variationen „Weinen, klagen, sorgen, zagen“ stellte Gerda Poppa eine große Palette unterschiedlicher Gefühlswelten dar. Sie kristallisierte die klagenden Tonsymbolik sowie die Chromatik des Werkes transparent heraus, und dies, obwohl man die Pflüger-Orgel in der Basilika Rankweil nicht von vornherein mit der spätromantischen Klangfülle eines Franz Liszt in Verbindung bringen würde. Ein versöhnliches Ende setzte Gerda Poppa mit Max Drischners Choralfantasie über „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, die durch den schlichten und zugleich farbenreichen Satz die Aufmerksamkeit bündelte.

Die Sopranistin Anita-Flurina Ströhle, der Perkussionist Simon Flatz sowie die Organistin Gerda Poppa (v.l.n.r.) kristallisierten die Charaktere der ausgewählten Werke individuell und klangsinnlich heraus.

Die Sopranistin Anita-Flurina Ströhle, der Perkussionist Simon Flatz sowie die Organistin Gerda Poppa (v.l.n.r.) kristallisierten die Charaktere der ausgewählten Werke individuell und klangsinnlich heraus.

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