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19.11.2019 |  Peter Füssl

Nguyên Lê: Overseas

„Was für ein Zirkus?“ mag sich schon mancher Jazzpurist angesichts der unberechenbaren, buntschimmernden, explosiven Mischung aus Jazz, fernöstlicher Musik, Rock und Orientalischem gedacht haben, die der Gitarrist Nguyên Lê in den letzten Jahren auf rund 25 Alben präsentierte. Nun ist der in Paris aufgewachsene Sohn vietnamesischer Einwanderer tatsächlich beim Zirkus gelandet, denn „Overseas“ ist eigentlich der Soundtrack für die gleichnamige Produktion des Nouveau Cirque de Vietnam, die der gefragte Regisseur und ehemalige Chefchoreograf des Cirque du Soleil, Tuan Le, gemeinsam mit dem Gitarristen konzipiert hat.

Für diese abenteuerliche, farbenreiche und spartenübergreifende Mischung aus Akrobatik, Tanz und Performance-Kunst zum Thema „Diaspora“ kann Nguyên Lê dank seines reichhaltigen musikalischen Erfahrungsschatzes aus dem Vollen schöpfen. War er auf dem erst vor einem halben Jahr ebenfalls auf ACT erschienen Album „Streams“ für seine Verhältnisse eher jazzmäßig unterwegs, taucht er nun wieder tiefer ins Fernöstliche ein und verbindet traditionelle Elemente mühelos mit zeitgenössischem Jazz und Hip-Hop-Einsprengseln. So verbindet sich auf wunderbare Weise der neotraditionalistische Gesang des Multiinstrumentalisten Ngô Hông Quang, die orientalische Zither von Lê Thi Van Mai und die Bambusflöten von Nguyên Hoàng Anh mit den eher jazzorientierten Drums von Alex Tran, den zu den langgezogenen Tönen wunderbar passenden Vibraphon- und Xylophon-Klängen Illya Amars und den explosiven Beatbox-Rhythmen Trung Baos. Das unverwechselbare, ausdrucksstarke Gitarrenspiel Nguyên Lês dient dabei sozusagen als musikalischer Kitt zwischen den so unterschiedlichen und doch perfekt miteinander harmonierenden Elementen. Wie die beteiligten Zirkuskünstler bringen auch die Musiker Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Migrationshintergründen ein. In dieses Schema passen auch der vietnamesischstämmige, von Miles Davis beeinflusste Trompeter Cuong Vu und der dänische Kontrabassist Chris Minh Doky, die in Seattle bzw. New York leben. Die 13 Kompositionen des Gitarristen mit der siebenteiligen „Overseas Suite“ im Zentrum verbinden mitreißenden Drive und farbenprächtige Stimmungen, exotische Grooves und eingängige Melodien und passen sicher perfekt zu den zirzensischen Attraktionen, können aber auch ohne sie als rein akustisches Spektakel bestens bestehen.

(ACT)

 

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