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14.04.2019 |  Peter Füssl

Kraftvolle Ruhe - mit Stafrænn Hákon am Dornbirner Spielboden auf musikalischem Roadtrip durch Island

Stafrænn Hákon nennt der isländische Gitarrist Ólafur Josephsson seine derzeit aus Bassist Árni Þór Árnason, Gitarrist Lárus Sigurðsson, Drummer Róbert Már Runólfsson und Sänger/Gitarrist Magnús Freyr Gíslason bestehende Band, mit der er seit 1999 elf Alben und einige EPs vorgelegt hat. Dennoch sind die Herren aus Reykjavík im Gegensatz zu ihren Kollegen von Sigur Rós oder Múm in unseren Breitengraden kaum bekannt, weshalb die Fans am Dornbirner Spielboden auch in einer eher überschaubaren Menge erschienen. Die Spielbödner richteten, passend zur isländischen Mentalität, aus allem immer das Beste zu machen, den Saal gemütlich mit Tischen und Stühlen ein und wurden mit einem unaufgeregten, aber keineswegs langweilig verlaufenden Konzertabend belohnt.

Hypnotische Mischung aus Post-Rock & Ambient

 

Zwar hatten Stafrænn Hákon 13 Songs älteren und jüngsten Datums auf ihrer Set-List stehen, aber eigentlich wirkte alles wie aus einem Guss, wie ein in sich stimmiges Konzeptalbum, mit dem das Publikum in eineinhalb Stunden in eine andere Sphäre gebeamt werden sollte. Das Rezept ist so simpel wie wirkungsvoll: Drummer Róbert Már Runólfsson treibt die Musik kraftvoll und durchaus variantenreich voran, während sich die Gitarrenlinien von Josephsson, Sigurðsson und Gíslason mit dem erdenden Bass von Árnason kunstvoll ineinander verschränken und manchmal in einem Maße aufeinander abgestimmt sind, dass sie fast wie ein einziges Instrument wirken. Auch wenn sich Josephsson und Gíslason ans Keyboard setzen oder zur Melodica greifen, bringt das zwar weitere Farben in den vor allem den speziell gestimmten Saiten zu verdankenden Gruppensound ein, allerdings ohne ihn wesentlich zu verändern. Keine Soli brechen den Gesamteindruck auf, selbst der Gesang wird sehr zurückhaltend und letztlich gruppendienlich instrumental eingesetzt.

 

Idealer Soundtrack für Roadtrip durch Island

 

Die episch schwebenden, seltsam traumhaft anmutenden Saitenzauber-Wolken stehen stets in einem reizvollen Kontrast zum treibenden Schlagzeug. Wer die sagenumrankte Insel kennt, weiß, welch fantastischen Soundtrack Stafrænn Hákons hypnotisch wirkende Mischung aus Post-Rock & Ambient für einen Roadtrip durch Island abgeben würde. Ihre Musik bildet diese unglaubliche Weite, diese archaisch wirkende Ruhe, diesen manchmal mystisch anmutenden Schleier aus Farbtönen und Geräuschen bei gleichzeitigem Wissen von den nur durch eine dünne Erdkruste abgehaltenen Urgewalten und feuerspeienden Kräfte wundervoll ab. Letzeres wird in den seltenen, sich geschickt entwickelnden Passagen deutlich, in denen Stafrænn Hákon ihren sphärischen Sound zu einem dynamisch-dramatischen Höhepunkt führt. Die vielen Nebelschwaden und die zauberhaften Lichteffekte potenzierten die intensiven musikalischen Eindrücke auf effektvolle Weise.

Stafrænn Hákon basteln auch nach 20 Jahren noch an ihren eigenwilligen Soundideen - vielleicht mehr denn je (© Peter Füßl)

Stafrænn Hákon basteln auch nach 20 Jahren noch an ihren eigenwilligen Soundideen - vielleicht mehr denn je (© Peter Füßl)

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  • Stafrænn Hákon basteln auch nach 20 Jahren noch an ihren eigenwilligen Soundideen - vielleicht mehr denn je (© Peter Füßl) Stafrænn Hákon basteln auch nach 20 Jahren noch an ihren eigenwilligen Soundideen - vielleicht mehr denn je (© Peter Füßl)