Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast. (Foto: Matthias Horn)
Silvia Thurner · 11. Okt 2009 · Musik

In Festlaune - bejubeltes Brassspektakel mit dem Akkordeonisten Goran Kovacevic und „Sonus Brass“

Sein fünfzehnjähriges Jubiläum feierte das Blechbläserquintett „Sonus Brass“ beim diesjährigen Brassspektakel in der Bludenzer Remise gebührend und mit einem Publikum, das von Beginn an in Feierstimmung war. Der Konzertabend entwickelte sich spannend, erreichte den Höhepunkt mit einer gelungenen Uraufführung von Volker Plangg und endete mit jazzigem Bigbandsound, der die ZuhörerInnen zu Begeisterungsstürmen hinriss. Zum Jubiläumskonzert hatten Stefan Dünser, Attila Krako, Andreas Schuchter, Wolfgang Bilgeri und Harald Schele den viel beachteten Akkordeonisten Goran Kovacevic eingeladen. Die Klangmischung dieser konträren Instrumentenpartner bot besondere musikalische Anreize, die die Musiker voll auskosteten. Bemerkenswert ist der Werdegang des „Sonus Brass Ensemble“. Einesteils begeisterten die musikalische Vielseitigkeit und das Niveau, andernteils wirkt die musikalische Ausrichtung im Vergleich zu früheren Programmen eher am Zeitgeist orientiert.

Einleitend stand Werner Pirchners „L’homme au Marteau dans sa Poche“ auf dem Programm, ein Werk, das den fünf Musikern auf den Leib geschrieben schien. Das Ensemble entfalteten einen schön abgerundeten Gesamtklang, gestaltete rhythmisch versiert den Mittelsatz und kehrte die für Werner Pirchner so typische, humorvolle Seite an die Oberfläche.

Redselige und offenherzige Musik

Im Mittelpunkt des Konzertabends, der auch Anlass für (fast zu) viele Danksagungen bot, stand die Uraufführung des neuesten Werkes von Volker Plangg. Der aus Vorarlberg stammende, seit Jahren in Dresden wirkende Dirigent und Komponist ist mit dem Ensemble freundschaftlich verbunden. Schon vor einiger Zeit arbeitete er mit den Musikern zusammen und hinterließ damals einen nachhaltigen Eindruck. Für die außergewöhnliche Besetzung mit Akkordeon und Blechbläserensemble schuf Volker Plangg nun ein Auftragswerk mit großem Unterhaltungswert. Besonders reizvoll verarbeitete er die Klangfarbenspiele, die sich durch die Wechselverhältnisse zwischen Akkordeon und Blechbläsern ergeben. Die dicht verwobenen und mitunter rhythmisch vertrackten Passagen spielte das Ensemble konzentriert und teilweise etwas angespannt, allerdings kamen die Grundcharaktere der vier Sätze gut zum Ausdruck. Die „Intrada“ führte die ZuhörerInnen sogleich mitten ins Geschehen. Mit stoßartig vorwärts drängenden melodischen Gesten wurden die klangfarblichen Unterschiede in anregende Dialoge vermessen und ausgelotet. Der zweite Satz, eine Passacaglia, verströmte eine dichte Atmosphäre. Der Blues war vor allem durch die Tonfärbungen und den atmenden Duktus im Akkordeon allgegenwärtig. Die Zeitgestaltung in den solistischen Akkordeonpassagen und das strenge Grundschema des Passacagliathemas standen dabei in einem wirkungsvollen Kontrast zueinander, den die Musiker transparent zur Geltung brachten. In der „Musette“ kamen die Stimmenverhältnisse unterhaltsam und clownesk zur Geltung. Genau in jenen Momenten, in denen sich die einvernehmliche Kommunikation der Ensemblemusiker im Kreis zu drehen drohte, setzte Volker Plangg markante Parallelführungen, die den musikalischen Fluss aufs Neue in Gang setzten. Mit einem fast orchestralen Klangcharakter endete das stimmungsvolle Werk.

Eruptiv, poetisch und kitschig zugleich

Der zweite Konzertteil stand ganz im Zeichen des sympathischen Goran Kovacevic, der von vielen Fans in der Remise gefeiert wurde. Als Komponist war er unter anderem mit „Sweet Tanzania“ zu erleben. Dies ist ein farbenreiches Werk, das die Musiker souverän und mit Begeisterung spielten, so dass der Funken auf das Publikum unmittelbar herüber sprang. Allerdings bediente die „Suite“ einige Klischees, die in Richtung „Ethnokitsch“ wiesen, wäre da nicht der Mittelsatz, den der Perkussionist Enrico Lenzin mit einer derart perkussiven Kraft formte, dass mir fast der Atem stockte. Er setzte die brutale Gewalt des Krieges und die hohlen Klänge der Angst mit einer selten erlebten Eindringlichkeit in den Raum. Kovecevics „Funky Wall“ spielte Sonus Brass zusammen mit Goran Kovacevic und Enrico Lenzin und in dieser Besetzung meinte man eine Big Band erleben zu können. Virtuose Soli einesteils, aber auch wirkungsvoll gesetzte Tuttipassagen sowie rhythmisch überaus anspruchsvolle Abschnitte andernteils ließen die ZuhörerInnen staunen. Ein Touch „Balkan-Jazz“ erhöhte die Festlaune der Ensemblemusiker. Der Erfolg - auch in Zukunft - ist ihnen garantiert, denn die Spielfreude der „Sonus Brass"-Musiker ist unmittelbar spür- und auf höchstem musikalischem Niveau erlebbar.