"Der Fuchs" von Regisseur Adrian Goiginger. Derzeit in den Vorarlberger Kinos.
Silvia Thurner · 03. Jun 2022 · Musik

Gehen, vergehen, gehen lassen – die achte HUGO-Siegertrophy ging an das Team Tri:Utopie und seine eindrückliche Performance „end:licht“

Zum Thema „Sehnsucht und Verwandlung“ luden die Montforter Zwischentöne Studierende ein, Konzepte für neue Konzertformate zu entwerfen. 50 Teilnehmende von 26 Universitäten, Hochschulen und Konservatorien nahmen daran teil. Vier interdisziplinäre Teams präsentierten im Finale ihre Ideen für eine Performance, die im Herbst im Feldkircher Dom realisiert werden soll. Informativ und quirlig führte Andrea Thilo durch das Programm, das in konzentrierter und wertschätzender Atmosphäre im Montforthaus Feldkirch stattfand. Als eindeutiger Sieger ging das Team Tri:Utopie aus Potsdam und Köln hervor, das sich tiefsinnige künstlerische Gedanken zum Sterben und zur Haltung gegenüber dem Tod gemacht hat. Für eine willkommene Auflockerung und musikalische Frischluft sorgten die gleichnamige Band rund um Herbert Walser-Breuß und Studierende des Landeskonservatoriums.

Alle vier Siegerteams boten mit ihren für den Feldkircher Dom konzipierten Konzerten individuelle und anregende Ideen an. Doch sogleich nach der Präsentation des Beitrags mit dem schönen Titel „end:licht“, den Magdalena Lorenz, Louis Voelkel und Nina Gurol von der Universität Potsdam sowie der Hochschule für Musik und Tanz Köln vorgestellt hatten, war klar, dass das Team Tri:Utopie den Bewerb für sich entscheiden werde.
In ihrem Pitch bauten die Akteur:innen mittels elektronischer Sounds, einer solo gespielten Geigenlinie und Großaufnahmen von Porträts eine große Spannung auf. Spiegel und Briefbotschaften werden beim Konzert im Dom zur Reflexion einladen, wenn zwei Musikerinnen und ein Schauspieler der Frage nachgehen, mit welcher Haltung wir dem Tod begegnen. Insbesondere Ehrlichkeit fordern die Künstler:innen ein und zeigen auf, in welcher Art sie den Sterbeprozess mit Musik verbinden werden. Die 20-minütige Projektvorstellung wirkte authentisch. Einhellig zeigten sich die Jurymitglieder Anja Loosli aus der Schweiz, Frauke Bernds aus Deutschland und Peter Paul Kainrath aus Österreich angetan von der Konzertidee. Beeindruckt hoben sie in ihren Statements den direkten Zugang zum sensiblen Thema Sterben hervor. Peter Paul Kainrath fasste treffend zusammen, dass in die Mitte der Rezeption der Musik das Sterben ins Zentrum gestellt werde.

Weitere Projektideen

Auch die drei anderen Teams hatten viel zu bieten. So setzte Klang:luft mit Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste sowie der Hochschule Luzern ein Organetto, ein Violoncello und einen Synthesizer in Beziehung zueinander. Die Zuhörenden waren eingeladen, darüber nachzudenken, wie ein Mensch vor 800 Jahren die Musik empfunden haben könnte. Hörerfahrungen sollten ausgelotet werden.
inn.wien.ffm nannte sich ein Team, zusammengesetzt aus Studierenden der Hochschulen für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und Wien sowie des Mozarteums Salzburg. Im Quartett musizierte auch der aus Feldkirch stammende Bratschist Fridolin Schöbi. Auf seinen Heimvorteil ging das große Publikumsvotum zugunsten dieses Projektes zurück. Zum Leitgedanken „Sehnsucht und Verwandlung“ setzten die Studierenden die Aktionen „drehen und sehen“ in Verbindung. So sollten zwei Streichquartette Werke von Samuel Barber und Richard Strauss im Kirchenraum des Feldkircher Doms von unterschiedlichen Standorten aus darbieten. Mit verschiedenen Lichtszenarien sowie fließenden Übergängen innerhalb der Werkdeutungen sollten neue Wahrnehmungsperspektiven geschaffen werden.

Eine komplexe Performance bot das Frideswide Ensemble von der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen mit seinem Projekt „Nebelländer“. Im Mittelpunkt stand der britische Autor A. C. Doyle, der ein Studienjahr in Feldkirch verbracht hatte. Dessen Suche nach Trost und Erleuchtung wäre in den Bankreihen im Kirchenschiff dargestellt worden.
Andrea Thilo führte informativ und temperamentvoll durch das Finale des Hugo-Pitchs, der bereits zum achten Mal im Rahmen der Montforter Zwischentöne ausgelobt worden ist.
Die Band Frisch:luft mit Oliver Biedermann (Trompete), Leonardo Rosales (Tenorsaxofon), Sebastian Bach (Tuba), Cinzia Regensburger (Megafon) Steven Moser (Davul) und Herbert Walser-Breuß (Horn) machte dazu stimmige Musik. Ihr spezieller Sound -- eine Mischung aus Balkanjazz, New Orleansjazz, afrikanischen Sounds und Reminiszenzen an „Broadlahn“ aus der Steiermark -- wirkte sehr erfrischend.


Tipp
Die mit dem Hugo 2022 ausgezeichnete Performance „end:licht“ des Ensembles TRI:UTOPIE wird im Rahmen der Montforter Zwischentöne im November 2022 uraufgeführt.