Derzeit in Vorarlbergs Filmclubs: "No Bears" (Foto: Filmcoopi Zürich)
Thorsten Bayer · 03. Jän 2012 · Musik

Erstes Neujahrskonzert: Vivid belebte den Dornbirner Spielboden

Die traditionelle Gratis-Konzertreihe mit Vorarlberger Musikern zum Jahresauftakt ist eröffnet: Die junge Band Vivid brachte am gestrigen Montagabend Funk und Jazz in die Spielbodenkantine. Dass die siebenköpfige Gruppe zum ersten Mal in dieser Besetzung auftrat, war nur selten zu spüren. Sängerin Heidi Caviezel und ihre Kollegen, allen voran Leadgitarrist Simmel, überzeugten sowohl mit eigenem als auch mit fremdem Material, bei dem sie sich die Messlatte hochlegten. Schließlich coverten sie Songs von Künstlern wie Joss Stone oder Amy Winehouse.

Wie ist der Stil von Vivid zu bezeichnen? Simmel ist sich da auch nicht ganz sicher. „Jazzfunk vielleicht? Nee, dann eher Funkjazz“, sagte der Virtuose an der E-Gitarre, um dann zu resümieren: „Ach, egal, eigentlich spielen wir einfach Lieder, die uns gefallen.“ Diese Einstellung bringt den Live-Eindruck gut auf den Punkt: Da ist eine junge Band, die sich wenig um Genregrenzen schert und einfach gerne zusammen Musik macht. Und zwar mit viel Groove.

Ständig wechselnde Besetzungen

Dafür sorgen in erster Linie Simmel und Bassist Martin Hanser, einer der wenigen „alten Hasen“ in der Band. Er war bei der Gründung 1997 dabei, seit fünf Jahren nun sind er, Simmel und Sängerin Heidi Caviezel das feste Gerüst der Gruppe. Ansonsten ändert sich die Besetzung fortlaufend. Am Spielboden stießen Drummer Michael Schatzmann und Michael Amann am Saxophon zum Ensemble, das von Roger Szedalik (Gitarre) und Alexander Kronabetter (Trompete) komplettiert wurde.

Wohltuend unprätentiös

Gleich der zweite Song ließ aufhorchen: „Just kissed my baby“, im Original von The Meters aus New Orleans. Sieben Mann auf der Bühne – und wenn dann Martin Hanser, mit Abstand der impulsivste auf der Bühne, am E- oder Kontrabass loslegte, konnte es schon etwas eng werden. Vielleicht lag es auch daran, dass Caviezel anfangs noch nicht so präsent am Mikrofon war. Nach und nach fand sie aber immer besser in das Konzert und sang sich warm. Dazu entlockte Simmel in beeindruckenden Soli seiner Les Paul immer wieder einen wunderbar warmen, bauchigen Sound.
Einige Bands, ob Newcomer oder Altmeister, versuchen sich durch besonders extravagantes Posing hervorzutun. Da bilden Vivid eine wohltuende Ausnahme. Nicht zuletzt an vorderster Front, wo die Sängerin aus der Schweiz einen unaufgeregten, bescheidenen Eindruck hinterlässt.

Vielfältige Projekte

Heidi Caviezel, die mittlerweile in Bregenz wohnt, hat das Feldkircher Musikgymnasium besucht und ist „seitdem eigentlich mehr in Vorarlberg als in der Schweiz.“ Und das, obwohl sie an der Hochschule Luzern den Bachelor im Fach Jazzgesang gemacht hat. Die 26-Jährige ist eine sehr aktive Künstlerin mit zahlreichen unterschiedlichen Projekten, beispielsweise „Frau Walser macht Ferien“, dem Pirmin Schädler Septett oder auch „Blue Tribe“. Und dann gibt es ja noch das „Katja Kaurapuuro Orkestri“, in dem ihre finnischen Wurzeln durchscheinen. In diesem Programm, das größtenteils aus Eigenkompositionen besteht, vertont sie finnische Gedichte. „Ich habe mich noch nie gerne festgelegt“, sagte sie in der Pause des Konzertes, „stattdessen möchte ich lieber alles ausprobieren.“

Charmanter Auftritt

Den zweiten Teil des Abends eröffneten Simmel und Caviezel ohne den Rest der Band, mit einer Coverversion von Joss Stones „Fell in love with a boy“ – ein Raunen ging durch das Publikum, das an diesem Abend überdurchschnittlich jung war. Wenig später der nächste Coversong einer weiteren stimmgewaltigen Künstlerin: „Wake up alone“ von Amy Winehouses sehr erfolgreichem Album „Back to black“. Dazu ließ Heidi Caviezel ihren Charme spielen – zwar nicht in der direkten Interaktion mit den Zuhörern, aber im Zusammenspiel mit ihren Musikerkollegen auf der Bühne.

Weitere Gratis-Konzerte am Dienstag und Mittwoch

Am heutigen Dienstagabend folgt das zweite Neujahrskonzert mit dem Singer-Songwriter Jules Attic. Zum Abschluss betreten einen Tag später (Mi, 4.1.) der John Peel Club (Punk Rock) sowie die finnisch-österreichischen Burning Rosettas die Bühne in der Kantine des Spielbodens. Beginn ist jeweils um 21 Uhr, der Eintritt zu beiden Konzerten ist frei.