Die Berliner Band „Milliarden“ beim Poolbar Festival (Foto: Darius Grimmel)
Silvia Thurner · 10. Okt 2012 · Musik

Beschwingt, virtuos und abgründig – die Nordwestdeutsche Philharmonie und der Pianist Igor Levit eröffneten die Abonnementreihe „DornbirnKlassik“ glanzvoll

Das erste Abonnementkonzert der Reihe „DornbirnKlassik“ mit der Nordwestdeutschen Philharmonie war ein voller Erfolg. Simon Gaudenz dirigierte das Orchester mitreißend, die MusikerInnen spielten konzentriert und mit sichtlicher Freude am gemeinsamen Tun. Im Mittelpunkt stand der Pianist Igor Levit, der mit seiner Interpretation des zweiten Klavierkonzertes von Peter I. Tschaikowsky das Publikum in seinen Bann zog.

Berühmt ist vor allem Tschaikowskys erstes Klavierkonzert. Deshalb war es ein Vergnügen, im Rahmen von „DornbirnKlassik“ das eher unbekannte zweite zu hören. Igor Levit war für dieses Werk eine Idealbesetzung, denn er lotete den Stellenwert von virtuosem Figurenwerk, aufgebauschten Klangkaskaden und lyrischen Ruhepolen geistreich aus. Seine sensible Spielart fesselte die Zuhörenden vom ersten bis zum letzten Ton. Selbstvergessene Zwiesprache hielt der Pianist im langsamen Satz mit der Solovioline und dem Violoncello. Jeder Ton erhielt seine eigene Farbe, ein atmender Duktus verstärkte die dichte musikalische Atmosphäre dieses Satzes. Kauzig und mit Esprit ließ Igor Levit im Finalsatz die Funken fliegen.

Feinsinnige Klangqualitäten

Als Zugabe erklang ein Petrarca-Sonett von Franz Liszt. Dabei tupfte Igor Levit die Töne unerhört zart an und verwies mit diesem feinsinnigen Stück auf seine bewundernswerte Anschlagskultur. Überdies war es eine Freude zu erleben, welche hervorragenden Klangqualitäten im neuen Steinway-Flügel des Dornbirner Kulturhaus stecken.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie spielte den Orchesterpart in einem guten Einverständnis mit dem Solisten, lediglich zu Beginn waren die Lautstärkenverhältnisse mitunter etwas unausgeglichen.

Gestaltungskraft

Mit Beethovens dritter Symphonie, der „Eroica“, stellte vor allem der Dirigent Simon Gaudenz seine spezifischen Qualitäten unter Beweis. Auch das Orchester überzeugte und vermittelte eine gute Stimmung, allerdings wirkten die Streicher im Hinblick auf eine in sich abgerundete Klangqualität nicht immer optimal austariert.

In einem guten Kontakt miteinander wurde der große Bogen über die einzelnen Sätze hinweg gespannt, ohne dabei die Entwicklungslinien im Einzelnen aus den Augen zu verlieren. Die thematischen Bögen entfalteten sich gut nachvollziehbar aus den zugrundeliegenden Motivgestalten heraus. Gegensätze, beispielsweise zwischen dem langsam schreitenden Trauermarsch und dem trippelnden, unruhigen Scherzo wurden bewusst gesetzt. Die Deutung des Finalsatzes mit den eingelagerten kontrapunktischen Passagen bewirkte ein in sich schlüssig angelegtes Werkganzes. Das Publikum spendete begeisterten Beifall.