Chris Haring/Liquid Loft beim tanz ist Festival am Spielboden Dornbirn (Foto: Stefan Hauer)
Peter Bader · 27. Nov 2011 · Musik

Bejubelte künstlerische Interaktion – Alfred Vogel am Spielboden

Alfred Vogel, einer der umtriebigsten und vielseitigsten Schlagzeuger Vorarlbergs, lud am Samstagabend in der Reihe Jazz& zum Konzert an den Dornbirner Spielboden.

Peter Füßl bezeichnete Alfred Vogels Programm „Vogelperspektiven“ in seinen einführenden Worten als „Großereignis“. Es handelt sich dabei um ein Großprojekt, in dessen Verlauf 2012 im Drei-Monats-Abstand vier weitere CDs erscheinen werden, Volume 1 wurde am Samstagabend mit einem Großaufgebot an mitwirkenden dem zahlreich erschienene Publikum im Dornbirner Spielboden präsentiert.
Eröffnet wurde das Konzert vom Protagonisten. Alfred Vogel überraschte gleich zu Beginn mit einer eigenwilligen Schlagzeug-Solo-Performance. Er arbeitete dabei mit von ihm selbst live eingesprochenen Rhythmus-Patterns und live eingespielten, recht schräg anmutenden Patterns auf der semi-akustischen Gitarre. Zu diesen Loops improvisierte er ekstatisch auf seinen Drums.

Kontrastreiche Musik

Der zweite Programmpunkt war das Trio Schreiber/ Hagen/Vogel. Aus der Stille heraus entwickelten die Violinistin Angelika Hagen und der Violinist Andreas Schreiber eine atonale, also zwölftönige, Tonfolge, die in Reihentechnik unter anderem in ihrer Umkehrung verarbeitet wurde. Als Kontrast dazu erklang ein pentatonisches Thema. Zu dieser kontrastreichen Musik interagierte Vogel virtuos auf seinem Schlagzeug. Das Stück mündete in Stille und Dunkelheit.

Auftritt David Helbock

Seit ca. zwei Jahren arbeitet Vogel mit dem jungen, mittlerweile sehr bekannten Jazz-Pianisten und Keyboarder David Helbock zusammen. Ein Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit ist die Experimental-Film-DVD „Hellhound & Bird“. Aus diesem Werk wurden zwei Filme auf die Leinwand hinter der Bühne projiziert und live mit Musik untermalt. Im Kurzfilm „Atomic potatoes“ werden unter anderem grasende Kühe und Barbie-Puppen gezeigt. Surreal anmutende Bilder, die in Kombination mit den abgedrehten Tonfolgen und Sounds von Helbocks Virus- und Nord Stage-Keyboard und Vogels Arbeit an den Drums eine beklemmende Wirkung hatten.
Dies auch beim Film „Mike im Messepark“, in dem man eine Playmobil-Figur auf ihrem Weg durch den Dornbirner Messepark begleiten kann – und diese Figur am Ende brennen sieht. Die beiden Musiker wählten für diese Bilder eine zum Teil aggressive und laute Musik mit abstrakten Patterns und Geräuschanteil.

Texte im Wälder Dialekt

Literarisch wurde es dann mit dem Beitrag von Norbert Mayer. Im Bregenzerwälder Dialekt  trug der Dichter zu Vogels Grooves Texte wie „Firauböd“ vor. Vogel selbst performte den Text „ü“, indem er den Laut „ü“ live einsprach und darüber weitere Sprach-Patterns legte, diese teilweise singend, etwa als er – ein imaginäres Saxophon haltend – ein Quasi-Sax-Solo vortrug.

Zurück zum Blues

Der fünfte Programmpunkt führte zurück zu den Anfängen Vogels. „Ich komme vom Blues“, erklärte er. Zusammen mit Simon Frick an der E-Geige und Lucas Dietrich am Kontrabass firmiert er unter dem Namen Le Noir und realisierte an diesem Abend eine Musik, die wohl als Blues in seiner abstrahierten Ausprägung bezeichnet werden kann. Oder, wie es der Schlagzeuger selbst tut, als „experimenteller Avantgarde-Blues“. Die Bezüge zum Blues wurden aber auch optisch hergestellt, indem auf die Leinwand spezifische Bilder projiziert wurden. Etwa eine Fotografie des berühmten Blues-Sängers und -Gitarristen Robert Johnson oder ein Foto zweier Waschbecken: für „white“ und „coloured“. Die Texte, die eingespielt wurden, hatten den Blues im weitesten Sinne zum Thema.

Western-Motive

Nach der Pause spielten „Die glorreichen Sieben“ berühmte Melodien aus ebenso berühmten Western-Filmen. Die – sinnigerweise – vierköpfige Band setzte sich zusammen aus Kalle Kalima (Gitarre), Flo Götte (Bass), Christian Lillinger (Schlagzeug) und Alfred Vogel (Schlagzeug). Zu hören waren unter anderem die Titelmusik aus „Die glorreichen Sieben“, „Man on the harmonica“ („Spiel mir das Lied vom Tod“) und die Titelmelodie von „Bonanza“. Als Zugabe, mit allen beteiligten Musikern auf der Bühne, wurde der Jazz-Standard „The days of wine and roses“ gegeben. Begeisterter Applaus für ein spannendes Konzept.