Die warmherzige Komödie "Die goldenen Jahre", derzeit im TAS Kino in Feldkirch.
Silvia Thurner · 10. Apr 2022 · Musik

Auf Tuchfühlung mit Kammermusik – das Gagliano Trio löste in der Villa Grünau große Begeisterung aus

In Kennelbach belebt eine neue Kulturinitiative mit dem Obmann Lukas Nußbaumer und seiner Stellvertreterin Veronika Ortner-Dehmke die Villa Grünau. Im schönen Ambiente des stilvollen Saales interpretierte das Gagliano Trio aus der Schweiz Werke von Beethoven und Mendelssohn Bartholdy. Romaine Bolinger an der Violine, Payam Taghadossi am Violoncello und Alexander Boeschoten am Klavier musizierten mit sympathischer Spielfreude, Risikobereitschaft sowie viel Kontakt zueinander.

Mit seinem „Opus 1 setzte der 25-jährige Ludwig van Beethoven einen Paukenschlag und begründete damit die neue Gattung des Klaviertrios. Das Trio in c-Moll besticht durch die gleichgewichtig angelegten Ecksätze sowie die abwechslungsreichen Themengestalten und kommunikativen Linienführungen der Violine und des Violoncellos im Zusammenspiel mit dem Klavierpart.
Die Ambivalenz der Themen im Eröffnungssatz lotete das Gagliano Trio spannend und klangsinnlich aus. So zogen die Gegensätze zwischen dem eher verweilenden Einleitungsgedanken und dem nachfolgend vorwärtsdrängenden Thema sogleich die Aufmerksamkeit auf sich. Faszinierend war die feine und zugleich kraftvolle Tongebung des Cellisten Payam Taghadossi. Er stützte den musikalischen Fluss von unten her und verlieh der Musik ein elegantes Profil. Mit markant phrasierten Themen und kantigen Artikulationen gestaltete Romaine Bolinger den kammermusikalischen Dialog. Beiden Streichinstrumenten gab Alexander Boeschoten vom Klavier aus Raum zur Entfaltung und ergänzte die Melodielinien mit gut nachvollziehbaren harmonischen Kommunikationsmustern. Im Andante unterstrichen Romaine Bolinger und Payam Taghadossi den liedhaften Charakter mit obertonreichen Klanggebungen. Der kernig gespielte Dreiertakt zog im Scherzo die Aufmerksamkeit auf sich. Risikobereit gestaltete das Gagliano Trio den Finalsatz mit virtuosen, in rasendem Tempo gespielten Tongirlanden.

Emotionale Höhen und Tiefen

In Beethovens Schlusssatz und vor allem im „Klaviertrio Nr. 1, op. 49 von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigten sich jedoch die Grenzen des Klaviers, das in der Villa Grünau zur Verfügung steht. So musste sich Alexander Boeschoten in Mendelssohn Bartholdys Trio hinsichtlich der dynamischen Ausdrucksqualitäten des Instruments nach der Decke strecken. Weitgriffige Tonkaskaden und vielschichtige Klangzerlegungen trugen den musikalischen Fluss in diesem kontrastreichen Werk. Auf engstem Raum hat Mendelssohn Bartholdy emotionale Höhenflüge und dunkle Abgründe auskomponiert. Romaine Bolinger, Payam Taghadossi und Alexander Boeschoten modellierten die über weite Strecken orchestral wirkende Komposition energiereich, auch die Rhythmik kam hervorragend zur Geltung. Lediglich im zweiten Satz stellte sich die notwendige innere Ruhe nicht sogleich ein. Im Scherzo amüsierte der kauzige musikalische Humor. Mitreißend wirkte die treibende Spielart im Finale, das zugleich eine spannende Klammer zu Beethoven herstellte.

Für den stürmischen Applaus bedankten sich die sympathische:n Musiker:in mit der sinnlich bearbeiteten „Pavane“ von Maurice Ravel.

www.gaglianotrio.com