Mehr Club als Konzert
Uche Yara elektrisiert die Poolbar
Die österreichische Sängerin und Gitarristin Uche Yara begeisterte am Mittwoch, dem 5. August, mit einer mitreißenden Soloperformance beim Poolbar-Festival.
In den vergangenen Wochen war viel über Uche Yara zu hören und zu lesen. Ihr Einstieg als Live-Gitarristin bei der Indie- und Art-Rock-Band Bilderbuch sorgte für einiges Aufsehen. Bereits als Support-Act der „Gelb ist das Feld“-Tour stand sie im Vorprogramm der Band auf der Bühne, Anfang Juli war sie schließlich erstmals als Gitarristin von Bilderbuch im Wiener Flex zu erleben. Dabei stellte sie ihre Virtuosität an der Gitarre eindrucksvoll unter Beweis.
Markante Stimme zu kraftvollen Beats
Beim Poolbar-Festival war sie hingegen mit ihrem Soloprogramm zu Gast. Schon das Setting überraschte: Auf einem einzelnen Podestelement mitten im Publikumsraum richtete sie ihre Bühne ein, während sich das Publikum kreisförmig um sie versammelte. In einer eleganten Abendrobe betrat sie divenhaft die Bühne und eröffnete das Konzert mit sphärischem Gesang, begleitet vom Rauschen des Meeres. Die elektronischen Beats hatte sie vorab programmiert und spielte sie zu jedem Song ein. So entstand ein mitreißender Sog, dem sich das tanzfreudige Publikum kaum entziehen konnte. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der Pool in einen pulsierenden Club, der im Rhythmus ihrer Musik zu atmen schien.
Musikalisch verband Uche Yara gekonnt R&B mit alternativem Pop. Im Mittelpunkt standen jedoch stets ihre markante Stimme und die kraftvollen Beats. Wie eine Schamanin dirigierte sie sich selbst und gleichzeitig ihr Publikum, wirkte dabei aber nie distanziert, sondern erstaunlich nahbar. Mit Leichtigkeit animierte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer dazu, Teil ihrer Performance zu werden. Sympathischerweise sprach sie dabei größtenteils im oberösterreichischen Dialekt und schuf so eine emotionale Nähe, die räumliche war durch das ungewöhnliche Bühnenkonzept ohnehin von Beginn an gegeben. Psychedelische Klangflächen wechselten sich mit eingängigen Popmomenten ab, Rockelemente trafen auf sphärische Ambient-Sounds. Viele der gespielten Stücke stammen von ihrem ersten Soloalbum, das im September erscheint. Besonders ihre neue Single „Hello Hello“ stach hervor und machte Lust auf das gesamte Album.
Auch ihre markante V-Gitarre kam während des Konzerts zum Einsatz, allerdings nur punktuell. Mit einigen knackigen, verzerrten Riffs setzte sie gezielte Akzente, wer jedoch auf ausgedehnte Gitarrensoli gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die Gitarre diente vielmehr als Ergänzung zu ihrer Stimme und den elektronischen Beats. Das Konzert war von Anfang bis Ende präzise durchinszeniert und endete konsequenterweise mit „Bodyscanner“, einem ihrer bekanntesten Songs. Eine Zugabe blieb aus. Nach rund 75 Minuten war der Pool wieder einfach nur der Pool, die elektrisierende Clubatmosphäre hatte sich verflüchtigt.
Support: Lukas Oscar
Im Vorprogramm stand der Amadeus-Award-Gewinner Lukas Oscar mit seiner Band auf der Bühne. Mit seinem Indie-Elektropop gab er die musikalische Richtung des Abends vor. Stimmlich überzeugend und abwechslungsreich präsentierte sich die Band, wobei insbesondere der Schlagzeuger mit seiner Vielseitigkeit und Virtuosität herausragte und das Ensemble spürbar nach vorne trieb. Die Mischung aus Dance-Elementen und Mumble Pop klang über weite Strecken eingängig und gefällig, große musikalische Experimente blieben jedoch aus.