Aktuell in den Filmclubs (7.8. – 13.8.2026)
Beim TaSKino Feldkirch steht diese Woche mit „Ich verstehe Ihren Unmut“ packendes sozialrealistisches Kino auf dem Programm, das Einblick in Abhängigkeiten und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor bietet. Das Poolbar Festival zeigt dagegen mit Maggie Gyllenhaals „The Bride!“ eine bildmächtige und punkige, feministische Fortschreibung des „Frankenstein“-Mythos.
Ich verstehe Ihren Unmut: Kilian Armando Friedrich vermittelt in seinem Spielfilmdebüt einen schier atemlosen Eindruck vom Druck und Stress, unter dem eine 59-jährige Objektleiterin einer Reinigungsfirma steht. Im Stil der Dardenne-Brüder folgen Friedrich, der vom Dokumentarfilm kommt, und seine Kameramänner Louis Dickhaut und Frederik Seeberger in diesem musiklosen Sozialdrama hautnah ihrer Protagonistin bei ihrer Arbeit und bei hektischen Telefonaten mit der Firmenleitung ebenso wie mit unzufriedenen Kunden. Eindringlich und plastisch werden so durch die quasidokumentarische Inszenierung und das intensive Spiel der Hauptdarstellerin Sabine Thalau, die auch im realen Leben in der Gebäudereinigung arbeitete, die unterschiedlichen Abhängigkeiten und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in diesem Niedriglohnsektor sichtbar. Auch wenn der Film am Ende ruhiger wird und mit einem Moment der Solidarität leise Hoffnung auf einen Neubeginn weckt, so wird „Ich verstehe Ihren Unmut“ in Zukunft vielleicht doch anders auf Reinigungskräfte blicken lassen.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 7.8. + Sa 8.8. (deutsche Originalfassung)
The Bride!: Maggie Gyllenhaal lässt eine von einer Wissenschaftlerin zum Leben erweckte Tote im Chicago der 1930er Jahre gegen eine übergriffige Männerwelt aufbegehren. Mit detailreicher Ausstattung beschwört Gyllenhaal dicht die Atmosphäre der Zeit. Treibende Kraft und große Intensität entwickelt „The Bride!“ nicht nur in der Kneipenszene am Beginn, sondern auch in einer fulminanten Nachtclubszene, in der die Braut von allen Zwängen befreit tanzt. Zu verdanken ist dies neben der nie biederen, sondern leidenschaftlichen Inszenierung vor allem der elektrisierenden Performance von Jessie Buckley, die diese lebende Tote, die auch immer wieder in touretteartigen Sprechdurchfall verfällt, mit vollem Körpereinsatz spielt.
Während der Beginn mit dem punkigen Auftreten der Braut, ihrer Schminke und ihrer Kleidung dabei an Todd Phillips’ „Joker“ erinnert, an dem mit Lawrence Sher der gleiche Kameramann und mit Hildur Guðnadóttir die gleiche Komponistin mitarbeiteten, orientiert sich die zweite Hälfte mit der Flucht durch die USA bis hin zum Ende unübersehbar an Arthur Penns Klassiker „Bonnie and Clyde“ (1967). Im Zentrum steht dabei aber immer die feministische Stoßrichtung. Da behauptet die Hauptfigur nicht nur ihre Unabhängigkeit, indem sie eben nur „Die Braut“, aber nie „Frankensteins Braut“ ist, sondern sie reagiert auch immer wieder drastisch auf Übergriffe durch Männer.
Polarisieren wird dieser wilde Mix aus Liebesgeschichte und Gangsterfilm, der auch vor brutaler Gewaltdarstellung nicht zurückschreckt und mit Plakaten an die Bauhaus-Bewegung und den Dadaismus ebenso erinnert wie mit Zitaten an Schriftsteller wie Herman Melville und Nathaniel Hawthorne. Mag dabei aber auch nicht alles zusammenpassen, so ist Gyllenhaal doch ein ebenso ungewöhnlicher wie mutiger und dadurch aufregender Film gelungen.
Poolbar Feldkirch: Mi 12.8., 21 Uhr (englische Originalfassung)
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