„Künstler ohne :innen“
Richard Bösch, Manfred Egender, Christian Eisenberger, Egon Goldner und Markus Prachensky in der Bregenzer Galerie Gregor K.
Der Bregenzer Galerist und Stadtsiegelträger Gregor Koller stellt in seiner Location „Galerie Gregor K.“ in der Römerstraße 4 (im GWL) in Bregenz in diesem Sommer fünf markante männliche Positionen der österreichischen Kunstszene in den Fokus. Die Gruppenausstellung vereint Werke von Richard Bösch, Manfred Egender, Christian Eisenberger, Egon Goldner und Markus Prachensky.
Die Schau mit dem provokanten Titel „Künstler ohne :innen“ ist Teil des Bregenzer Kultursommers, der sich unter dem Motto „Moment of Impact“ den vielfältigen Wirkungsweisen von Kunst und den unterschiedlichen Momenten widmet, in denen sie Menschen berühren, inspirieren oder zum Nachdenken anregen kann.
Über 45.000 Werke geschaffen
Der 1978 in Semriach bei Graz geborene Konzeptkünstler und Maler Christian Eisenberger ist für seine radikale, oft unkontrollierte und exzessive Arbeitsweise bekannt. Bis heute hat er schätzungsweise über 45.000 Werke geschaffen. Er lässt sich kaum einer einzelnen Kategorie zuordnen, da sein Werk von Streetart und Landart über Malerei bis hin zu Skulptur und Performance reicht. Eisenberger arbeitet viel mit Landart aus Ästen, Tannenzapfen oder Schnee. Er setzt oft seinen eigenen Körper extremen Bedingungen aus, so etwa nackt in gefrorenen Teichen.
Er arbeitet obsessiv in sich wiederholenden Mustern und Serien. Seine Kunst entsteht oft rasant und im ständigen Dialog mit dem Zufall. In der Galerie sind mehrere Fotografien zu sehen, die seine Landartaktionen dokumentieren. Koller präsentiert auch Acrylgemälde, die die obsessive, radikale Arbeitsweise Eisenbergers widerspiegeln und weit mehr sind als klassische Leinwandarbeiten. Um den Gemälden eine unvorhersehbare, neue Struktur zu geben, schüttet der Künstler oft Säure auf seine frisch bemalten Bilder. Die chemische Reaktion frisst sich in die Farbe und dekonstruiert das Motiv. Auch kombiniert der Steirer Acrylfarbe zudem exzessiv mit Fremdmaterialien, was seinen Gemälden eine fast skulpturale, dreidimensionale Textur verleiht.
Eisenberger studierte nach einer Schlosserlehre an der Ortweinschule in Graz und anschließend Transmediale Kunst bei Brigitte Kowanz an der Universität für angewandte Kunst in Wien und wird international von der Galerie Ursula Krinzinger vertreten.
Bildpartituren
Der 1954 in Schnepfau im Bregenzerwald geborene Künstler Manfred Egender bewegt sich mit seinem Schaffen an der Schnittstelle von Zeichnung, Malerei, Grafik und plastischer Form. Er selbst beschreibt seine Bilder oft als „Bildpartituren visualisierter Selbstgespräche“, die sich zwischen Linearität, monochromen Flächen und Signalbegriffen, etwa aus der Wissenschaft, bewegen. Ein markantes Kennzeichen seiner Arbeit ist das kontinuierliche Experimentieren mit außergewöhnlichen Bildträgern und Materialien. Die Verwendung von Gummi, PVC, Industrieplatten und insbesondere Astraglas, einem transparenten Spezialkunststoff, kommt dabei eine tragende Rolle zu. In den neueren Werkserien nutzt er verstärkt Gips als eigenständiges künstlerisches Medium, um fragile und zugleich kraftvolle Oberflächenstrukturen zu erschaffen.
Vibrierende Liniengeflechte
Richard Bösch, Jahrgang 1942, war ursprünglich für einen extrem pastosen, dicken Farbauftrag und sehr dunkle, fast schwermütige Töne bekannt. In den neueren Acryl-auf-Leinwand-Arbeiten bricht er radikal damit. Die Leinwände wirken nun wesentlich lichter, dynamischer und rhythmischer. Anstelle von flächigen Farbmassen setzt Bösch nun auf komplexe Farbsysteme aus unzähligen, feinen Linien, wie die Werkbeispiele in der Galerie Gregor K. eindrücklich untermauern.
Der in Hörbranz lebende und arbeitende Künstler schichtet diese Linien in unzähligen Arbeitsgängen präzise übereinander. Es entstehen dichte, vibrierende Liniengeflechte, die den Blick des Betrachters in die Tiefe ziehen. Aus der Ferne wirken die Werke oft wie einheitlich pulsierende Farbräume. Erst beim Herantreten offenbart sich das Netz aus hunderten Einzellinien, das an organische Strukturen oder feine Gewebe erinnert. Die Werke stehen für eine Balance aus mathematisch anmutender Struktur und emotionaler Poesie. Bösch selbst betont, dass er trotz des komplexen Prozesses einfach nur so „malen möchte, wie Kinder spielen“ – frei, selbstvergessen und vollkommen im Moment.
Malerleben in Rot
Der Innsbrucker Künstler Markus Prachensky (1932–2011) zählt zur Nachkriegsavantgarde und gilt als ein österreichischer Hauptvertreter des Informel und Tachismus. Sein Werk zeichnet sich durch eine hochexpressive Gestik und eine radikale Beschränkung auf das Wesentliche aus, nämlich den vehementen Pinselstrich und die Farbe. Zusammen mit Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Arnulf Rainer gründete er 1956 die legendäre Künstlergruppe rund um die Galerie nächst St. Stephan von Monsignore Otto Mauer. Diese Gruppe formte den abstrakten Aufbruch Österreichs nach 1945 maßgeblich mit.
Die absolute Lebensfarbe von Prachensky war Rot. Er proklamierte, dass für ihn kein Bild ohne Rot möglich sei. Erst in späteren Jahren erweiterte er seine Palette behutsam um Violett, Schwarzbraun, Grün oder Gelb. Seine Bildzyklen benannte er fast immer nach Orten, die er bereiste, beispielsweise „Etruria Meridionale“, „Rechberg“ oder „Puglia“. Beim Malen hörte er intensiv Musik von Klassik bis Jazz, was sich in rhythmisierenden Bildtiteln wie „Swing de Provence“ oder „Korsika Bebop“ widerspiegelte.
Nervöse, dichte Strichüberlagerungen
Der 1945 in Lustenau geborene Zeichner Egon Goldner ist für seine seismografischen und dichten Tusche- und Buntstiftzeichnungen bekannt. Er absolvierte von 1960 bis 1964 eine Lehre als Buchdrucker. Ursprünglich schrieb Goldner Gedichte. Da ihm die Alltagssprache jedoch als zu abgenutzt erschien, um gesellschaftliche Brutalität auszudrücken, begann er 1966 als Autodidakt mit dem Zeichnen. Seine Werke zeichnen sich durch akribische Schraffuren aus, die Strich für Strich „Stimmungslandschaften“ auf das Papier bringen und wie ein visuelles Tagebuch funktionieren. Sein Stil variiert von fließenden, topografisch anmutenden Linien bis hin zu nervösen, dichten Überlagerungen. In seinen Zeichnungen verarbeitet der heute in Wien lebende Künstler oft das aktuelle Zeitgeschehen und verbindet gesellschaftspolitische Themen mit persönlichen Aspekten.
Künstler ohne :innen
Bis 31.8.
Keine festen Öffnungszeiten
Für Besuche und Führungen: +43 680 2464641
Galerie Gregor K., Römerstraße 4, Bregenz