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Peter Füssl · 18. Jun 2024 · CD-Tipp

Markus Stockhausen Group: „Celebration“

Bunt wie das Cover ist auch der Sound der auf zwei CDs verteilten 18 Songs, von denen die Hälfte aus der Feder des Bandleaders Markus Stockhausen stammt, der auf Trompete und Flügelhorn sowohl in der zeitgenössischen Musik, wie in der Klassik und im Jazz zu den gefragtesten Solisten zählt. Mit seiner Group – bestehend aus Jeroen van Vliet (Piano, Synthesizer), Jörg Brinkmann (Cello) und Christian Thomé (Drums) – hat er zuletzt vor drei Jahren das Dreier-Album „Tales“ herausgebracht, und nun ist ihm zum Feiern zumute. Nicht trotz, sondern gerade wegen der vielen Herausforderungen unserer Zeit: „Unbedingt mit Musik. Das ist unser bescheidener Beitrag zur Versöhnung in der Welt“, schreibt Stockhausen im Booklet.

Die Band ist bestens aufeinander eingespielt, aber ausgesuchte Gäste, die sich auf exzellente Weise mit Stockhausens klarem und hellem Sound auf der Trompete vereinen und duellieren, schrauben die Spirale der Vergnüglichkeit zusätzlich nochmals ein paar Runden höher. Da wäre zuerst einmal der vietnamesisch-stämmige Franzose Nguyên Lê zu nennen, den Stockhausen vor 25 Jahren in der Band des tunesischen Sängers und Oud-Virtuosen Dhafer Youssef kennengelernt hatte. Nguyên steuert seine unverwechselbaren, singenden, asiatisch angehauchten Fusion-Läufe auf vier Titeln bei, denen jeweils auch der polnische Drummer und Tablaspieler Bodek Janke zusätzlichen Drive verleiht. „Hallelujah“, „Savanne“, „Dancing on Clouds“ und „Nguyên“ hinterlassen als ungemein farbenfrohe, klangmalerische und abwechslungsreiche Soundexpeditionen großen Eindruck. Ebenfalls als äußerst virtuos und einfallsreich erweist sich der polnische Geiger Mateusz Smoczyński, der – etwa beim mitreißenden Opener „Revolution“ – Dramatisches beisteuert und sein Instrument glühen lässt, aber auch in der Duo-Improvisation „Ahnung“ mit Stockhausen überzeugt. Für grandiose, vokale Highlights sorgen die ukrainisch-deutsche Sängerin Tamara Lukasheva mit ihrer geschmeidigen, wandelbaren Stimme und der ausdrucksstarke, aus dem Libanon stammende Rabih Lahoud. Besonders reizvoll ist es auch, wenn die beiden Cellisten Jörg Brinkmann und Levan Andria aufeinandertreffen. Die Kompositionen sind ungemein vielschichtig und abwechslungsreich, gehen leicht ins Ohr und bieten mit einer Länge zwischen sieben und elf Minuten den exzellenten Musikern viel Raum zur improvisatorischen Entfaltung. In Summe ein musikalisches Feuerwerk mit rund 140 Minuten Länge, von denen man keine missen möchte. Ein wahres Freudenfest!

(o-tone music/edel) 

Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR Juni 2024 erschienen.