Prinz Grizzley legt mit "Dear Leftovers" sein drittes Album vor. © PiaPiaPia
Silvia Thurner · 17. Jun 2024 · Musik

Emotionale Welten der romantischen Liedkunst emphatisch ausgeleuchtet

Fatma Said, Sabine Meyer und Malcolm Martineau gaben ein hinreißendes Kammerkonzert

Zum vierten Mal gastierte die Sopranistin Fatma Said bei der Schubertiade und begeisterte im Angelika Kauffmann Saal in Schwarzenberg die Zuhörenden. Die erlesene Werkauswahl stellte Lieder in der Besetzung für Sopran, Klarinette und Klavier in den Mittelpunkt. An der Seite von Fatma Said musizierte die Klarinettistin Sabine Meyer, den Klavierpart gestaltete Malcolm Martineau. Dass sich alle drei ausgezeichnet verstanden und wunderbar aufeinander abgestimmt musizierten, übertrug den Funken der Begeisterung rasch auf das Publikum.

Fatma Said, Sabine Meyer und Malcolm Martineau machten spannende Vergleiche mit sehr bekannten Schumannvertonungen und den heutzutage fast oder ganz vergessenen Werken der Komponisten Franz Lachner und Friedrich Wilhelm von Kücken möglich. Das Gedicht „Seit ich ihn gesehen“ von Adelbert von Chamisso kennen Liederfans in der Vertonung von Robert Schumann, der es im Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“ verewigte. Dass aber auch Franz Lachner genau diesen Text vertont hat, ist weniger bekannt. Ebenso wurde das Gedicht von Friedrich Rückert „Der Himmel hat eine Träne geweint“ öfter vertont. Während Lachner und Kücken in den Klavier- und Klarinettenpart zahlreiche Illustrationen einflochten, verinnerlichte Schumann den emotionalen Ausdrucksgehalt der Texte. Genau diese Aspekte betonte Fatma Said mit ihrer wunderbar timbrierten Stimme. Sie gestaltete intensiv, mit einem unvergleichlichen Legato und passte sich hervorragend an den Klang der exzellent musizierenden Sabine Meyer an. Dabei nahm die Klarinettenstimme eine vielsagende Mittlerrolle ein. Sie fügte sich kongenial zur rechten Hand der Klavierstimme, wurde mit illustrierendem Eigenleben erfüllt und trat als Gesangspartnerin auf.
Dass sich Sabine Meyer und Fatma Said viel zu sagen haben, machte das Zusammenwirken der beiden Frauen authentisch und intensiv. Malcolm Martineau am Klavier spielte seinen Part humorvoll und in einem sehr wachen Austausch mit der Sopranistin und der Klarinettistin. So wurden auch die vier Lieder „Zwiegesang, Sehnsucht, Wach auf“ und das „Wiegenlied in drei Tönen“, op. 103 von Louis Spohr sensibel und mit nuancierten Klangfarbenspielen in Szene gesetzt.
In „Meine Rose“, op. 90/2 und „Widmung“, op. 25/1 von Robert Schumann kam eine weitere Facette der großen Interpretationskunst von Fatma Said zur Geltung. Die Art, wie sie sich im Piano zurücknahm und genau damit die Intensität des Ausdrucks steigerte, verlieh ihren Lieddeutungen eine sinnliche Note.
Fatma Said ist auch im Opernfach erfolgreich. Dies zeigte sich in den fein ausstaffierten Koloraturen der Mozart-Arie „Chi sa, chi sa, qual sia“ (KV 582) von W.A. Mozart, die in der Bearbeitung für Sopran und Klavier zu hören war. Das Andante aus der Klarinettensonate in Es-Dur von F. Mendelssohn Bartholdy sowie die Arie „Ah! spiegarti, oh Dio“ (KV 178) „sang“ Sabine Meyer auf ihrer Klarinette und ergänzte im Zusammenspiel mit dem Pianisten Malcolm Matineau die Werkauswahl gut.
Zum Schluss „adelte“ Schuberts berühmter „Hirt auf dem Felsen“ (D 965) das Kammerkonzert. Bewundernswert fein- und tiefsinnig kristallisierten Fatma Said, Sabine Meyer und Malcolm Martineau die unterschiedlichen Stimmungen, Emotionen und Landschaftsschilderungen heraus und öffneten damit eine ganze Welt – die romantische Liedkunst bringt dies immer wieder aufs Neue zustande.

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