Jazz&-Doppelkonzert mit Martin Eberle/Martin Ptak und Martin Listabarth am Spielboden (Foto: Stefan Hauer)
Ingrid Bertel · 08. Feb 2017 · Literatur

Nudelsuppe mit Knackwurst: Die Suppégasse hat Christian Futscher zu einem literarischen Exkurs über Suppen animiert

Wie beginnen, wenn man keinesfalls die Absicht hat, als Gastrokritiker zu enden? Vielleicht mit einem Satz aus der „Ahnfrau“ von Franz Grillparzer, überlegt Christian Futscher. An einer kroatischen Küste aber fällt ihm noch Prickelnderes ein: „Das Meer ist auch nichts anderes als eine Fischsuppe, eine stark versalzene.“ Ein unheimlich starker erster Satz, obwohl er aus keinem Drama von Grillparzer stammt, auch nicht aus „Des Meeres und der Liebe Wellen“.

„In dem Buch ‚Magische Suppen‘ schreibt Grillparzer: „Suppen sind alles andere als  langweilig. Es gibt kein Lebensmittel, das nicht in die Suppe passt.“ – Grillparzer Marion, nicht Franz.“
Welches Lebensmittel in die Suppe passt, demonstriert das Coverbild: Da liegt ein Schübling in der Nudelsuppe. Ein Schelm, wer dabei an Erotika denkt. Und Christian Futscher ist ein Schelm. Er fantasiert ein bisschen über die Lebenserinnerungen der „Wiener Dirne“ Josefine Mutzenbacher, die er auch einmal lesen will. „In der Suppe finde ich ein Haar, das so schön ist, dass ich es mir in die Unterhose gebe. Dort soll es seine Zauberkraft entfalten.“
„Souperbe“ oder „Souprême“ konnte man eine Suppenküche nennen, wenn man über den in Gastrokreisen üblichen Humor verfügt. Futscher aber, der keinem Kalauer abgeneigt ist, fühlt sich dennoch heimischer beim surrealistischen Lyriker Soupault.

„Schief ahoi!“

Lachen ist gesund, so gesund wie Suppen. Das weiß, seit jeher, alle Welt. Kaiser Josef II. aber rührte sein Hofarzt eine dermaßen überzeugende Suppe an, dass Majestät von „unicum“ sprachen. Zwack hieß der Hofarzt treffend Dr. Zwack. Und Christian Futscher hat einen schönen Namen mehr in seiner Sammlung schöner Namen. Den schönsten überhaupt trägt Franz von Suppé . „…sein bürgerlicher Name lautete: Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppé-Demelli. – Das  muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!“ Da kann keine Suppe der Welt mithalten, nicht „unicum“ und nicht einmal die Karotten-Ingwer-Suppe, die dem Erzähler von seiner lieben Rosamunde zubereitet wird.
Mithalten kann allenfalls ein Fußballer. In dessen Zunft sind die schönen Namen ja verbreitet: Zinedine Zidane, Paul Pogba, Lionel Messi, Arnór Ingvi Traustason. Fußball ist sowieso Futschers Leidenschaft, auch wenn er dabei leiden muss wie im Sommer 2016 während der EM. Sie bescherte ihm allerdings eine glänzende Anekdote: „30.000 enttäuschte Fans schleichen mit gesenkten Köpfen im Rieselregen vom Stadion nach dem Match Österreich gegen Island in Richtung Bahnhof in Paris. Einer bäumt sich auf, erhebt seine Stimme und ruft: „Hauptsoch is, mia san kane Piefke!“ Plötzlich kommt Leben in die Menge, wie nach der Suppe beim Leichenschmaus, à la „die zweite Hälfte woa eh ned so schlecht“, und wohlgelaunte, feiernde Fans treten die Heimreise an.“

Grillen mit Grillparzer

Wer je ein Buch von Christian Futscher gelesen hat, kennt seine Freude an einer perfekten – und deshalb gerne kolportierten - Formulierung seiner Dichterkollegin Sabine Gruber. Die Formulierung lautet „in die Suppe brummen“. Das beherzigt Christian Futscher und richtet nebstbei nicht nur den AutorInnen, die er leidenschaftlich gerne zitiert und exzerpiert, schöne Grüße aus, sondern auch Anna und Olga und den Fußball-Kumpels.
Wie Futscher durch die Assoziationen mäandriert, ist immer wieder ein Vergnügen. Wie er seine Kultiviertheit kunstvoll hinter Packerlsuppen verbirgt, auch. Futscher weckt gleichermaßen die Fantasie und die Lebenslust, und deshalb kann man sich in dieses „Schundheft“ ansatzlos verlieben. „Und aus, sonst rede ich mich noch in die Bouillon, ich meine natürlich Bredouille!“


Christian Futscher, Suppen, Schundheft No. 13, unartproduktion Dornbirn, www.unartproduktion.at