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02.05.2019 |  Annette Raschner

Feldkircher Literaturtage 2019: „Heimat denken“ - „Eine unaufgeregte Debatte tut Not!“

Die diesjährigen Feldkircher Literaturtage stehen unter dem Motto „Heimat denken“. Sie finden vom 9. bis 11. Mai im Theater am Saumarkt statt und beinhalten Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen und ein umfangreiches Begleitprogramm. Für die Inhalte zeichnet stets die Literaturgruppe des Saumarkt verantwortlich; maßgeblich ist es Marie-Rose Rodewald-Cerha. „Wir wollen bei den Feldkircher Literaturtagen auf gesellschaftspolitische Entwicklungen reagieren und Themen aufgreifen, die Aktualität besitzen. Mit dem Heimatbegriff befassen sich zurzeit auffallend viele AutorInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen. Die diesjährigen Feldkircher Literaturtage sollen ein Versuch sein, den vielbelasteten Heimatbegriff zu demontieren, aus verschiedenen Blickwinkeln zu beschreiben und neu zu deuten“, erklärt sie.

Verschiedene Generationen kommen zu Wort

Braucht der Mensch überhaupt eine Heimat? Wann und wo verorten wir Heimat? Ist Heimat eine Utopie? Das sind Fragen, denen AutorInnen, eine Literaturwissenschaftlerin und ein Kulturwissenschaftler auf den Grund gehen werden.
Zum Auftakt wird die österreichische Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl unter dem Titel „Der Heimatdichter und das Unheimliche“ einen Vortrag über Peter Rosegger und Theodor Kramer halten. Im Anschluss daran liest Petra Piuk aus ihrem Roman „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“. Die aus dem Burgenland stammende Autorin entwirft darin eine provinzielle Antiidylle und führt den Heimatroman ad absurdum.
Einen Höhepunkt der Feldkircher Literaturtage bildet die Lesung von Felix Mitterer aus seiner Autobiografie „Mein Lebenslauf“, die im vergangenen Jahr anlässlich seines 70. Geburtstags erschienen ist. Mitterer bezeichnet sich selbst als Volksautor und Heimatdichter, im Zentrum seiner Werke stehen häufig Außenseiter und Ausgegrenzte.
Marie-Rose Rodewald-Cerha über das Programm: „Wir wollen an allen Abenden VertreterInnen verschiedener Generationen zu Wort kommen lassen. Etablierte, aber auch neue, frische Stimmen wie jene von Petra Piuk oder von Theodora Bauer, die wieder ganz anders, viel unverblümter, mit dem Thema Heimat umgehen. In meiner Jugend zum Beispiel, in den 1960er und 70er Jahren, da sprach niemand über Heimat. Das war ein absolutes Tabu! Und jetzt ist das Wort, von dem man nicht einmal genau weiß, was es bedeutet und unter dem jede und jeder etwas anderes versteht, plötzlich wieder da.“

Wir alle brauchen eine „Heimat“

Der Begriff Heimat löst verschiedene Emotionen aus. Spannung verspricht der Abend mit Ijoma Mangold. Der bekannte Literaturkritiker erinnert sich in seinem Buch „Das deutsche Krokodil“ an seine Kindheits- und Jugendjahre. Wie wuchs man als „Mischlingskind“ und „Mulatte“ in der Bundesrepublik auf?
„Die Psychologie spricht davon, dass wir alle eine Heimat oder sagen wir vielleicht einen Sehnsuchtsort brauchen. Interessanterweise ist das Wort Heimat noch gar nicht so alt. Laut Reinhard Johler hat es sich erst vor 300 Jahren in der Schweiz herausgebildet. Aber egal welche Begrifflichkeit wir verwenden, die Suche nach einem Ort, mit dem wir uns verwurzelt und an dem wir uns aufgehoben fühlen, ist im Menschen angelegt“, erläutert Marie-Rose Rodewald-Cerha.
Vor der bereits traditionellen, die Literaturtage abschließenden Podiumsdiskussion wird schließlich der aus Alberschwende stammende Ethnologe und Sozialanthropologe Reinhard Johler einen Impulsvortrag mit Überlegungen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Heimat halten.
Das Begleitprogramm sieht eine Ausstellung (Nadine Hirschauer), einen literarischen Salon und eine Kunstaktion (Pao Kitsch) samt Lesungen mit AutorInnen von Literatur Vorarlberg vor.

Feldkircher Literaturtage, 9. bis 11. Mai, Theater am Saumarkt

Do, 9.5., 20.15 Uhr:
Daniela Strigl, „Der Heimatdichter und das Unheimliche. Zu Peter Rosegger und Theodor Kramer“, Vortrag
Petra Piuk, „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“, Lesung


Fr, 10.5., 20.15 Uhr:
Felix Mitterer, „Mein Lebenslauf“, Lesung
Theodora Bauer, „Chikago“, Lesung


Sa, 11.5., 19.30 Uhr
Ijoma Mangold, „Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte“, Lesung
Reinhard Johler, „Heimat-Haben. Einige Überlegungen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Heimat“, Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion

www.saumarkt.at

Marie-Rose Rodewald-Cerha zeichnet mit der Literaturgruppe des Theaters am Saumarkt für das Programm der Feldkircher Literaturtage verantwortlich

Marie-Rose Rodewald-Cerha zeichnet mit der Literaturgruppe des Theaters am Saumarkt für das Programm der Feldkircher Literaturtage verantwortlich

Petra Piuk entwirft eine provinzielle Antiidylle und führt den Heimatroman ad absurdum (©www.detailsinn.at)

Petra Piuk entwirft eine provinzielle Antiidylle und führt den Heimatroman ad absurdum (©www.detailsinn.at)

Felix Mitterer liest am 10. Mai aus „Mein Lebenslauf“

Felix Mitterer liest am 10. Mai aus „Mein Lebenslauf“

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  • Marie-Rose Rodewald-Cerha zeichnet mit der Literaturgruppe des Theaters am Saumarkt für das Programm der Feldkircher Literaturtage verantwortlich Marie-Rose Rodewald-Cerha zeichnet mit der Literaturgruppe des Theaters am Saumarkt für das Programm der Feldkircher Literaturtage verantwortlich
  • Petra Piuk entwirft eine provinzielle Antiidylle und führt den Heimatroman ad absurdum (©www.detailsinn.at) Petra Piuk entwirft eine provinzielle Antiidylle und führt den Heimatroman ad absurdum (©www.detailsinn.at)
  • Felix Mitterer liest am 10. Mai aus „Mein Lebenslauf“ Felix Mitterer liest am 10. Mai aus „Mein Lebenslauf“