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16.09.2020 |  Peter Niedermair

#feldkirchenjoyce – Projekt. James Joyce „Die Katzen von Kopenhagen“ in Feldkirch

Literatur Vorarlberg & literatur:vorarlberg netzwerk eröffnen heute am 16. Sept. 2020 ihr Projekt zur Bespielung der James Joyce Passage in Feldkirch durch insgesamt drei literarische Interventionen, die ab jetzt über ein ganzes Jahr verteilt stattfinden. Joyce ist in der Literaturstadt Feldkirch seit langem bestens bekannt, vor allem dank Philipp Schöbi. Er hat in „Das literarische Feldkirch“ 2018 aus Anlass der Stadtgründung vor 800 Jahren in einem Band der achtbändigen Geschichte der Stadt Feldkirch in einem umfangreichen und einmaligen Standardwerk zu Literatur und Feldkirch präsentiert. James Joyce hat 1932 über mehrere Wochen im Hotel Löwen in Feldkirch gewohnt. Neben „Dubliners“, eine Sammlung von Kurzgeschichten, und „Ulysses“, der wohl bekannteste Roman von Joyce, ist „Finnegans Wake“ jenes Werk, an dem er auch in Feldkirch gearbeitet hatte. Hier kommt auch der Name der Stadt vor. Im aktuellen Literaturprojekt von Literatur Vorarlberg jedoch spielt ein anderer Text die Hauptrolle, „Die Katzen von Kopenhagen“.

Dabei handelt es sich um einen Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen J. Joyce vom 5. September 1936 aus Kopenhagen. Stephen war damals gerade einmal 4 ½ Jahre alt. 2012 wurde der Brief, der der James Joyce Stiftung in Zürich gehört, von Simon & Schuster als „The Cats of Copenhagen“, illustriert von Casey Sorrow, herausgegeben. Die deutschsprachige Version erschien 2013 bei Hanser in München, übersetzt von Harry Rowohlt, illustriert von Wolf Erlbruch.
Intention der Veranstalter in Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Feldkirch ist es, durch die Bespielung der James Joyce Passage in Feldkirch, abseits üblicher „Joyce-Reflexe“, ungewöhnliche wie innovativ spielerische Zugänge für ein „breites Spektrum der Feldkircher Bevölkerung“ zu schaffen, wobei die Passage den entscheidenden Ausgangsimpuls gibt … zu James Joyce - als Onkel, Ire und Sprachkünstler. Die Bespielung konzentriert sich in der James Joyce Passage auf das Fenster über dem Treppenaufgang sowie auf zwei der seitlichen Schaukästen der Hypo Bank Vorarlberg. Dabei sollen Fenster und Schaukästen in Ergänzung zueinander stehen. Aktuell sind drei literarische Interventionen pro Jahr vorgesehen, die heute von Frauke Kühn, Anika Reichwald und Erika Kronabitter vorgestellt werden.

Die Katzen von Feldkirch

Literarische Referenz sind die Katzen von Kopenhagen. Zur Zeit von James Joyce waren mit Süßigkeiten gefüllte Katzen in Irland ein beliebtes Geschenk. Als er das Geschenk aus Kopenhagen nicht mitbringen konnte, schrieb er einen fantastischen Brief an seinen viereinhalbjährigen Enkel. Darin behauptet er, in Dänemark gebe es keine einzige Katze, dafür aber Fische, Fahrräder und freundliche Polizisten. Die lägen den ganzen Tag im Bett, rauchten Zigarren und tränken Buttermilch. Ich kenne nur Kinder, die dieses Buch über alles mögen. Der Autor Günter Vallaster entwirft eine literarisch-grafische Bespielung des Fensters zu Die Katzen von Kopenhagen.
Parallel dazu werden die Kinder in der Stadt dazu animiert, kleine Katzenmotive in Feldkirch aufzuspüren, die zuvor mit Kreidefarbe auf Hausfassaden gesprüht wurden und die kleine Szenen zeigen und zum Erzählen eigener Geschichten animieren. Dabei werden die Kinder vor allen Dingen an Orte in Feldkirch geführt, die in Verbindung zu Joyce (Hotel Löwen, Bahnhof …) und zur Literatur (Palais Liechtenstein, Bibliotheken, Buchhandlungen, Theater am Saumarkt) stehen. Weiters wird es Kooperationen mit dem Theater am Saumarkt geben, das eine Kinderbuchlesung zu Joyce und seinem Kinderbuch geplant hat; kommuniziert wird das Suchen der Katzen für ein Storytelling unter dem Titel #feldkirchenjoyce, u. a. auch mit den Bäckereien Schertler und Schnell, die Rosinensemmeln in Form von Katzen verkaufen.

Der Schaukasten

Es wird einen Schaukasten geben, in dem der in Wien lebende Vorarlberger Autor Günter Vallaster ein kleines Making Of der Entstehung der aktuellen Fensterbespielung durch den Autor zeigt. Der Schaukasten konzentriert sich zudem auf die Vorstellung des Kinderbuches Katzen von Kopenhagen. Das Schaufenster wird im Rahmen eines Vermittlungsprojektes in Zusammenarbeit im Rahmen eines zweiteiligen Workshops der Jungen Szene der Literatur Vorarlberg unter der Leitung von Günter Vallaster eingerichtet. Die beiden Workshops fanden am Montag und Dienstag dieser Woche statt. Die jungen AutorInnen, zwischen 20 und 25 Jahre, haben sich intensiv mit dem Kinderbuch auseinandergesetzt, auch mit der Übertragung von Ideen aus dem Werk von James Joyce und seine Zeit in Feldkirch. Günter Vallaster meinte gegenüber KULTUR: „Man konnte die teilnehmenden AutorInnen mit dem Ulysses abholen“, und verwies auf die besonders kreative Atmosphäre; unter anderem wurde ein Brief als Antwort an Opa James geschrieben. All das gibt es bei der Eröffnung am 16.9.2020 um 16 Uhr in der Hypo-Fußgängerpassage zu erleben und zu sehen, auch die Türe an der Fassade und ein künstlerisch von Günter Vallaster interessant gestaltetes Fenster.

Im Oktoberheft 2020 der Kulturzeitschrift wird das Feldkircher James-Joyce-Literaturprojekt näher vorgestellt.

Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen J. Joyce vom 5. September 1936 aus Kopenhagen (Stephen wir da 4 1/2 Jahre alt); © Zürcher James Joyce Stiftung, Hans E. Jahnke Nachlass

Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen J. Joyce vom 5. September 1936 aus Kopenhagen (Stephen wir da 4 1/2 Jahre alt); © Zürcher James Joyce Stiftung, Hans E. Jahnke Nachlass

James Joyce Fassade, Installation © Frauke Kühn

James Joyce Fassade, Installation © Frauke Kühn

Das von Günter Vallaster gestaltete Schaufenster © Frauke Kühn

Das von Günter Vallaster gestaltete Schaufenster © Frauke Kühn

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Bilder
  • Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen J. Joyce vom 5. September 1936 aus Kopenhagen (Stephen wir da 4 1/2 Jahre alt); © Zürcher James Joyce Stiftung, Hans E. Jahnke Nachlass Brief von James Joyce an seinen Enkel Stephen J. Joyce vom 5. September 1936 aus Kopenhagen (Stephen wir da 4 1/2 Jahre alt); © Zürcher James Joyce Stiftung, Hans E. Jahnke Nachlass
  • James Joyce Fassade, Installation © Frauke Kühn James Joyce Fassade, Installation © Frauke Kühn
  • Das von Günter Vallaster gestaltete Schaufenster © Frauke Kühn Das von Günter Vallaster gestaltete Schaufenster © Frauke Kühn