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05.12.2019 |  Kurt Bereuter

Buchneuerscheinung: Die Bregenzerwaldbahn – Gestern und Heute

Wenn man auf dem Cover des Buches den Titel in Bildform ablesen möchte, müsste man meinen, da, wo einst die Bregenzerwaldbahn war, ist jetzt nur mehr ein Kiesweg vorhanden, der an eine alte Straße erinnert, die wohl keine große Bedeutung (mehr) hat. Aber tatsächlich gibt es ja noch einen Rest der ursprünglichen Bregenzerwaldbahn, dem Wälderbähnle, wie es bei uns immer liebevoll genannt wurde. Vom Bahnhof Schwarzenberg bis zum Bahnhof Bezau, und die Nikolausfahrten sind nicht nur zur Tradition geworden, sondern auch zu einem besonderen Ereignis für Jung und Alt.

Das Buch beginnt mit einem nicht untertitelten, großformatigen Bild des alten Bahnhofes in Bregenz, wo die Bregenzerwaldbahn einst begann und ihren kleinen Platz einnahm. Das dritte Foto ist ein Postkartenbild des Bahnhofes in Egg mit dem Jubiläumszug zur Eröffnung der Bahn im Jahre 1902 und ist im Gegensatz zum ersten Bild geradezu idyllisch. Geendet hatte die Bregenzerwaldbahn schon damals in Bezau, und die Streckenlänge durch das Achtal betrug gute 35 Kilometer. Einer Verlängerung der Bahn bis nach Schoppernau kam der Erste Weltkrieg dazwischen und im Jahre 1980 führten heftige Regenfälle an drei Stellen zu derart massiven Zerstörungen, dass die Bahn eingestellt wurde. Ein geologisches Gutachten der ÖBB legte eine weitere Sanierung aus Sicherheitsgründen ad acta und im Jänner 1985 wurde im Amtsblatt die definitive Einstellung der Bahn verlautbart. Ein im selben Jahr gegründeter Museumsverein machte schon zwei Jahre später wieder eine kleine Garnitur fahrbereit und drei Jahre später gab es wieder planmäßige Fahrten zwischen Bezau und Bersbuch. Selbst die 1999 beim Jahrhunderthochwasser eingestürzte Sporeneggbrücke wurde wieder aufgebaut und im Mai wieder befahren und ein aktiver Museumsverein kümmert sich um die Streckenerhaltung und die ständige Erweiterung des „rollenden Materials“, wie es in der Einleitung heißt. Gegen Ende des Buches findet sich auf zwei Seiten eine Chronik der Bregenzerwaldbahn und der Museumsbahn. Auch das letzte Bild des Buches ist großformatig auf zwei Seiten und zeigt wohl einen Streckenabschnitt in Bregenz-Vorkloster und was im Laufe der Zeit daraus geworden ist: ungepflegtes Ödland mit einer alten Werkstätte, wo wir einst als Kinder aus den Waggonfenstern die Wohnung der Tante hoffnungsvoll zu erblicken trachteten und uns voller Vorfreude auf den berühmten Eissalon Greiter freuten.

Eine Geschichte in Bildern

Der Nullpunkt der Bregenzerwaldbahn war der Prellbock am Ende der 760-mm-Schmalspur-Gleisanlage des Wälderbähnles beim alten Bahnhof in Bregenz, der 1989 abgerissen wurde. Dort, wo sich einst der Prellbock befand, ist auf dem zweiten Bild aus der Jetztzeit ein Rollerfahrer an der roten Ampel wegen dieser zum Halten gezwungen. Der neue Bahnhof wurde ja weiter nach Westen versetzt und in wenigen Jahren soll auch dieser wieder Geschichte sein.
Alles in allem ist das Buch eine Fotosammlung mit Bilderklärungen und dürfte wohl vor allem jenen gefallen, die diese Bahn noch selber erlebt haben und Zuggäste waren. Dann mag auch die eine oder andere Erinnerung auftauchen und noch viel spannender ist es sicher, sich auf den Weg zu machen. Auf den Weg der Wälderbahntrasse und dort nach historischen Zeugen dieses damals (wage)mutigen Projektes zu suchen und sie auch zu finden. Wenn schon am Schluss die Idee der neuen Wälderbahn als Seilbahn aufgegriffen wird, wäre es auch passend gewesen, die politischen und technischen Überlegungen und Auseinandersetzungen der Planungsphase miteinzubeziehen. Dass das Achtal alles andere als festen Boden für so ein Projekt darstellte, wusste man schon damals. Und heute ist das sogar für den Radweg eine permanente Herausforderung. Ist doch behördlicherseits der Weg im Winter gesperrt und muss während der Sommersaison regelmäßig auf Steinschlag und Rutschungen kontrolliert werden und diese kommen gar nicht so selten vor. Und nach wie vor geistert in manchem Kopf noch der durchgängige Radweg bis nach Bregenz herum. Dieser ist aber nicht nur technisch sehr aufwändig und entsprechend teuer zu gestalten, sondern auch rechtlich wegen dem Natura2000-Schutz untersagt. Wer aber noch gut zu Fuß ist, für den ist gerade dieser Teil des Weges eine wahre historische Wanderung mit einigen sehr gut gemachten Begleittexten am Rande des Weges. Gerade für den Wanderer auf dieser Strecke, dem heutigen Achtal-Radweg und vor allem dem Weg von Doren nach Kennelbach, ist das Buch eine nette Begleitlektüre, lassen sich doch das Heute in natura und das Gestern in Bildern gut zur Deckung bringen und bringt dann auch manche Entdeckung mit sich, die sich dem Unkundigen sonst nicht erschließen würde. Und für Freunde der Eisenbahngeschichte ist es eine spannende Bildergeschichte, die sich einem in Form der ehemaligen Bregenzerwaldbahn erschließt. 

Eine Seilbahn als „Neue Wälderbahn“

Auf zwei Seiten widmet sich das Buch auch der Idee für eine neue Bahn, allerdings mit anderem Ausgangspunkt und anderem Endpunkt und in anderer Technik. Nicht mehr schienengebunden, sondern am Seil hängend. Gerade in diesem Zusammenhang wäre es interessant, die Planungsgeschichte und die politischen Überlegungen der Streckenführung für die Bregenzerwaldbahn zu kennen. Nachzulesen in den Bregenzerwald-Heften 2001 und 2002 von Lothar Beer. Wenn man bedenkt, dass große Ortschaften wie Alberschwende, genauso wie Buch, oder die Vorderwälder Gemeinden oder Schwarzenberg weit entfernt von den Bahnhöfen der Bregenzerwaldbahn lagen, ist laut Verkehrsplanern bei öffentlichen Verkehrsmitteln der erste und der letzte Kilometer der Reise (in dem Fall in Bersbuch) entscheidend und darf auf keinen Fall die großen Gemeinden von Alberschwende über Egg bis Andelsbuch links liegen lassen. Schon 1890 wollten die zwei großen Textilfirmen Dornbirns, F.M. Hämmerle und Herburger & Rhomberg, eine Dampftramway von Höchst über Lustenau und Dornbirn nach Alberschwende errichten, um den Bregenzerwald wirtschaftlich an Dornbirn statt an Bregenz zu binden. Dass eine Seilbahn von Dornbirn über das Hochälpele nach Bersbuch Sinn machen würde, erschließt sich weder mir noch dem Landeshauptmann. Da ist es doch reizender, in der Geschichte der Bregenzerwaldbahn zu schwelgen und aus dieser zu lernen.

Norbert Fink und Peter Balmer, Die Bregenzerwaldbahn. Gestern und Heute. Sutton Verlag, Erfurt 2019, mit ca. 110 Abbildungen, gebunden, ISBN 978-3-96303-148-9, ca. 20 Euro
Buchpräsentation: 6.12., 11 Uhr, Metro Kino Bregenz; mit anschl. Überraschungsfilm

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