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05.11.2019 |  Raffaela Rudigier

„Außer Haus“ – ein Roman aus dem Montafon von Sabine Grohs

Es gibt nicht viele Romane aus und über das Montafon und wenn, dann sind sie alt, wie etwa jene von Richard Beitl oder jene oft zitierten Erinnerungen und Geschichten von Ernest Hemingway. Seither scheint das Tal seine schriftstellerische Anziehungskraft eingebüßt zu haben. Die vielen spannenden, tragischen und einschneidenden Geschichten und Ereignisse, die sich hier schon zugetragen haben, spiegeln sich kaum in modernen Romanen wieder. Dabei gäbe es eigentlich doch viel zu erzählen: Von Schwabenkindern und Schmugglern, von armen Bergbauern, über wandernde Stuckateure bis hin zu reichen Auswanderern, der Jahrhundert-Flut, zerstörerischen Kriegswirren, den Anfängen des Winter-Tourismus und zahlreichen Montafoner Eigenarten und Bräuchen könnte man berichten. Genau das tut nun die Bludenzerin Sabine Grohs in ihrem Erstlingswerk „Außer Haus“.

Ausgangspunkt für den neuen Heimatroman ist ein altes Großbürgerhaus im Wienerwald, welches wegen seiner deutlich erkennbaren Montafoner Bauelemente einer jungen Frau ins Auge sticht und sie zu privaten Nachforschungen inspiriert. Sabine Grohs erzählt die Geschichte des Tales als Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen hinweg erstreckt. Da gibt es beispielsweise die Geschichte von Otto Burger aus St. Gallenkirch. Das einstige Schwabenkind kommt als Stuckateur in Frankreich zu einem ansehnlichen Vermögen. Damit baut er in Schruns eine beispiellos moderne Villa – eines der ersten Häuser im Tal mit Stromanschluss. Er heiratet die schöne Schrunserin Amrei Widerin und bekommt drei Kinder mit ihr. Das Schicksal verweht die Protagonisten des Romans nach Wien, Deutschland, Frankreich und Amerika – manche kommen nie wieder zurück.

Geschichtsunterricht inklusive

Über 200 Jahre Geschichte sind in dieser Familiensaga verwoben. Der Roman verknüpft viele lose Enden, historische Ereignisse und private Begebenheiten zu einer stimmigen Erzählung – Geschichtsunterricht inklusive. So erfährt man ganz nebenbei von den Anfängen der Elektrizität im Tal, vom Bau der Montafonerbahn, dem Durchstich des Arlbergtunnels oder vom ersten Skirennen in Tschagguns im Februar 1910.
„Die Teilnehmer trafen sich um acht Uhr früh beim Gasthaus Löwen in Tschagguns. Man rechnete mit einer Aufstiegsdauer von vier Stunden bis zum Golmer Joch. Die Talfahrt sollte um etwa ein Uhr beginnen, und mit der Ankunft der ersten Läufer zurück im Ort wurde zwischen halb zwei und halb drei Uhr nachmittags gerechnet. Stockbenützung sei ausdrücklich gestattet. Die Preisverleihung würde in Schruns, im Hotel Taube stattfinden.“
Bekannte Persönlichkeiten wie Egon Schiele, Adolf Loos oder Otto Wagner streifen das Geschehen. Und viele bekannte Montafoner und Vorarlberger Menschen jener Zeit sind hier anzutreffen: die Schrunser Fotografin Adele Maklott, Ski-Pionier Hannes Schneider, Kunsttischler David Bitschnau, Schriftsteller Richard Beitl und viele andere. Viele Namen und Ereignisse hat man wahrscheinlich schon einmal hier und da gehört, manches ist bekannt, jedoch um viele gut recherchierte und eher unbekannte Details erweitert.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten, die sich im Montafon zugetragen haben, die Handlung rund um die Familien Burger/Widerin ist fiktiv, aber so in etwa könnte es sich zugetragen haben. „Die Wirklichkeit ist eine Möglichkeit von vielen“ lautet passenderweise  der Untertitel des Buches.

Liebeserklärung an die alte Heimat

„Außer Haus“ liest sich wie eine Liebeserklärung an die alte Heimat. Die Autorin erweist sich als genaue Beobachterin und liebevolle Erzählerin. Das Buch ist mit zahlreichen (in Fußnoten übersetzten) Dialektwörtern, Redewendungen, Flurnamen und Montafoner Schauplätzen gespickt. Als Montafonerin „heemalat“ das unwillkürlich, sprich: das erinnert an daheim.
„‚Der Kuschbank‘, sagte Adi immer, nicht ‚die Kuschbank‘. So wie ‚der Semmel‘, ‚der Rodel‘, ‚der Butter‘ und ‚der Radio‘. ‚Der Bank‘ bot ihm Platz zum Sitzen, ‚die Bank‘ war für ihn ein Geldinstitut. So funktioniert Montafonerisch.“
„Außer Haus“ erscheint im Eigenverlag als Book on demand und wurde durch die Hilfe zahlreicher Montafoner Sponsoren ermöglicht. Das Umschlags-Bild stammt vom Montafoner Künstler Roland Haas. Es sei also rund um ein „Montafoner Gesamtkunstwerk“, freut sich die Autorin.

Sabine Grohs, Außer Haus. Die Wirklichkeit ist eine Möglichkeit von vielen, Book on demand, 248 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-9504847-0-0, € 19,99 ODER Taschenbuch, ISBN 978-3-9504847-1-7, € 14,99
Im Buchhandel erhältlich oder online auf: www.grohsformat.com/ausser-haus

Lesungen:
7.11., 19 Uhr, Alpin Sport Zentrum, Schruns
21.11., 19 Uhr, Buchhandlung Tyrolia, Bludenz

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