„Lange Nacht der Museen“ mit durchzogenen Tendenzen
Fast acht Prozent weniger Besucher:innen im Vergleich zum Vorjahr
Die „Lange Nacht der Museen“ verlief am vergangenen Wochende in Vorarlberg recht unterschiedlich. Wurden die großen Häuser wie das Vorarlberg Museum und das KUB gut frequentiert, gingen in Gegenden mit nur wenigen teilnehmenden Einrichtungen die Besucherzahlen zurück. Ein Trend, der sich im übrigen durch ganz Österreich hindurchzog.
Insgesamt lockte die mittlerweile bereits 24. „Lange Nacht der Museen“ über das gesamte österreichische Bundesgebiet und die ebenfalls partizipierenden Nachbarländer verteilt am Samstagabend rund 308.000 Menschen in die rund 660 teilnehmenden Museen, Galerien und Kulturinstitutionen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 40.000 Personen oder 7,7 Prozent. Spitzenreiter unter den Städten und Gemeinden war wie immer Wien, wo rund 151.500 Besuche verzeichnet wurden.
In Vorarlberg und Umgebung waren es gut 18.000 Interessierte, die die Gelegenheit nutzten, um mit nur einem Ticket möglichst vielen der insgesamt 83 Museen und Galerien in Vorarlberg, Liechtenstein, Süddeutschland und der Ostschweiz einen Besuch abzustatten.
Regelrecht überrannt wurde die Mohrenbräu-Biererlebniswelt in Dornbirn, dessen Ausstellungsjuwel, die historische Brauanlage der Satteinser Gasthausbrauerei Schäfle, aus dem 19. Jahrhundert stammt und bis 1917 in Betrieb war. Bereits knapp nach 20 Uhr konnte dieses Museum bereits den 1000. Besucher verbuchen. Bei Gratisbier ist dies nicht verwunderlich. Da können andere Institutionen kaum mithalten.
Dennoch konnten einige in direkter Umgebung liegende Häuser davon profitieren, so etwa das Stadtmuseum, das Flatz Museum, der Kunstraum Dornbirn, die inatura oder das vai Architektur Institut.
ORF-Projektleiterin Sandra Feurstein-Thaler nannte zwar für die einzelnen Häuser keine individuellen Besucherzahlen, dennoch darf man davon ausgehen, dass die großen Häuser in Bregenz, wie etwa das Kunsthaus Bregenz und das vorarlberg museum, traditionell starke Zahlen registrieren konnten. Für die Galerie Lisi Hämmerle hingegen, in der gerade erst am Vorabend zur Langen Nacht eine Ausstellung mit Werken des in Wien lebenden Künstlers Franz Pichler eröffnet wurde, bedeuten die 153 dort notierten Besucher:innen zwar einen Rückgang gegenüber 2023, aber dafür sei das Publikum äußerst kunstaffin gewesen, betont die Galeristin Lisi Hämmerle gegenüber KULTUR. Bei den auch aus Deutschland und der Schweiz angereisten Interessierten hätte es sich nicht etwa um Laufpublikum gehandelt, sondern um Leute, die eigens gekommen seien, um die Skulpturen und Objekte Pichlers in Augenschein nehmen zu können. Es hätten sich dadurch vieversprechende Kontakte ergeben, so die Galeristin.
Während auch in Hohenems und in Bludenz viele Einrichtungen an der Langen Nacht mitwirkten und damit auch Besuchertraffic generierten, sah es in Lustenau und Feldkirch eher düster aus. In Lustenau waren gerade einmal das Dock 20 und die Galerie Villa Marxx (K12 Galerie) in Zentrumsnähe mit dabei. Bei beiden lag die Besucherzahl bei knapp hundert. Künstler Marxx Bosch, der rund 30 Multiple präsentierte, die er in den vergangenen drei Jahren auf dem Computer entworfen und per 3D-Drucker realisiert hat, berichtete von eher dünnen Besucherströmen, die sich gruppenweise in der Galerie einfanden. Immerhin konnte er etliche der Multiples verkaufen und Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer, der auch zur Ausstellung sprach, erwarb darüber hinaus ein Triptychon für das Lustenauer Rathaus. Und als spezielles Goodie verschenkte Marxx Bosch an 40 Besucher ein ebenfalls per 3D-Drucker hergestelltes kleines Auflagenobjekt, das den Pinselstrich Vincent van Goghs skulptural umsetzte.
Über Feldkirch nach Liechtenstein
Ähnlich die Situation in Feldkirch. Nahmen früher das Schattenburg Museum, das Palais Liechtenstein, die Johanniterkirche, die Galerie Sechzig und noch einige weitere Häuser an der Langen Nacht teil, so beschränkte sich dieses Jahr das Geschehen auf die Villa Claudia (Kunstvorarlberg), in der Werke des famosen, aus den Niederlanden stammenden Malers Egmont Hartwig zur Schau gestellt wurden, den Kulturanbieter Saumarkt sowie das Carl Lampert Forum. Da liegt es auf der Hand, dass viele Nachtschwärmer:innen die Montfortstadt links liegen ließen und mit der Busroute direkt ins Liechtenstein übersetzten. Klar sind die 100 Besucher:innen, die die teilnehmenden Feldkircher Einrichtungen jeweils registrieren konnten, eine schöne Zahl, aber früher seien es viel mehr gewesen, moniert Sabine Benzer, die Geschäftsführerin des Saumarktes. Der Saumarkt nutzte im Übrigen die Lange Nacht als Rahmen für die Eröffnung der neuen Ausstellung mit Werken der aus Gurtis stammenden Künstlerin Gabi Jörger. Jörger ist dafür bekannt, ihre künstlerischen Ideen in meist mehrfarbigen, großformatigen Holzschnitten umzusetzen. Die Holzschnitte, für deren Motive die Künstlerin oft Anleihen an der Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt ihrer Umgebung nimmt, sind noch bis Ende Jänner im Saumarkt zu besichtigen.
Publikumsmagnet Arche Noah
Um noch einmal auf Hohenems zurückzukommen. Hier wurde die Arche Noah zum Publikumsmagnet für Interessierte an bildender Kunst. Unter dem Titel „Eisbär mit Farbe“ wurde in der Arche gerade erst am Vorabend zur langen Nacht eine Gruppenausstellung mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Farbmalerei eröffnet, an der viele internationale Größen partizipieren. Werke von beispielsweise Imi Knoebel, Aljoscha, John Nixon, Katharina Grosse, Raimer Jochims, Robert Schaberl oder auch Gerhard Richter wurden im Rahmen der Langen Nacht vielfach bestaunt und diskutiert. Insgesamt sind Werke von vierzig künstlerischen Positionen aus dreizehn Ländern zu sehen, die immer wieder auch in einen Dialog mit dazwischengehängten impressionistischen Bildern aus der Sammlung Hans Bäumler treten.
Der kuratierende Künstler Christoph Dahlhausen, von dem selber auch etliche Werke in der Ausstellung vertreten sind, stellte eine überaus sehenswerte Schau zusammen und hielt während der Langen Nacht zahlreiche Führungen ab, die bei den Leuten besonders gut ankamen, weil er zu jedem Exponat eine besondere Geschichte zu erzählen wusste. Etliche Arbeiten integrierte er auch subtil in die Sammlungsabteilung „Natur“ des Museums, zwischen ausgestopften Tieren und Mineralien, daher auch der spezielle Ausstellungstitel „Eisbär mit Farbe“. Die teils bestechenden Bilder und Objekte sind noch bis 15. März 2025 zu besichtigen.