Barock, Mozart und ein Fagott
Konzert der Stella Sinfonietta unter Benjamin Lack am Sonntagabend im Festsaal der gleichnamigen Musikhochschule in Feldkirch.
Ist es tatsächlich schon wieder ein Jahr her? Auch 2023 eröffnete ein Orchesterkonzert unter der Leitung von Benjamin Lack das neue Studienjahr der Stella Musikhochschule. Nun interpretierte die Stella Sinfonietta erneut Werke aus der Barockzeit und von Wolfgang Amadeus Mozart und wieder stand ein Fagott als Soloinstrument im Fokus des Abends.
Die Stella Sinfonietta ist das Orchester des Pre-Colleges der Stella Hochschule, es handelt sich also um Schüler:innen des Musikgymnasiums Feldkirch, die parallel zur schulischen auch eine musikalische Ausbildung erhalten. Es ist das die seit vielen Jahren bewährte Zusammenarbeit zweier pädagogischer Institute, deren Stellschrauben seit der Umwandlung des Landeskonservatoriums in eine Hochschule allerdings gerade neu justiert werden. Nach den einleitenden Worten von Direktor Dr. Jörg Maria Ortwein besteht aber kein Zweifel daran, dass der Wert der traditionellen Achse Musikschulen – Musikgymnasium – Musikhochschule von allen beteiligten Akteur:innen anerkannt wird und dieses System unbedingt weitergeführt werden muss. Der erstaunlich hohe Output an professionellen Musiker:innen aus dem zweitkleinsten Bundesland Österreichs spricht da eine deutliche Sprache.
Schwierige Klangbalance
Berücksichtigt man das Durchschnittsalter der Stella Sinfonietta – alle Musiker:innen gehen noch in die Schule – bot das Konzert eine ansprechende Leistung, allerdings mit durchaus noch Luft nach oben. Die sehr kleine Streicherbesetzung mit nur fünf Ersten Violinen (aber vier Celli und zwei Kontrabässen) zeigte vor allem nach der Pause bei Mozarts Linzer Symphonie ihre Schwächen. Mozart verteilt seine Themen zwischen Bläsern und eben der Gruppe der Ersten Geigen, mit ihnen steht und fällt jede orchestrale Balance. Bei lediglich fünf Spielerinnen ist es schon aufgrund der akustischen Verhältnisse im Stella-Festsaal schwierig, sich gegen Oboen, Hörner und vor allem zwei Naturtrompeten durchzusetzen.
Souveräne Konzertmeisterin
Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang allerdings die Leistung der Konzertmeisterin Anja Bodlak aus der Klasse Editha Fetz. Locker, entspannt und mit einer ungemein positiven Ausstrahlung führt sie nicht nur ihre eigene Gruppe durch das stilistisch vielseitige Programm. Die junge Geigerin – die übrigens auch hervorragend Saxophon spielt – nimmt bei heiklen Übergängen Augenkontakt zu Kolleginnen auf und vermittelt den Eindruck, als wäre sie seit Jahren als Konzertmeisterin mit dementsprechender Übersicht und Routine tätig. Auf jeden Fall hat sie die Arbeit des Dirigenten Benjamin Lack entscheidend unterstützt und vermutlich auch um einiges erleichtert.
Das Konzert begann mit drei Teilen aus der Orchestersuite „Masques et Bergamasques“ von Gabriel Fauré, gefolgt von zwei Solokonzerten aus der Barockzeit. Zunächst eines der 39 (!) Fagottkonzerte von Antonio Vivaldi, anschließend ein Konzert für zwei Hörner von Georg Philipp Telemann. Erstaunlich, wie blitzschnell Benjamin Lack sein Orchester vom romantischen Klangbild eines Gabriel Fauré in ein Barockensemble transformieren kann, ohne dass irgendwelche Abstriche in punkto „historisch informierte Aufführungspraxis“ gemacht werden müssen. Benjamin Lack ist stets hellwach, gibt Impulse, formt den Orchesterklang passend zum jeweiligen Musikstil, gibt allen Orchestergruppen wichtige Einsätze und vermittelt seine musikalischen Vorstellungen mit unermüdlichem Körpereinsatz. Seine Tempi sind durchwegs flott aber nie gehetzt, Akzente und rhythmische Präzision sorgen für den nötigen Groove.
Hohes Niveau der Bläser
Auf die Qualität der hauseigenen Solist:innen ist Verlass, sie werden jedes Jahr unter den zahlreichen Talenten der Stella Hochschule im Zuge eines Wettbewerbes ermittelt. Der Fagottnachwuchs im Land ist zwar immer noch zu 100% weiblich, kommt aber diesmal nicht aus dem Bregenzerwald, sondern aus Liechtenstein. Lena Marxer, Schülerin von Werner Gloor, Allen Smith und derzeit Heidrun Wirth-Metzler, setzt die Fagott-Tradition des Hauses nahtlos fort. Ihr Spiel ist technisch, klanglich und musikalisch bereits auf sehr hohem Niveau, Antonio Vivaldis virtuoser Solopart bereitet ihr keinerlei Probleme. Leider kam die gesangliche Seite des Fagotts in diesem Werk zu kurz, da auch der langsame Satz in erster Linie aus Umspielungen und Dreiklangszerlegungen besteht. Etwas gewöhnungsbedürftig war Lena Marxers vollkommen vibratoloses Spiel, diese Auffälligkeit ist aber möglicherweise dem Konzept „historisch informiert“ geschuldet.
Auf ähnlich hohem Niveau ging es weiter mit Telemann und seinem Konzert für zwei Hörner und Streicher mit den Solist:innen Johanna Ackerl und Felix Wrann aus der Klasse Michael Pescolderung. Rhythmisch präzise und klanglich gut aufeinander abgestimmt schmetterten sie ihre Jagdmotive in den Festsaal der Stella Hochschule. In strahlendem D-Dur wurde das Publikum in die Pause entlassen, um sich auf die folgende Mozart-Symphonie einzustimmen.
Benjamin Lack hat anscheinend einen funktionierenden Modus gefunden, um seine Tätigkeiten in Feldkirch und an der über 600 km entfernten Kunstuniversität Graz zu verbinden. Es wäre schön, würde er der Stella Musikhochschule noch möglichst lange erhalten bleiben.