Kunst und Kultur als fundamentale gesellschaftliche Kräfte stärken
Kunst- und Kulturpreis mit starken Botschaften verliehen
Zum vierten Mal wurde der für Vorarlberg bedeutende Kunst- und Kulturpreis vergeben. Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis geht auf die Initiative der ehemaligen Kultur-Chefredakteurin der VN, Christa Dietrich, zurück und wird seither von ihr organisiert. Den Hauptpreis vergab die prominent besetzte Jury (Barbara Herold, Richard Dünser, Lisi Hämmerle, Sabine Benzer und Christa Dietrich) in diesem Jahr an die Alpinale Bludenz mit Manuela Mylonas und ihrem Team. Den Anerkennungspreis erhielt die Komponistin Juta Pranulytė. Stefanie Gräve wurde mit dem Sonderpreis der Jury gewürdigt. Das Badehaus am Kaiserstrand bot einen stimmungsvollen Rahmen für die von Isabella Canaval moderierte Festveranstaltung.
Der Kunst- und Kulturpreis, getragen von den Vorarlberger Nachrichten sowie der Wiener Städtischen Versicherung, ist eine bedeutende Säule des Kultursponsorings in Vorarlberg. Bereits zum vierten Mal wurden Künstler:innen verschiedener Kunstsparten ausgezeichnet. Dabei richtete sich der Blick auf vergangene Erfolge als auch auf zukünftige Potenziale.
In einem längeren Auswahlverfahren bringen die Jurymitglieder Nominierungen für Künstler:innen ein, die zunächst auf einer Longlist versammelt werden. In einem weiteren Schritt setzen sich die Jurymitglieder mit den Werken der vorgeschlagenen Künstler:innen auseinander und entscheiden schließlich über die Preisträger:innen. Auch in diesem Jahr fielen alle Entscheidungen einstimmig, betonte die Projektleiterin Christa Dietrich.
Mit Freude nahm Manuela Mylonas den Hauptpreis entgegen und betonte die ungewohnte Rolle, die sie nun einnehme, denn normalerweise vergebe die Alpinale selbst Preise. In den vergangenen vier Jahrzehnten entwickelte sich das Kurzfilmfestival zu einem europaweit beachteten Ereignis. Aus etwa 1.300 Einreichungen kristallisiert das Alpinale-Team die Siegerprojekte, größtenteils in ehrenamtlicher Tätigkeit, heraus. Entscheidend sei der Dialog, betonte die Festivalleiterin in ihren Dankesworten. „Wir zeigen Kurzfilme und sehen unsere Aufgabe darin, Themen anzusprechen, die uns aus der Komfortzone herausschubsen. Wir leben in einer polarisierenden Zeit. Es kann nicht oft genug erwähnt werden, dass Kunst und Kultur besonders wichtig sind, hier sollte investiert werden“, betonte Manuela Mylonas.
Seit zwei Jahren lebt die international erfolgreiche Komponistin Juta Pranulytė in Bregenz und bereichert auch die Vorarlberger Musikszene. Mit dem Anerkennungspreis möchte die Jury die junge Künstlerin vorstellen und auf ihr Potenzial für die Zukunft hinweisen. Richard Dünser brachte diese Intention mit den Worten auf den Punkt, dass sich die Gesellschaft in 100 Jahren mit den heutigen Kunstschaffenden schmücken werde.
Ein Ehrenpreis als Statement
Den Ehrenpreis überreichten die Jurymitglieder der Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stefanie Gräve, und setzten damit zugleich ein kulturpolitisches Zeichen. Nachdem vor einigen Wochen seitens des Landes mit vagen Argumenten verlautbart wurde, dass Stefanie Gräves Vertrag nicht verlängert wird, widersprachen viele kulturpolitisch Interessierte und Theaterexpert:innen dieser Entscheidung. Kritisiert wurde insbesondere auch der wenig wertschätzende Umgang mit der erfolgreichen Intendantin, die zahlreiche neue Impulse gesetzt hat.
Christa Dietrich erwähnte, dass Kunst ein Suchen und Finden von Wahrheiten bedeute. In ihren Dankesworten ging Stefanie Gräve auf die enttäuschende und polarisierende Vorgangsweise der Entscheidungsträger ein. Theater sei eine Kunstform, die in einer Gemeinschaft und für eine Gemeinschaft entstehe. Darin liege auch das Geheimnis des Erfolgs. Sie bedaure es zutiefst, ihre Tätigkeit nicht weiterführen zu können, betonte Stefanie Gräve. „Das Verletzendste an den ganzen Äußerungen rund um meine Nichtverlängerung des Vertrages ist für mich, dass behauptet wird, man müsse aus Verantwortung für die Belegschaft meinen Vertrag beenden. Das ist natürlich ein schwerer Vorwurf und eine schwere Verletzung. Ich habe einmal einen Vortrag über die ARD gehört, und da ist mir ein Begriff sehr hängen geblieben, nämlich der Begriff der Glaubwürdigkeit der Institution. Dass die Glaubwürdigkeit einer Institution nicht an den einzelnen Beiträgen hängt und an den einzelnen Produktionen, sondern dass die Glaubwürdigkeit die Institution an sich tragen muss. Natürlich stelle ich mir die Frage: Würde ich in ein Theater gehen wollen, wo auf der Bühne große moralische Thesen verarbeitet werden und ich aber das Gefühl habe, hinter den Kulissen muss man das Personal vor der Leiterin bewahren? Das würde ich nicht. Frau Dietrich hat gerade über die Lüge und die Wahrheit gesprochen, was sich als gutes Motto dieser Spielzeit erwiesen hat - nicht in der großen Politik, sondern auch im Kleinen und ich kann Ihnen sagen: Die Wahrheit ist, wir sind eine glaubwürdige Institution und wir arbeiten sehr, sehr toll im Haus quer über alle Bereiche zusammen.“
Kreative Kontinuität
Der Kunst- und Kulturpreis ist aus mehreren Gründen eine herausragende Initiative. Das Prozedere ist wertschätzend und die Preisverleihungen werden aufmerksam „durchkomponiert“. Jedes Jahr wird eine andere Künstlerin bzw. ein anderer Künstler mit der Fertigung der Urkunden beauftragt. Die Malerin und Bildhauerin Amrei Wittwer schuf für die Preise 2026 wunderbare keramische Objekte. Persönlichkeiten, die im musikalischen Bereich gewürdigt wurden, verschönerten im darauffolgenden Jahr musikalisch den Festakt. Zuerst war dies das Ensemble plus, dann der Jazzclub Lustenau und vergangenes Jahr der Klarinettist Martin Schelling. Nun musizierten zwei seiner Schülerinnen im Duett zwei passende Werke von Florian Bramböck und bereicherten damit den Festakt.
Kontinuität ist der Projektleiterin Christa Dietrich wichtig. In einer inhaltlich und optisch hervorragenden Extrabeilage der VN gibt sie Einblicke in die Hintergründe der Juryentscheidungen und stellt die Preisträgerinnen in Kurzporträts vor. Überdies wird in einem Beitrag die Nachhaltigkeit der Auszeichnungen, sie ergingen seit 2023 an das Frauenmuseum Hittisau, Daniela Egger und Brigitte Walk, hervorgehoben.
Die Broschüre zum Nachlesen: https://kunstkultur.vn.at