Einmal im Leben tanzen wie Ginger
Im TAK Theater Liechtenstein zeigt das belgische Kollektiv Nevski Prospekt ein Tanzstück für Kinder ab vier Jahren. In der Performance ohne Sprache schlüpfen Jotka Bauwens und Ives Thuwis in die Rollen von Fred Astaire und Ginger Rogers und thematisieren auf humorvolle Weise Freundschaft, Vertrauen und Mut.
„Ginger“ erzählt eine Geschichte ohne Worte von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem älteren Mann und einer jüngeren Frau. Er ist sensibel, ein bisschen langsam und verträumt, und sie ist lässig, voller Energie und ermöglicht ihm seinen großen Wunsch: Er möchte einmal in seinem Leben die große Rolle von Ginger Rogers aus dem Film „Cheek to Cheek“ tanzen – im Federkleid und mit allem Drum und Dran. Er sucht nur noch einen Fred, vielleicht möchte sie das sein?
Tänzerisch und ohne Worte schlüpfen die beiden Figuren in verschiedene Rollen, verkleiden sich, imitieren Tiere und verhandeln spielerisch typische Klischees. „Es ist sehr visuell“, beschreibt Gabriele Villbrandt, die das Kinder- und Jugendtheater im TAK leitet. In „Ginger“ werden Bilder und Videos auf eine Leinwand projiziert und es sei besonders für die kleinen Kinder unterhaltsam, weil sie sich im spielerischen Verkleiden wiederfinden können: „Die kennen das natürlich selber, wenn sie sich verkleiden oder einen Schnauzer ankleben, mal in hochhackigen Schuhen laufen oder sich eine Federboa umhängen und noch eine Jacke ...“ In der Performance werden auch Kontraste wie „jung und alt, sanft und wild, schnell und langsam oder männlich und weiblich“ tänzerisch und humorvoll inszeniert, und es wird Musik aus dem Film von Fred Astaire und Ginger Rogers gespielt.
Überraschende Szenen aus dem Alltag
Jotka Bauwens und Ives Thuwis tanzen sowohl für junges als auch für ein erwachsenes Publikum. Tanzstücke für Kinder sind inhaltlich natürlich etwas anders aufgebaut, aber es gebe keinen gravierenden Unterschied zu einem Stück für Erwachsene, beschreibt Villbrandt. Bei „Ginger“ werde zwar viel Überraschendes geboten, aber nichts Fremdes, weil das Stück genau den Alltag so kleiner Kinder abbilde. Es geht um Freundschaft, Vertrauen und auch um den Mut, sich aus der eigenen Komfortzone zu wagen. Vor allem sehr kleine Kinder seien für experimentellere Formen von Tanz noch sehr offen und zugänglich, weil sie die Stücke nicht so sehr hinterfragen und verstehen wollen. „Sie sind da viel mehr im Sein und im Schauen“, sagt Villbrandt. Bei Kindern ab 13, 14 Jahren sei es schwieriger, das Publikum abzuholen, da müsse der Tanz nochmal was anderes bieten. „Jugendliche stehen dann mehr auf diese Form, die sie kennen, wie Hip-Hop oder Crump, das ist ihnen vertrauter. Im zeitgenössischen Tanz tun sich viele Erwachsene auch schwer.“
Früher Bezug zum Tanz
Im TAK Theater Liechtenstein möchte man mit Vorstellungen speziell für Kleinkinder auch die Jüngeren schon mit den unterschiedlichen Formen von Tanz und Theater vertraut machen. „Kinder haben generell Freude an Bewegung, an Musik und am Sich-Ausdrücken und wenn sie aus der Vorstellung kommen, dann drehen sie sich, hüpfen und sind in einer Bewegung drin“, beschreibt Villbrandt, wie Stücke wie „Ginger“ einen Bezug zum Tanzen herstellen. Dem Kollektiv Nevski Prospekt sei es dabei ein großes Anliegen, sich nicht nur an ein gebildetes oder intellektuelles Publikum zu wenden, sondern Tanzstücke für alle zugänglich zu machen. Bei nonverbalem Theater oder Tanz seien Kinder unabhängig von ihrer sprachlichen Entwicklung auf einem gleichen Level.
Gespielt wird „Ginger“ als Familienvorstellung am Sonntag für Kinder und Erwachsene und am Montag gibt es Vorstellungen für Kindergärten, bei der auch Kinder kommen können, die sonst mit ihren Eltern vielleicht nicht ins Theater gehen.
Nevski Prospekt: „Ginger“
So, 10.5., 16 Uhr
Mo, 11.5., 10 und 14 Uhr
TAK Theater Liechtenstein
ab 4 Jahren
Dauer: 50 min
www.tak.li