Kreisende Klänge und leuchtende Horizonte
Jubel für das Duo Spaemann & Bakanic am Dornbirner Spielboden
Marie Spaemann und Christian Bakanic waren bei Jazz& am Spielboden zu Gast und unterhielten das Publikum mit neuen Werken, die sie auf ihrem aktuellen Album „Splits and Circles“ Ende des vergangenen Jahres präsentierten. Auffallend lyrisch, mit zahlreichen Songs, die zwischen Pop, Soul und Jazz changieren, war Marie Spaemann als Singer-Songwriterin zu erleben. Ihre kreativ und vielfältig bespielten Instrumente, Akkordeon und Violoncello, erweiterte das Duo durch Klavier und Cajón. Dem Titel des Albums entsprechend wurden persönliche und gesellschaftliche Themen mit einer eingängigen, fein nuancierten musikalischen Tonsprache umkreist, die in der Klassik verwurzelt ist.
Marie Spaemann hat auf ihrem Cello eine individuelle Spielart. Damit illustriert sie beeindruckend die vielfältigen Möglichkeiten, die dieses Instrument bietet. Zahlreiche ihrer Songs begleitete sie mit arpeggierenden Gitarrenklängen, gleichzeitig kristallisierte sie aus ihrem Instrument den Groove eines Kontrabasses mit dem typischen Walking Pizzicato oder dem aufs Griffbrett schnellenden Bartók-Pizzicati heraus. Der riesige Tonumfang und die vielgestaltige Bogenführung der Cellistin verwandelten das Cello auch in eine Viola oder Violine und selbstverständlich diente der Korpus auch als Percussioninstrument.
Dass Marie Spaemann gleichzeitig zu ihrem Spiel singt und das Violoncello als Begleitinstrument nutzt, machte die Songs zu individuell ausgefeilten, feinsinnigen Werken.
Der Akkordeonist Christian Bakanic wirkte stets präsent und agierte rhythmisch gut akzentuierend. Aufhorchen ließen seine Solopassagen in Zwischenspielen, die er virtuos in den Raum stellte. Seine Darbietungen am Klavier brachten eine zusätzliche klangfarbliche Note ein, die Marie Spaemann noch mehr ins Licht einer Jazz- und Soulsängerin rückte. Eindrücklich kam diese Facette im Song zu Ehren ihres Cellos „Peace of Wood“ zum Ausdruck.
Schon die ersten Stücke „Prelude“, „Interlude“ und „Fugata“ kristallisierten die Qualitäten des Duos heraus und wiesen auf deren Wurzeln in der klassischen Musik sowie im Tango Nuevo hin.
Ungerade Rhythmen und melodisch detailreich
Über einem starken Bordun intonierten Marie Spaemann und Christian Bakanic den Song „Circles“, der als Leitgedanke über dem Konzert lag. Kreisende Gedankenwelten, die Trennendes verbinden, kamen auch musikalisch durch das Changieren zwischen rhythmisierten, vorwärtstreibenden und verweilenden melodischen Feldern gut zum Ausdruck. Die variantenreiche Modulation ihrer Stimme kam in „Little One“ gut zur Geltung und führte in „Horizonte“ direkt in den Jazzgesang. Eine große Dringlichkeit schuf Marie Spaemann durch die zuerst geradlinig angespielten Töne, die sie erst allmählich mit einem Vibrato belebte.
„Split“ spielt auf die zweite Facette der thematischen Gestaltung des Duos an. Dieses Werk leitete das Duo Spaemann und Bakanic mit beharrlichen Tonrepetitionen ein, die chromatisch nach oben und in ein markantes Crescendo gesteigert wurden. Auch in „Syllables“ kam die emotionale Metamorphose, die zahlreiche Stücke auszeichnete, gut zur Geltung. Sie führte von einer melancholischen Stimmung am Beginn zu einem sich allmählich aufhellenden Schluss.
Seine Leidenschaft für den Tango Nuevo lebte das Duo in „Pentango“ aus, der rhythmisch markant phrasiert erklang und in dem sich die Cellistin und der Akkordeonist gegenseitig Raum für eigene Soli gaben. Auf diese Weise entwickelte sich ein virtuos ausgestalteter Klangvorder- und Hintergrund.
Einen eindrücklichen Song präsentierten Marie Spaemann und Christian Bakanic mit „Last Stream of Sun“, der auf eine aus der Ukraine flüchtende Frau mit ihrem Kind Bezug nahm. Eingeflochten war ein Zitat aus dem berühmten Gefangenenchor von Giuseppe Verdi zur Frage „How does freedom sound?“