Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast. (Foto: Matthias Horn)
Anita Grüneis · 11. Feb 2022 · Kleinkunst, Kabarett

Charles Nguela im TAK – ein frischer, frecher, fröhlicher Comedy-Abend.

Selten hat ein Komiker im TAK das Publikum so begeistert wie der Schweizer Charles Nguela. Als „optimal Pigmentierter" - wie er sich selbst bezeichnet - sieht er die Schweiz mit einem erfrischenden Blick und nimmt dabei mit viel Charme und Witz die helvetischen sprachlichen Eigenheiten oder Brauchtümer aufs Korn. Mit seiner schier unerschöpflichen Energie verpackte Charles Nguela seine Beobachtungen in theatralische Formen, die das Zuschauen und Zuhören zum reinen Spaß werden ließen. Ein Feuerwerk der guten Laune - und immer mit Niveau!

Nach einem sehr kurzen, aber kurzweiligen Vorprogramm mit dem Berner Komiker Retto Jost, begann der Abend im TAK mit einem amüsanten Sketch passend zu unserer Zeit. Charles Nguela ließ darin die großen ansteckenden Krankheiten zu Hollywood-Diven werden, die sich zur alljährlichen Preisverleihung im Stile der Oscars treffen. Madame Corona stolziert über den roten Teppich, siegessicher und angefeuert von Madame Ebola: „Greif sie Dir alle!" Die Grippe gewinnt den „Lifetime Achievement Award" – sie sei wie der Song „Last Christmas", immer wenn man meint, sie sei endlich überstanden, tauche sie im Oktober unverhofft und unerwünscht wieder auf.
Charles Nguela thematisierte auch Contact Tracing und Home-Schooling: Etwa wenn das Contact Tracing zum Contact Making umfunktioniert wird: „Hallo, gehen wir zusammen in Quarantäne…?", oder wenn sich Eltern dabei ertappen, dass sie den Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie zu verwünschen beginnen: „Kinder sind die schlechtesten Mitbewohner – man kann sie nicht loswerden und füttern muss man sie auch noch!". 

Afrika, die Schweiz und gute Schuhe

„R.E.S.P.E.K.T" hat Charles Nguela sein drittes abendfüllendes Programm genannt. Darin verpackte er vieles, was er in seiner Kindheit in Afrika und später in der Schweiz erlebt hat. So schildert er, wie seine Freundin ihn zu einer Bergtour mitnehmen will und ihn fragt, ob er „gute Schuhe" habe. Da denke er als Afrikaner natürlich gleich an „Schuhe ohne Löcher". Was seine Freundin mit „guten Schuhen" meint, wird ihm allerdings erst bewusst, als er um sein Leben bangend, auf allen Vieren den Berg wieder hinunterkrabbelt. Und dann führte er dem Publikum mit einem Augenzwinkern vor, welch unsinnige Formulierungen in unserem täglichen Sprachgebrauch teilweise verankert sind, was ihm das Erlernen des Schweizerdeutsch nicht gerade einfacher gemacht habe. Beispiele: Wir wünschen gute Besserung – ja gibt es denn auch eine schlechte Besserung? Oder wie bitteschön, kann man schnell warten oder langsam „pressieren"? Die Musik dürfte man ruhig lauter machen – wie soll denn das funktionieren? 

Brauchtum oder Voodoo?

Zu einem weiteren Highlight des Abends wurde die Schilderung des „Zürcher Sechseläutens". Wie bei diesem jahrhundertalten Brauch, ein mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter künstlicher Schneemann, genannt „Böögg", verbrannt werde, während eine Horde von Männern auf Pferden um das Feuer herumgaloppierte, sei für ihn als Afrikaner reinstes Voodoo! Natürlich lacht das Publikum schallend – ebenso wenn er erzählt, wie geschockt er war, als Freunde ihn zum „Knabenschießen" eingeladen hätten. „Was denn diese Jungs verbrochen haben sollen", fragt er ungläubig, bis er darüber aufgeklärt wird, dass es sich um ein Schützenfest handelt.
Charles Nguela macht sich auch gerne über sich selbst , über seine Herkunft (nein, das Skifahren wurde definitiv nicht in Afrika erfunden …) und auch über die damit verbundenen Vorurteile lustig: „Wenn du einen Afrikaner als Freund willst, musst du ihn füttern", meint er und flicht „I have a dream" und „Black live matters" immer wieder geschickt in sein Programm ein. Empathie sei alles, hat er von seiner Mutter gelernt. Und genau das gibt er mit Erfolg weiter.
Im Kongo geboren, in Südafrika gelebt, mit 14 Jahren in die Schweiz gekommen, arbeitete er 
sieben Jahre als Sales- und Produktmanager und in der Freizeit als Comedian. Seit 2018 ist Charles Nguela selbständig; zwei Jahre lief es gut, doch dann kam Corona. Er ließ sich nicht entmutigen, produzierte Videos für Firmen, drehte Werbespots und tüftelte an diesem dritten Programm: „R.E.S.P.E.K.T". Das hat sich gelohnt, das Publikum war absolut begeistert von diesem charmanten Komiker, der lustig ist - aber nie auf Kosten anderer - und der keinen moralischen Zeigefinger braucht, um zu belehren. Ein großer Entertainer.

www.charles-nguela.com
ww.tak.li